Finanzmarkt

Inflationsschutz wird zunehmend zum Anlagethema

31.08.2004
, 19:22
Mit der Furcht vor Inflation rückt eine noch junge Anteilsklasse stärker ins Blickfeld der Anleger: Experten prophezeien dem Markt für inflationsgeschützte Anleihen für die kommenden Jahre ein rapides Wachstum.
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Mit steigenden Ölpreisen steigt auch die Furcht vor Inflation, und mit der Furcht vor Inflation rückt eine noch junge Anteilsklasse stärker ins Blickfeld der Anleger: Experten prophezeien dem Markt für inflationsgeschützte Anleihen für die kommenden Jahre ein rapides Wachstum. Allerdings ist vielen Anlegern dabei noch nicht bewußt, daß sich diese Anleihen von normalen Papieren nicht nur in der Art der Erträge unterscheiden, sondern auch in der Art und Weise, wie diese Erträge besteuert werden.

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Bei einer herkömmlichen Anleihe sind der Zinskupon sowie der Rückzahlungsbetrag nominal festgelegt und ändern sich während der Laufzeit nicht. Steigen während der Laufzeit der Anleihe die Preise, so sinken der reale Wert der Anleihe und des Zinses. Bei inflationsindexierten Anleihen hingegen werden sowohl der Zinskupon als auch der Rückzahlungsbetrag an die laufende Inflation angepaßt, so daß dem Anleger keine inflationsbedingten Verluste entstehen.

Als Finanzinnovationen klassifiziert

Auch hinsichtlich der Besteuerung unterscheiden sich beide Anleihetypen: Während bei normalen Anleihen die Zinszahlungen jährlich besteuert werden und die Kursgewinne der Anleihe nach zwölf Monaten steuerfrei sind, werden bei der inflationsindexierten Anleihe sowohl der Zinskupon als auch die Inflationsprämie besteuert, da diese Anleihen als Finanzinnovationen klassifiziert werden. Konkret bedeutet dies, daß bei diesen Anleihen auch Kursgewinne jenseits der Zwölfmonatsfrist versteuert werden müssen.

Das ist aber nur auf den ersten Blick eine Benachteiligung dieser Titel, meint Jörg Warncke von Union Investment: "Bei der normalen Anleihe müssen Sie dafür einen höheren Zinskupon versteuern, der ja auch einen Inflationsschutz darstellt". Ohne diese Regelung wäre es vermutlich zu steueroptimierenden Anleihekonstruktionen gekommen, indem man versucht hätte, den Inflationsschutz in den Rückzahlungsbetrag zu verlagern.

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Letztlich kommt es Warncke zufolge beim Kauf von inflationsindexierten Anleihen zu einer Steuerstundung, weil mögliche Kursgewinne aus dem Kauf solcher Anleihen erst dann versteuert werden müssen, wenn man diese realisiert - bis dahin versteuert man nur den niedrigeren Kupon. Insofern seien diese Anleihen interessant, wenn man Erträge in die Zukunft verschieben wolle. Auch bei Fonds, die in inflationsbesicherte Anleihen investieren, muß der Anleger alle Erträge dieser Anleihen versteuern.

Charme inflationsindexierter Anleihen

Bei der Entscheidung über ein Investment in inflationsindexierte Anleihen sollten freilich vor allem die Erwartungen des Investors den Ausschlag geben. "Sobald die tatsächliche Inflation über der erwarteten Inflation liegt, fahren Sie mit einer inflationsbesicherten Anleihe besser", sagt Leif Bjurstroem von der DWS. Er rät Anlegern, ein Engagement in solchen Papieren nicht ausschließlich von steuerlichen Überlegungen abhängig zu machen.

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Auch die Fondsgesellschaften haben den Charme inflationsindexierter Anleihen entdeckt: Rund zehn diesbezügliche Fonds gibt es mittlerweile in Deutschland, der neueste ist der DWS Invest Inflation Protect, der in diesen Tagen an den Markt kommt. Die Deka, die Fondsgesellschaft der Sparkassenorganisation, soll Marktbeobachtern zufolge in Kürze ebenfalls mit solch einem Produkt an den Markt kommen. Fonds, die sich auf das europäische Universum beschränken, müssen dabei in Kauf nehmen, daß der europäische Markt für diese Papiere noch nicht so groß ist wie der amerikanische Markt.

Allerdings sollten Anleger bei weltweit investierenden Fonds darauf achten, daß diese währungsbesichert sind, rät Wolfgang Kaiser vom Münchener Finanzdienstleister Fondsconsult. Zu diesen Fonds zählt der Schroder ISF Global return, der weltweit und währungsbesichert investiert. Zusätzlich hat das Produkt noch einen weiteren Pluspunkt: Man kann es im Rahmen des DB Vita-Programms des Maklerpools BCA im Rahmen einer fondsgebundenen Lebensversicherung erwerben und damit zumindest bis zum Jahresende steuerfrei investieren - allerdings um den Preis, daß man dafür einen Lebensversicherungsmantel mit einkauft.

Quelle: hbe. / Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.09.2004, Nr. 203 / Seite 19
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