Anleihenmarkt

Aktuelle Rendite-Highlights am Anleihenmarkt

22.09.2005
, 18:15
Eierlegende Wollmilchsäue sind selten. Anleihen mit hoher Rendite und geringen Währungs- und Emittentenrisiken gibt es einfach nicht. Wer Prozente sucht, der muß schon etwas riskieren.
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Noch eine Zinserhöhung, und in Amerika steht wieder eine Vier vor dem Komma. Davon können Anleger in Europa nur träumen. Denn selbst bei langfristiger Bindung bieten sichere Anleihen hierzulande nicht viel mehr als drei Prozent, und bald könnte die Zwei vor dem Komma stehen.

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Wer auf Staatsanleihen setzt kann machen, was er will. Licht aus, Spot an - mit 3,74 Prozent Rendite ist die noch 22 Jahre laufende Anleihe des Landes Nordrhein-Westfalen (ISIN: DE0007490245) unter den Euro-Staatsanleihen mit gutem Rating (Aa2) derzeit der absolute Hauptgewinner. Nur noch neun andere Anleihen schaffen außerdem die Drei.

Kündbarkeit kostet unter Umständen ein Prozent Rendite

Höhere Zinsen versprechen Unternehmensanleihen. Doch da scheint die beste Zeit vorüber zu sein. Die Anlageklasse insgesamt garantiere keine attraktiven Erträge mehr, heißt es in einer Studie der Fondsgesellschaft Invesco. Der Abstand zwischen der Rendite von Unternehmens- und sicheren Staatsanleihen sei inzwischen so gering, daß der Blick nach vorn kritisch sein müsse.

Wer sich an dem orientiert, was auf dem Markt herumschwirrt, findet bei Renditen über vier Prozent selbst bei gutem Rating einen Haken. Mit 5,593 Prozent Rendite macht etwa die noch 16,5 Jahre laufende Anleihe der Hypo Real Estate-Tochter Württembergische Hypothekenbank auf sich aufmerksam (ISIN: DE0003432449, Rating A3). Doch leider handelt es sich um eine nachrangige Tier II-Anleihe, die obendrein ein Emittentenkündigungsrecht nach zehn Jahren hat. Tritt dieser Fall ein, reduziert sich die Rendite bei einem Kupon von 6,58 Prozent auf 4,67 Prozent. Außerdem: den professionellen Anleger quält die lange Restlaufzeit.

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Das ist auch ein grundsätzliches Problem. Wer es gern ein bisserl kürzer hätt', der muß eine Menge Abstriche bei der Rendite machen. Der König ist eine Inhaber-Schuldverschreibung der Sparkasse Köln-Bonn (ISIN: DE000A0BNG00), die aber nicht nur ein Rating von „nur“ A1 hat, sondern auch bei acht Jahren Restlaufzeit auch nur noch bei 4,56 Prozent rentiert.

Synthetische Anleihen rentieren besser, aber...

Unter fünf Jahren Laufzeit zeigt sich mit einer Rendite von 4,46 Prozent die CORE 1999-1 Ltd. als höchstrentierliches Objekt der Begierde (ISIN: DE0002937976). CORE ist eine Zweckgesellschaft, an die die Deutsche Bank Forderungen verkauft hat und die sich wiederum durch die Ausgabe von Wertpapieren finanziert, die selbst durch den Forderungsbestand gedeckt sind. (Asset Backed Security, ABS).

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Im Fall dieser Anleihe sind es Forderungen aus Krediten an Kleinunternehmen, teilweise aber in synthetischer Form - also nicht durch eine tatsächliche Übertragung. Das ursprüngliche Portfolio ist stark gemischt. 25 Prozent wurden durch erstklassige Pfandbriefe besichert - aber 22 Prozent durch Forderungen ohne Rating.

