Erstklassige Schuldner

Nur noch wenig Auswahl

Von Stefan Ruhkamp
28.07.2011
, 21:00
Ein „AAA”-Emittent: Microsoft
Zwanzig Staaten, vier Unternehmen und eine private Bank: Mehr sind nicht übrig geblieben. Verlässt man sich auf die Ratings der Agentur Standard & Poor's tragen nur noch wenige Schuldner das AAA-Rating. Dabei ist es bares Geld wert.
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Anleger, die erstklassige Schuldner bevorzugen, haben derzeit nur eine geringe Auswahl. Sieht man von Verbriefungen ab, deren AAA-Noten sich in der Finanzkrise als dubios erwiesen haben, bleiben die Schuldtitel von rund zwanzig Staaten und vier Unternehmen übrig, sofern man sich auf die Ratings der Agentur Standard & Poor’s (S&P) verlässt. Unter den privaten Banken ist allein die niederländische Rabobank übrig, die einen genossenschaftlichen Hintergrund hat. Andere Banken, die sehr gute Noten tragen wie die deutsche KfW Bankengruppe, sind in Staatsbesitz. Alle anderen Schuldner können sich nicht mehr mit der Bestnote schmücken.

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Unter den Unternehmen halten nur noch Microsoft, Johnson & Johnson, Automatic Data Processing und Exxon-Mobil ein AAA-Rating. Andere renommierte Namen wie General Electric oder der Rückversicherer General Re haben die Bestnote längst verloren. Seitdem Amerikas AAA in Gefahr geraten ist – bei S&P ist der Ausblick negativ – und auch Frankreich handeln muss, um nicht einen ähnlichen Weg zu gehen, verbreitet sich der Eindruck, dass erstklassige Staatsschuldner rar geworden sind. Im Euroraum gibt es neben Deutschland noch fünf weitere Länder: Österreich, Finnland, Frankreich, Luxemburg und die Niederlande. Dabei hat es auch früher nicht mehr als zwanzig AAA-Staaten gegeben. Allerdings hat sich ihr Anteil an der Gesamtzahl der mit einem Rating bewerteten Länder verringert, weil die Agenturen heute für mehr als 100 Staaten die Bonität einschätzen.

Die AAA-Note ist für die Finanzminister der Staaten und Finanzvorstände der Unternehmen bares Geld wert. Gute Bonitätsnoten führen zu erheblichen Finanzierungsvorteilen. In riskanten Marktphasen versuchen viele Anleger ihr Vermögen in vermeintlich sichere Anlageklassen zu stecken. Das gilt insbesondere für die Kredit- und Anleihemärkte. Davon hat der deutsche Staat in der Finanz- und Schuldenkrise besonders profitiert. Obwohl die Wirtschaft sich längst erholt hat und mit hohem Tempo wächst, rentieren zehnjährige Bundesanleihen immer noch mit weniger als 3 Prozent. Das gleicht gerade noch die Inflation aus.

Bild: F.A.Z.

Verschuldung in eigener Währung

Belgien, das von der Ratingagentur Fitch mit der zweitbesten Note AA+ bewertet wird, muss schon mehr als 4 Prozent Zinsen zahlen. Für die finanzschwachen Länder Spanien und Italien liegen die Renditen sogar nahe 6 Prozent. Die Anleihen der Hilfeempfänger Irland, Portugal und Griechenland liegen sogar in der Größenordnung von 10 Prozent und darüber. Allerdings hat das für die Staatshaushalte derzeit keine unmittelbaren Nachteile, weil sie ihre Unterdeckung in den nächsten Jahren mit Hilfskrediten des Internationalen Währungsfonds und der Europäischen Union finanzieren. Aus Sicht der Anleger ist die vermeintliche Sicherheit der sehr gut bewerteten Staaten teuer erkauft. Sie verzichten auf Rendite.

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Spürbar geringer sind die Ertragsnachteile bei den Unternehmen. So rentiert die im Jahr 2019 fällige Anleihe des Konsumgüterherstellers Johnson & Johnson mit 3,1 Prozent. Die Anleihen von Unternehmen mit schlechteren Noten rentieren nicht viel höher. So bieten zum Beispiel Titel des deutschen Autoherstellers Daimler bei vergleichbarer Laufzeit derzeit 3,2 Prozent. Daimler hat von S&P ein BBB+ erhalten und Moody’s bewertet die Bonität mit A3. Die Noten sind immerhin sechs beziehungsweise sieben Stufen von der jeweiligen Bestnote entfernt.

Allerdings ist die Höhe der Rendite auch von der Branche abhängig. So müsste die Deutsche Telekom für Anleihen mit ähnlicher Laufzeit derzeit 3,6 Prozent Zinsen bieten, obwohl die Bonität des Unternehmens nicht viel schlechter bewertet ist als die Daimlers. Wer jedoch deutlich höhere Renditen mit Unternehmensanleihen erzielen will, muss noch mehr Abstriche in der Kreditqualität machen. Anleihen von Heidelcement, mit BB bewertet, rentieren derzeit mit 6,7 Prozent. Anleger, die erstklassige Staatsanleihen bevorzugen und nicht nur in Eurostaaten investieren wollen, müssen das Devisenrisiko berücksichtigen. Staaten wie Norwegen, Schweden, Großbritannien oder die Schweiz haben keine Euro-Titel begeben und verschulden sich fast ausschließlich in eigener Währung.

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Quelle: F.A.Z.
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