Anleihen

Primärhändler sehen amerikanische Zinsen bei zwei Prozent

29.07.2004
, 16:54
Waren manche relativ lange Zeit zögerlich, so rechnen nun immer mehr Bankenvolkswirte mit zügig steigenden Zinsen. 18 von 22 Primärhändler in Amerika rechnen mit einem Leitzins von zwei Prozent oder mehr zum Jahresende.
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Eine wachsende Zahl der größten Anleihehandelshäuser der Wall Street erwartet, daß die amerikanische Notenbank (Fed) den Tagesgeldsatz bis Jahresende auf mindestens zwei Prozent heraufsetzen wird. Ökonomen bei 18 von 22 Primärhändlern prognostizierten in einer Umfrage von Bloomberg News einen Anstieg der Zinsen auf zwei Prozent oder mehr. Mitte Juni waren es nur 14 von 23 Bondhandelshäusern gewesen.

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Nach dem Kommentar von Notenbankchef Alan Greenspan in der vergangenen Woche, die Abschwächung im Juni, werde "kurzlebig" sein, wird die Fed die Zinsen auf jeder der vier verbleibenden Sitzungen in diesem Jahr um 25 Basispunkte anheben, erwarten die Volkwirte. "Nachdem die Fed angefangen hat, in der Geldpolitik die Zügel zu straffen, wird sie sie kaum loslassen," sagte Ethan Harris, Chef-Ökonom für Amerika bei Lehman Brothers in New York. "Greenspan ist der Meinung, daß die Finanzmärkte wohl mit höheren Zinsen fertig werden. Das signalisiert, sie werden die Zinsschraube auf jeder Sitzung um 25 Basispunkte anziehen."

Erste Zinserhöhung seit dem Jahr 2000

Am 30. Juni hatten die amerikanischen Währungshüter erstmals seit dem Jahr 2000 die Leitzinsen angehoben, von einem Prozent auf 1,25 Prozent. Die Prognosen für den Zinssatz am Jahresende 2005 bewegen sich zwischen zwei Prozent bei Dresdner Kleinwort Wasserstein Securities LLC und 4,5 bis fünf Prozent bei BNP Paribas. Harris und seine Kollegen bei BNP Paribas, Barclays Capital , Deutsche Bank Securities , Goldman Sachs & Co., J.P. Morgan Securities und RBS Greenwich erwarten einen Anstieg auf 2,25 Prozent. Im Juni prognostizierten das nur vier Bondhandelshäuser. Die Rendite zweijähriger amerikanischer Staatsanleihen ist mittlerweile von 2,53 Prozent auf 2,74 Prozent gestiegen. Das Papier reagiert sensibler als längerfristige Anleihen auf Veränderungen in der Geldpolitik.

Mit seinem Kommentar beendete Greenspan Spekulationen, die Fed werde bei einer der vier Sitzungen den Leitzins unverändert lassen. "Die Fed steht stärker unter Druck, den Leitzins wieder auf ein normales Niveau zurückzuführen," erläutert Edward McKelvey, leitender Volkswirt bei Goldman Sachs in New York. Für Goldman Sachs war der Anstieg der Lohnstückkosten der Auslöser, die Zinsprognose anzuheben. Der Anstieg der Lohnstückkosten im ersten Quartal wurde im Juni von einem vorläufigen Satz von 0,5 Prozent auf 0,8 Prozent nach oben korrigiert. Barclays gab mit 2,5 Prozent die höchste Zinsprognose für das Jahresende ab. Die Ökonomen von BNP Paribas sehen den Zinssatz Ende Dezember bei 2,25 Prozent oder 2,5 Prozent.

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Arbeitsmarkt robust - Preise ziehen an

Auch die in jüngster Zeit veröffentlichten Konjunkturdaten sprechen für höhere Zinsen. Im zweiten Quartal wurden 671.000 neue Stellen geschaffen. Das ist das stärkste Jobwachstum seit den ersten drei Monaten des Jahres 2000. Hingegen zieht die Inflation an: Die Verbraucherpreise haben sich im Juni gegenüber dem Vorjahresmonat um 3,3 Prozent verteuert. Das ist der größte Anstieg seit Mai 2001. Die mit höheren Zinsen verbundenen Risiken "werden unserer Ansicht nach durch die Risiken in den Schatten gestellt, die bei einer unveränderten Zinspolitik bestehen würden," sagte Greenspan und verwies damit auf die Notwendigkeit, die Inflation einzudämmen.

Die Renditen der zweijährigen Staatsanleihen sind rascher gestiegen als die Renditen im Zehnjahresbereich. Das ist ebenfalls ein Signal, daß die Händler mit weiteren Zinserhöhungen der Fed rechnen. Der Renditeabstand hat sich von 2,48 Prozentpunkten im Januar auf 1,85 Prozentpunkte in dieser Woche verringert. "Bis die Wirtschaft die Vollbeschäftigung erreicht, wird die Fed die Zinsen wieder auf ein normales Niveau geführt haben wollen," erwartet James Glassman, leitender Volkswirt für Amerika bei J.P. Morgan in New York. "Wenn wir von einer Preissteigerungsrate von 1,5 bis zwei Prozent ausgehen, hieße das, ein Zinssatz von 3,5 bis vier Prozent."

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Einig sind sich die befragten Ökonomen, daß die Fed die Fremdkapitalkosten mindestens noch zweimal in diesem Jahr verteuern wird. Drei Primärhändler - HSBC Securities USA , Merrill Lynch & Co. und CIBC World Markets - sehen den Fed- Funds-Satz zum Jahresende bei 1,75 Prozent. "Angesichts der sinkenden Kurse an den Börsen und des höheren Ölpreises halten sich Befürchtungen, daß es erneut zu einer Abschwächung wie im Juni kommen könnte," berichtet Ian Morris, Chef-Volkswirt für Amerika bei HSBC in New York. Der Standard & Poor's 500 Index hat diesen Monat 3,98 Prozent eingebüßt und die Energiepreise sind in den letzten zwölf Moanten um 17 Prozent geklettert.

Quelle: Bloomberg
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