Das Rating der ABS-Anleihe liegt zwar bei Aa2, dennoch scheint das Risiko dieser eher intransparenten Finanzierungsform eher schwer abschätzbar und eher vergleichbar mit Cobold-Anleihen (Der Cobold im Depot). Wer einen Klassiker mit festem Kupon und kurzer Laufzeit sucht, der landet einmal mehr bei der Sparkasse Köln-Bonn (ISIN: DE0003296398), deren Inhaberschuldverschreibung mit einer Restlaufzeit von knapp drei Jahren mit 3,98 Prozent rentiert.

Keine Rettung durch Neuemissionen

Ein Problem der Langläufer ist natürlich auch die erhebliche „Modified Duration“ (vgl. auch Anleihenstrategie gegen fallende Kurse). Die Zinssensitivitäten liegen bei fast sieben (Sparkasse) und fast zehn Prozent (Hypobank). Wer sich an die Papier bindet, riskiert eine lange Laufzeit. Denn bei einem Anstiegen des Zinsniveaus um ein Prozent fallen die Kurse um sieben bis zehn Prozent (zumindest rechnerisch).

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Nur wenig Hoffnung birgt der Markt für Neuemissionen, auch wenn dieser nach der überstandenen Sommerflaute mehr als genug bietet. Bertelsmann will eine Anleihe mit zehn Jahren Laufzeit begeben. Die Preisandeutungen lassen eine Rendite von wenig mehr als 3,7 Prozent erwarten. Gemessen an anderen Schuldnern der Qualität BBB+ ist das kein wirklicher Aufreger.

Wer mehr will, muß mehr Risiko akzeptieren. Unter den neuen Dollar-Anleihen locken Papiere mit einem Kupon von bis zu 10,5 Prozent. Der Metallproduzent Metallurg Holdings bietet damit eine Rendite von 11,04 Prozent und das Immobilienunternehmen Ashton Woods 9,75. Das sind üppige Risikozuschläge - nicht ohne Grund. Metallurg hat erst gar kein Rating vorzuweisen, und die Bonitätsnoten von Ashton Woods lauten B3 und B-.

Es lebe die Island-Mode

Metallurg hat zwischen 2001 und 2003 sinkende Umsätze zu verzeichnen. Erst 2004 erholten sich diese wieder, Verluste hat das Unternehmen trotzdem gemacht. Erst im ersten Halbjahr des laufenden Jahres kehrte man in die Gewinnzone zurück. Doch die Jahre haben ihre Spuren hinterlassen, das Unternehmen ist überschuldet. Über Ashton Woods läßt sich gar nichts sagen, da es sich um ein Privatunternehmen handelt.

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Das ist also nichts für schwache Nerven. Vor allem, weil der amerikanische Dollar gegenüber dem Euro Stärke gezeigt hat und das Zinsniveau in den Vereinigten Staaten höher liegt. Doch angesichts des amerikanischen Leistungsbilanzdefizits sind die Dollar-Prognosen keineswegs so überzeugend.

Eine Alternative könnte die neueste Modewelle auf dem Markt für Fremdwährungsanleihen sein. Dort hat es in den vergangenen Wochen eine Reihe von Emissionen gegeben, die in isländischen Kronen denominiert sind. Auch bei diesen Anleihen sind Kupons von sieben bis neun Prozent zu haben, bei weitaus geringerem Risiko. Denn die Emittenten sind gut bis erstklassig.

So gibt es eine Kronen-Anleihe von der über jeden Zweifel erhabenen Europäischen Investitionsbank (ISIN: XS0230695123) mit drei Jahren Laufzeit und einer Rendite von 6,79 Prozent. Die mit einem A1-Rating ausgestatteten Islandsbanki bietet für ein Jahr Laufzeit sogar eine Rendite von 8,99 Prozent (WKN: A0GFX5). Eine weitere Emission kommt von der Deutschen Bank in Eigenregie. Sie verkauft die einjährige Anleihe mit einem Kupon von acht Prozent. Die Mindeststückelung beträgt 100.000 isländische Kronen. Das sind etwa 1.300 Euro.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho
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