E-Access

Japanischer Internet-Provider mit Euro-Hochzinsanleihe

Von Martin Hock
29.03.2011
, 13:57
E-Access: Von DSL zu Mobil mit Anlegergeld
Die Emittenten haben wenig Mitleid mit den Privatanlegern. Lediglich einer scherte jüngst aus: Der japanische Internet-Anbieter E-Access verkauft eine Anleihe in einer Stückelung von 1000 Euro im Volumen von 200 Millionen Euro.
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Die Emittenten haben wenig Mitleid mit den Privatanlegern. Der Kabelnetzbetreiber Kabel Baden-Württemberg bringt neue Anleihen mit Mindestanlagesummen von 150.000 Euro auf den Markt, der belgische Hersteller von Windeln und Frauenhygieneprodukten Ontex mit Mindestanlagesummen von 100.000 Euro und selbst bei der ungarischen Telekom geht nichts unter 50.000 Euro.

Lediglich ein Emittent von Euro-Anleihen scherte in den vergangenen Tagen aus. Der japanische Internet-Anbieter E-Access verkauft eine Anleihe in einer Stückelung von 1000 Euro im Volumen von 200 Millionen Euro (Isin: XS0605958288) mit einem Zins von 8,375 Prozent und einer Laufzeit von 7 Jahren.

DSL-Geschäft im Rückwärtsgang

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Das Geschäft von E-Access besteht im Verkauf von ADSL-Anschlüssen, Internetanschlüssen unter dem Label AOL. Zudem betreibt das Unternehmen ein Glasfibernetz, verkauft USB-Sticks für den mobilen Internet-Zugang und beabsichtigt darüber hinaus weiter in das Geschäft mit dem mobilen Internet zu expandieren.

Das im März 2010 beendete Geschäftsjahr brachte nach einem Rekordjahr 2009 einen Umsatzeinbruch um 12 Prozent auf 83 Milliarden Yen (seinerzeit rund 665 Millionen Euro). Dieser Umsatzrückgang geht auf das Geschäft mit Breitbandanschlüssen zurück, das offenbar auch in Japan keine große Zukunft mehr bereit hält. E-Access übernahm daher das Beteiligungs-Unternehmen E-Mobile gänzlich.

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In den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres setzte das neue Unternehmen dann 131,9 Milliarden Yen (seinerzeit rund 1,2 Milliarden Euro) um und damit etwa doppelt so viel wie im gleichen Zeitraum des vorangegangene Geschäftsjahres.

Dabei fiel ein operativer Gewinn von 40 Milliarden Yen an, nicht ganz doppelt so viel wie im Vergleichszeitraum, so dass mithin die operative Marge von 33 auf 30 Prozent sank, was durchaus eine ansehnliche Profitabilität bedeutet. Unter dem Strich blieben 4,77 Milliarden Yen, lediglich 48,5 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Mobiles Internet erstmals mit Gewinn

Grund war vor allem ein um das Sechsfache höherer Betriebsaufwand, der durch die Aufwendungen für das E-Mobile-Geschäft zustande kommt, das ab dem zweiten Geschäftsquartal konsolidiert wurde. Im dritten Quartal erzielte E-Mobile erstmals einen Gewinn von 640 Millionen Yen, so dass insgesamt das Geschäft im Kommen zu sein scheint. Dagegen waren die Erlöse im Breitbandgeschäft in den ersten neun Monaten um knapp 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 53,9 Milliarden Yen gesunken.

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Auch die Nettoschulden stiegen mit der Konsolidierung von E-Mobile deutlich von 42 Milliarden Yen Ende Juni 2010 auf 223 Milliarden Yen zum 31. Dezember. Die Eigenkapitalquote stieg indes von knapp 17 auf knapp 20 Prozent. Bei einem geplanten operativen Gewinn von 61 Milliarden Yen im Gesamtjahr ergibt sich damit eine Relation von Nettoschulden zu operativem Gewinn von 3,7. Beide Kennziffern liegen zwar nicht im Bereich dessen, was als stark zu bezeichnen wäre, sind aber auch nicht alarmierend. Mit dem Erlös der Anleihe sollen syndizierte Kredite vorzeitig getilgt werden, die im Zusammenhang mit der Übernahme von E-Mobile aufgenommen wurden.

Zunehmende Wettbewerbsintensität

Von der Rating-Agentur Moody's wird die Anleihe von E-Access mit der Note „Ba3“ bewertet, mithin ein Rating im oberen Bereich dessen, was als spekulative Anleihe gilt. E-Access sei ein kleiner Anbieter mit einer schwachen Wettbewerbsposition und im Vergleich zu den großen japanischen Telekommunikationsanbietern eher finanzschwach.

Im Kerngeschäft aber sei seine Position mit einem Marktanteil von 245 Prozent im ADSL- und 40 Prozent im mobilen Breitbandgeschäft stark. Dies sei auch das Wachstumsfeld der Zukunft, allerdings nehme die Wettbewerbsintensität zu. E-Access werde seine Position aber halten können.

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Eine Verbesserung der Bilanzstruktur hänge sehr stark von der Gewinnentwicklung ab, da Moody's davon ausgeht, dass E-Access seine Schulden aus dem freien Mittelzufluss zu tilgen beabsichtigt. Auch nach der Emission wird die Hälfte der Schulden besichert sein, so dass die unbesicherte Anleihe hier im Nachteil ist.

Wenig Alternativen

Im Vergleich zu der am deutschen Markt handelbare Anleihe von Heidelbergcement mit vergleichbarem Rating und ähnlicher Laufzeit bietet die Anleihe von E-Access einen deutlichen Renditeaufschlag von rund drei Prozentpunkten. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass Heidelbergcement doch um einiges größer ist und das Geschäftsmodell stabiler erscheint.

Vergleichbare Renditen bieten Anleihen des spanischen Glücksspiel-Anbieters Cirsa. Einen Aufschlag bietet eine Anleihe des Autovermieters Europcar, deren Bonität allerdings mit „Caa1“ vier Stufen niedriger veranschlagt wird. Das Rating der Cirsa-Anleihe liegt mit „B3“ eine Stufe darüber. Und beide Anleihen haben zudem den Nachteil, dass die Mindestanlagesummen wieder eine prohibitive Höhe haben.

Wer das Risiko bei E-Access begreiflicherweise scheut, der kann zu Anleihen deutscher Bundesländer greifen. Schleswig-Holstein (Isin: DE000SHFM063) hat eine fünfjährige Anleihe auf den Markt gebracht, die bei einem Kupon von 3 Prozent aktuell mit 3,04 Prozent rentiert. Sachsen-Anhalt zahlt für 7 Jahre 3,185 Prozent (Isin: DE000A1A6SX4) und Nordrhein-Westfalen für drei 2,375 Prozent (Isin DE000NRW0BW8).

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors wieder.

Autorenporträt / Hock, Martin
Martin Hock
Redakteur in der Wirtschaft.
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