Anleihen

Rentenmärkte: Der Trend „geht zum Brunnen, bis er bricht“

29.09.2005
, 15:41
Die Anleihemärkte konnten in den vergangenen Jahren von vorteilhaften Trends - zum Beispiel sinkenden Zinsen - profitieren. Das muß allerdings nicht so bleiben. Denn die Verhältnisse haben sich inzwischen verändert.

Die Rentenmärkte legten in den vergangenen Jahren eine phantastische Performance an den Tag. Denn aufgrund der unterschiedlichsten Effekte fielen die Zinsen mit wenigen Ausnahmen praktisch weltweit immer tiefer.

Hintergrund war einerseits die extrem lockere Geldpolitik in weiten Teilen der Welt, angefangen in den Vereinigten Staaten und damit über die Währungsbindung auch in China, über Europa bis hin zu Japan. Auf der anderen Seite machte sich auch die zunehmende Integration vieler Schwellenländer in das globale Wirtschaftsgeschehen bemerkbar.

Das zeigte sich besonders deutlich am vollzogenen und absehbaren EU-Beitritt der Staaten in Mittel- und Osteuropa. Der Konvergenzprozeß hat zu einer kontrollierbaren und kontrollierten Preisentwicklung in diesen Ländern geführt und den Zentralbanken zusammen mit einer etwas disziplinierteren Finanzpolitik und aufwertenden Währungen Zinssenkungsspielraum gegeben.

Anleihen schnitten lange Zeit besser ab als Aktien

Davon konnten die Anleger profitieren, die direkt in entsprechende Anleihen oder in Rentenfonds investiert haben. Denn sie haben lange Zeit sogar noch besser abgeschnitten, als mancher Aktienfonds.

An manchen Rentenmärkten zeigt der Kurstrend weiterhin nach oben. Und nach dem Motto „der Trend ist Anlegers Freund“ scheint es auch zunächst ratsam zu sein, dabei zu bleiben. Immerhin reden manche Strategen von einer strukturellen Deflation, die die Renditen sogar noch weiter nach unten bringen könne. Allerdings dürfte es sich lohnen, solche Argumente genauer zu betrachten. Denn inzwischen hat sich das Umfeld doch gewandelt.

Immerhin haben in manchen Staaten die Zentralbanken angefangen, die Zinszügel anzuziehen. Davon abgesehen stellt sich die Frage, ob sich die zum Teil massiv gestiegenen Rohstoffpreise nicht früher oder später deutlicher bemerkbar machen werden. Immerhin gab es in den vergangenen Wochen einige Gewinnwarnungen, die auf die hohen Rohstoffkosten zurückgeführt wurden. Selbst im wirtschaftlich dahindümpelnden Europa befindet sich die Inflationsrate auf dem höchsten Stand seit vier Jahren. Die sogenannte gefühlte Inflation liegt noch deutlich darüber. Zinssenkungshoffnungen dürften längst vom Tisch sein.

Insgesamt scheint nicht nur der Trend zu immer vorteilhafter werdenden Liquiditäts- und Zinsbedingungen beendet zu sein, sondern es ist inzwischen zu einer gewissen Gegenbewegung gekommen. Nur die Rentenmärkte scheinen das nicht so richtig wahrhaben zu wollen. Denn die Zinskurven sind bisher immer flacher geworden. Entweder weil die Zinsen bei Papieren mit kurzen Laufzeiten stiegen und mit langen nicht, oder weil sie am sogenannten langen Ende sogar fielen.

Zunehmende Inflationserwartungen könnten Rentenmärkte beeinflussen

Aufgrund der wirtschaftlichen dämpfenden Effekte hoher Rohstoffpreise rechnen Experten zwar nur bedingt mit einer deutlich weiteren Verschärfung der Liquiditätssituation. Allerdings geht beispielsweise Joachim Fels von Morgan Stanley von steigenden Inflationserwartungen aus. Genau die würden sich dann aber negativ auf die Renditen von länger laufenden Anleihen auswirken.

In den Vereinigten Staaten dürfte es seiner Meinung nach vor allem dann zu einer Verunsicherung kommen, wenn die Zentralbank aufhören sollte, die Zinsen strotz steigender Preise zu erhöhen. Das würde nicht nur zu einer höheren Risikoprämie führen, sondern der Markt würde eine gewisse „Inflationstoleranz“ der Zentralbank unterstellen.

Mit Blick auf den japanischen Markt verweist er ähnlich wie die Analysten von Mitsubishi Securities auf die unterschiedliche Prognose an den Renten- und Aktienmärkten. Die Rentenhändler sind nicht so optimistisch wie die Börsianer und müßten insbesondere dann in die Defensive geraten, wenn die wirtschaftliche Erholung in Japan nachhaltig wäre und wenn anziehenden Preisen über eine restriktivere Geldpolitik begegnet werden müßte. In Europa rechnet er tendenziell mit einer Stagflation, in der zunehmende Inflationserwartungen die Renditen nach oben bringen würde.

Insgesamt dürfte es ratsam sein, die Entwicklung an den Rentenmärkten genauer zu verfolgen. Denn jeder Trend „geht zum Brunnen bis er bricht.“

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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