Anleihen

Rentenmärkte ambitioniert bewertet

22.09.2004
, 09:34
Der Chart zeigt die Kursentwicklung des Bund-Futures in den vergangenen Monaten
In Amerika steigt der Leitzins, die Notenbank strotzt vor Konjunkturoptimismus. Die Rentenmärkte funken jedoch andere, eher skeptische Signale. Sollte sich das Wachstum nicht abschwächen, wären sie überbewertet.
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Die amerikanische Notenbank (Fed) hat den Leitzins am Dienstag wie erwartet zum dritten Mal in diesem Jahr um 25 Basispunkte auf 1,75 Prozent erhöht und sich optimistisch zur Konjunkturentwicklung geäußert. Zugleich deuteten die Währungshüter weitere moderate Zinserhöhungen an. Volkswirte rechnen damit bereits beim nächsten Treffen am zehnten November.

Die Aktien- und Rentenmärkte reagierten mit leichten Kursgewinnen, während der Dollar zumindest gegen den Euro deutlich unter Druck geriet. Der Euro hat mit dem Sprung über die Marke von 1,23 Dollar je Euro sogar den im Februar etablierten kurzfristigen Abwärtstrend überwunden. Das ist sicherlich kein sonderlich gutes Zeichen für die „Dollarbullen“.

Stärke der Rentenmärkte könnte zu denken geben ...

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Insgesamt betrachtet scheint die Reaktion der Märkte auf die Zinserhöhung ziemlich irrational zu sein. Denn nach der reinen Theorie hätten sie gerade anders herum reagieren müssen. Allerdings blicken die Marktteilnehmer in der Regel weiter nach vorne. Und da die Zinsentscheidung in dieser Form erwartet war, spielt sie möglicherweise überhaupt keine Rolle mehr. Aber selbst dann sind die Signale der Märkte uneinheitlich. Vor allem die steigenden Kurse am Rentenmarkt passen überhaupt nicht ins Bild, welches Alan Greenspan, die Börsen und die sonstigen Konjunkturoptimisten zeichnen.

Denn sollte die Konjunktur tatsächlich nachhaltig anziehen, und sollten die Leitzinsen weiter steigen, müßten die Kurse an den Rentenmärkten fallen und die Renditen steigen - und nicht fallen. Eine zunehmende Kapazitätsauslastung in der Industrie - zumindest bei der Herstellung von Lastwagen scheint sie Realität zu sein - dürfte früher oder später die Preise in Bewegung bringen. Und selbst wenn nicht, sollte die Entwicklung an den Öl- und anderen Rohstoffmärkten zu denken geben. Dort mögen die Preise zwar zum Teil spekulativ getrieben sein. Trotzdem werden sie sich früher oder später beim Auslaufen bisheriger Lieferkontrakte auch beim Konsumenten bemerkbar machen. Gleichzeitig müssen die Zentralbanken die überaus großzüzigen Geldmengen abschöpfen. Denn sie führen in Teilen der Wirtschaft zu inflationären Entwicklungen. Man braucht sich nur die Preisentwicklung an den Immobilienmärkten in den angelsächsischen Staaten, in Spanien und in Teilen Frankreichs anzuschauen.

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... denn sie hinterfragt den anhaltenden Konjunkturoptimismus

In diesem Sinne läßt sich fragen, wieso die Rentenmärkte so freundlich tendieren. Möglicherweise handelt es sich auch hier um eine durch die hohen Geldmengen induzierte Kursblase. Das erreichte Kursniveau läßt sich zumindest nach Ansicht der Analylsten von Goldman Sachs nur dann rechtfertigen, wenn sich die amerikanische Konjunktur deutlich abschwächen, bei steigender Arbeitslosigkeit unter das Potentialwachstum fallen und wenn die amerikanische Notenbank aus diesem Grund den Leitzins nicht weiter erhöhen sollte. Sie gehen grundsätzlich von einer Abschwächung des Weltwirtschaftswachstums aus. Trotzdem halten sie die Rentenmärkte für überbewertet und setzen in der Tendenz eher auf fallende Kurse. Auch wenn sie im Moment keinen unmittelbaren Auslöser für fallende Kurse und steigende Renditen identifizieren können.

Kurzfristige Zinsen indizieren in Amerika einen Leitzins von 2,25 Prozent Mitte des kommenden Jahres. Der Markt scheint kaum mit wesentlich höheren Zinsen zu rechnen. In Europa scheint kein Mensch mit steigenden Zinsen zu kalkulieren. Bewertet man die langlaufenden Anleihen mit theoretischen Modellen, so sind sie so deutlich überbewertet, daß eine Korrektur überfällig zu sein scheint. In jüngster Zeit sind nicht nur die nominellen, sondern auch die realen Renditen gefallen. Sie liegen nahe an den Rekordtiefs und weit unter den historischen Durchschnitten.

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Auf dieser Basis scheinen die Rentenmärkte riskant zu sein. Sollten die Anleiheanleger jedoch recht haben, dann sähe es nicht sonderlich gut aus für die Börsen und sehr wahrscheinlich für den Dollar. Anleger sollten aus diesem Grund auf die konjunkturellen, die Rendite-, die Arbeitsmarkts- und Preistrends achten. Denn die aktuell extrem niedrigen Volatilitäten an den Aktien- und Devisenmärkten könnten auf die Ruhe vor dem Sturm hinweisen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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