EU-Osterweiterung

Der Konvergenzprozess rollt bereits

Von Jürgen Büttner
19.04.2001
, 21:19
Wer zuletzt solide Geld verdienen wollte, musste auf Anleihen aus Osteuropa setzen. Wer weiter verdienen will, bleibt dieser Taktik treu.
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Geld an den Finanzmärkten zu verdienen, war in den vergangenen Monaten bekanntlich nicht einfach. Aber auch nicht unmöglich, wie die überzeugende Wertentwicklung der in Osteuropa anlegenden Rentenfonds zeigt. Die sieben in Deutschland zum Vertrieb zugelassenen Fonds dieser Art fuhren im letzten halben Jahr im Schnitt ein Plus von 9,3 Prozent ein. Nicht schlecht, werden sich da die gebrandmarkten Anleger am Neuen Markt denken.

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Möglich gemacht wird diese Erfolgsgeschichte durch die näherrückende EU-Aufnahme dieser Länder. Einige Jahre wird es zwar schon noch dauern, aber die Finanzmärkte nehmen Entwicklungen bekanntlich vorweg. In vergleichbaren früheren Fällen, wie etwa Griechenland, Spanien und Portugal, lief es jedenfalls ähnlich. Je näher diese Länder dem EU-Beitritt und erst recht der Aufnahme in die Währungsunion rücken, umso mehr passen sich die Renditen der Kandidaten dem EU-Schnitt an.

Noch viel Potenzial

In vielen osteuropäischen Beitrittsländern birgt dieser Umstand noch gehöriges Potenzial. So weisen polnische Sloty-Anleihen einen Renditevorsprung von acht Prozentpunkten auf und ungarische Forint-Anleihen immerhin noch einen Abstand von fünf Prozentpunkten. Da überrascht es nicht, dass Experten zu Anlagen in Polen und Ungarn ermuntern (siehe Link: „Polen-Anleihen bergen große Chancen“). Zumal sich laut der Ratingagentur Standard & Poor´s die Kreditwürdigkeit dieser beiden Länder zuletzt verbessert hat..

Hinzu kommt, dass sich die Inflationsraten nach einer Delle inzwischen häufig wieder auf dem Weg nach unten befinden - und als Folge davon mit weiteren Leitzinssenkungen gerechnet wird (die S&P-Vorhersagen finden Sie im Link: S&P-Prognose Zinsen und Währungen). Die Fortschritte, die zumindest die ersten Beitrittskandidaten Polen, Tschechische Republik, Slowenien, Ungarn und Estland gemacht haben, spiegeln sich auch in der Bonitätseinstufung wider. Allen Kandidaten wird jedenfalls Investmentniveau bescheinigt.

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Kein Wunder, dass sich Anja Bischoff, Rentenmarktexpertin für Schwellenländer bei Deutsche Bank Anlage-Strategie Privatkunden festlegt: „Der Konvergenzprozess wird weitergehen.“ Sorglosigkeit ist trotzdem Fehl am Platz. Denn gleichzeitig ist sich Bischoff auch sicher: „Dieser Prozess wird langwierig verlaufen und immer kurzfristig immer wieder unterbrochen werden.“

Diversifikation wichtiges Gebot

Wichtig ist zudem, nicht alles auf ein Pferd zu setzen, sondern die Anlagemittel breit zu streuen. Osteuropäische Rentenfonds können daher durchaus ein geeignetes Anlagevehikel sein. Wer es dennoch auf eigene Faust versuchen will, der findet im Link mit der Überschrift „Osteuropaanleihen mit hohen Renditen“ einige interessante Anlagealternativen. Die von Deutsche Bank Fachfrau Bischoff ausgewählten Anleihen bringen in Landeswährung zwischen 9,3 und 14,5 Prozent. Wegen des oft zu geringen Zinsvorsprungs von osteuropäischen Euro-Anleihen dürfte es die meisten Anleger natürlich reizen, vornehmlich auf solche Anleihen in Landeswährung zu setzen. Bischoff hat dagegen auch nichts einzuwenden, da sie das Währungsrisiko als einigermaßen überschaubar einschätzt. Wer dennoch auf Euro-Anleihen schwört, dem rät sie, „gleich kroatische Anleihen zu kaufen, denn die bringen wenigstens 180 Basispunkte mehr.“

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Quelle: @jüb
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