Fonds-Performance

Rentenfonds haben 2004 bisher überraschend die Nase vorne

Von Chet Currier, Bloomberg News
16.08.2004
, 10:25
Totgesagte leben länger! Nach diesem Motto haben sich in diesem Jahr bisher die Rentenfonds an die Performance-Spitze gesetzt. Das Plus fällt zwar bescheiden aus, ist aber besser als das von Aktienfonds verbuchte Minus.
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Nach mehr als der Hälfte des Jahres gibt es einen Überraschungstabellenführer im Derby 2004 der Investmentfondsklasse. Aktienfonds? Nein. Sie bilden das absolute Schlußlicht. Dann eben Geldmarktfonds? Nein. Sie legen nach wie vor ein Tempo an den Tag, mit dem sie kaum von der Stelle kommen. Der Konkurrent an der Spitze der Horde, an den nicht gewagt wurde zu glauben, sind vielmehr Rentenfonds. Auch wenn diese Gruppe nicht gerade die Rennstrecke entlangrast, so konnten Rentenfonds doch bislang besser abschneiden als von den Experten erwartet.

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Bis zur Mitte der Woche wiesen die mehr als 5.400 Rentenfonds, die von Bloomberg verfolgt werden, eine seit Jahresbeginn durchschnittliche Rendite von 1,1 Prozent auf. Das entspricht einem doppelt so hohen Zugewinn wie bei einem typischen Geldmarktfonds und ist deutlich besser als der durchschnittliche Verlust von 4,1 Prozent unter den mehr als 10.500 Aktienfonds.

Die Analogie zum Pferderennsport hinkt natürlich in mancher Hinsicht. Die Fondsanlage ist selbstverständlich kein Sport. Und selbst wenn sie es wäre, so eignen sich die meisten Fonds doch nicht für Wettrennen mit einem Zeitraum von nur einem Jahr. Investmentfonds sind eben typische „Langstreckenläufer“. Mit dem Bild des Pferderennsports läßt sich jedoch auf wirkungsvolle Weise dramatisieren, wie schwierig es sein kann, auf kurze Sicht das große Los unter den einzelnen Kategorien zu ziehen.

Zu Jahresbeginn wurden Rentenfonds Probleme über Probleme vorhergesagt

Zu Beginn des Jahres 2004 war praktisch jeder der Meinung, daß Anleihefonds mit dem Ende des zwanzigjährigen Zinssenkungszyklus und in Anbetracht der wieder anziehenden Zinsen nur enttäuschen konnten und daher in diesem Jahr besser gemieden werden sollten. Die ersten Anzeichen für eine Trendwende waren bereits 2003 zu erkennen. Dies war jedoch nur ein kleiner Vorgeschmack auf die Schwierigkeiten, die noch kommen sollten.

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Die Anleger nahmen sich die Botschaft entsprechend zu Herzen: Laut eines Berichts des Investment Company Institute wurden im ersten Halbjahr 2004 22,6 Milliarden Dollar netto aus Rentenfonds abgezogen und gleichzeitig 118,5 Milliarden Dollar in Aktienfonds investiert.

„Seher“ sagten korrekterweise voraus, daß die Federal Reserve die kurzfristigen Zinsen nicht bei einem Prozent - dem niedrigsten Zielwert, der für den Tagesgeldsatz (Federal Funds Rate) seit Mai 2003 gegolten hatte - belassen, sondern ihre Geldpolitik verschärfen würde. Vor dem Hintergrund der durch die robustere Konjunktur angefachten Erwartung einer höheren Inflation zeichnete sich auch eine Erhöhung der langfristigen Zinsen als wahrscheinlich ab, was typischerweise einen Rückgang der Anleihekurse nach sich zieht.

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Salto-Rückwärts bei den Renditen

Tatsächlich zog die Rendite der zehnjährigen amerikanischen Treasuries, die Mitte März bis auf 3,68 Prozent zurückgegangen war, bis Mitte Juni wieder sprunghaft auf 4,87 Prozent an. Danach nahm die Geschichte allerdings eine unerwartete Wende. Die Rendite auf zehnjährige Treasuries fiel auf 4,22 Prozent zurück. Anfang August lag sie demnach in etwa da, von wo aus sie das Jahr gestartet hatte und geringfügig unter ihrem Niveau von vor genau zwölf Monaten.

Das hat einige interessante Möglichkeiten aufgeworfen. Vielleicht wird sich die Reise durch den aktuellen Konjunkturzyklus tatsächlich deutlich von dem gängigen Paradigma unterschieden - ein Paradigma, das zumindest in den Köpfen vieler Anleger existiert. Vielleicht bleibt das Wirtschaftswachstum robust, ohne für zusätzlichen Druck auf die Inflation bzw. die Zinsen zu sorgen.
Davon kann jedoch natürlich nicht ausgegangen werden. Wie auch immer die Entwicklung sich fortsetzt, liegen für Rentenfonds noch immer viele Fallstricke bereit. Angesichts der derzeit sehr niedrigen Zinsen sind die Renditen momentan dürftig und werden ohne einen entsprechenden Rückgang der Anleihekurse nicht viel üppiger ausfallen können.

Und doch glauben manche, daß sich der Markt weiterhin irgendwie durchwursteln kann. „Unserer Meinung nach beginnt mit dem Jahr 2004 ein neuer Zyklus höherer Zinsen,“ so Kathleen Gaffney, eine Rentenfondsmanagerin, die bei Loomis Sayles & Co. in Boston acht Milliarden Dollar verwaltet. „Wir schätzen den Schaden aus steigenden Zinsen allerdings nicht so schwerwiegend ein, als daß er die Anleger zum Rückzug aus Anleihen veranlassen könnte. Das momentane Inflationsumfeld ist weiter günstig“, erklärt sie in einem Internet-Kommentar.

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Noch sind nicht alle Skeptiker überzeugt

Die anderen Teilnehmer des Rennens glauben an die große Aufholjagd. Die amerikanische Notenbank hat mittlerweile zum zweiten Mal in diesem Sommer die Zinsen erhöht (auf 1,5 Prozent), wobei mit weiteren Zinsanhebungsschritten gerechnet wird. Mit jeder weiteren Zinserhöhung durch die Fed hellen sich die Renditeperspektiven für Geldmarktfonds ein klein wenig mehr auf.

Falls sowohl die Inflation als auch die langfristigen Zinsen nur geringfügig steigen, könnte die daraus resultierende solide Wirtschaftslage inzwischen zu einer besseren Performance bei Aktien und Aktienfonds führen. Man kann sich also leicht vorstellen, wie schnell die Gruppe der Anleihen jederzeit von den anderen Teilnehmern in diesem Anlageklassenrennen überholt werden könnte.

Dabei ist zu beachten, daß die, die diese Annahmen jetzt bereitwillig übernehmen, bereits vor sechs oder zwölf Monaten überzeugte Anhänger dieser These gewesen sein dürften. Genau wie bei Aktien scheint man sich auch bei Anleihen immer vor dem Naheliegendsten in acht nehmen zu müssen.

Bloomberg

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