Fondsmarkt

Fondsmanager begrüßen inflationsindexierte Anleihe

EIN KOMMENTAR Von Hanno Beck
07.06.2004
, 18:23
Wie schon andere Länder zuvor plant jetzt auch Deutschland die Auflage einer inflationsindexierten Anleihe. Bei Fondsmanagern stößt das neue Produkt wegen mehrerer Vorzüge auf positive Resonanz.
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Es war ein ungewöhnliches Geschäft, das da 1780 in Massachusetts abgeschlossen wurde: Gläubiger und Schuldner der Anleihe vereinbarten, daß die Höhe des Rückzahlungsbetrags sich nach dem am Tag der Rückzahlung zu ermittelnden Wert von fünf Bündeln Heu, 68 Pfund Rindfleisch, 10 Pfund Schafswolle und 16 Pfund Schuhleder richten soll.

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Heute sind solche Geschäfte durchaus üblich, wenngleich das dann etwas anders klingt: In der vergangenen Woche wurde bekanntgegeben, daß auch die Bundesrepublik Deutschland die Emission inflationsindexierter Anleihen plant. So ungewöhnlich das erstere Geschäft klingt: im Grunde genommen handelt es sich bei dieser Anleihe um die erste inflationsindexierte Anleihe, die je begeben wurde. Jetzt wandelt auch die Bundesrepublik auf diesen Spuren.

Einfaches Grundprinzip

Das Grundprinzip einer solchen Anleihe ist einfach: Man vereinbart statt eines nominalen Zinses die Zahlung des Realzinses. Das geschieht, indem der anfangs vereinbarte Zins und auch der Rückzahlungsbetrag der Anleihe unter Berücksichtigung der jährlichen Inflationsrate so erhöht werden, daß der Anleger mit dem Kauf der Anleihe die Kaufkraft seines Geldes erhält. Er könnte auch nach Ablauf der Anleihe mit dem ihm dann zustehenden Geld die gleiche Menge Heubüschel, Rindfleisch, Wolle und Schuhleder wie zum Zeitpunkt des Kaufes der Anleihe kaufen - selbst wenn die Preise für diese Güter in der Zwischenzeit deutlich gestiegen wären.

„Das ist eigentlich für den Anleger die natürlichste Anlageklasse, da er hier sein Vermögen vor der Geldentwertung schützen kann", sagt Gabriel Panzenböck, Fondsmanager bei Raiffeisen Capital Management, Österreichs größter Fondsgesellschaft.

Fondsangebot in diesem Bereich in Deutschland noch knapp

Rund sieben Fonds, die auf solche Anleihen setzen, sind in Deutschland derzeit erhältlich, und auch Raiffeisen Capital steht mit seinem Produkt kurz vor dem Sprung nach Deutschland. Die Manager dieser Fonds begrüßen natürlich den Schritt der Bundesregierung: „Wenn die Deutschen das machen, dann ist das auch für die Investoren glaubwürdig", freut sich Panzenböck. „Natürlich ist das ein positives Zeichen, wenngleich ich mir ein wenig mehr Mut gewünscht hätte", sagt sein Kollege Benno Weber von Credit Suisse Asset Management in Zürich, der für inflationsindexierte Produkte zuständig ist.

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Was das Volumen der Emissionen angeht, seien andere Staaten schon weiter: „In Schweden und Großbritannien machen diese Anleihen bereits 25 Prozent der Staatsanleihen aus. Das zeigt, wo die Reise langfristig hingeht", meint Mark Perry, verantwortlicher Portfoliomanager bei Schroders in London. Er schätzt den Markt für inflationsindexierte Anleihen auf rund 450 Milliarden Euro.

Markt mit guten Wachstumschancen

Auf lange Frist dürfte der Markt rasch wachsen, glaubt man bei Barclays Capital: Vor allem Pensionsfonds mit indexierten Verpflichtungen seien an diesen Produkten sehr interessiert, ebenso institutionelle Anleger wie beispielsweise Versicherer, die in Anleihen investiert sein müssen. Gemessen am "Barclays World Inflation Linked Bond Index", haben diese Anleihen in den vergangenen fünf Jahren nicht nur vergleichbare Rentenindizes, sondern auch Aktienindizes wie den S & P 500 sowie den MSCI Europe geschlagen, rechnet man bei Barclays vor.

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Der Vorteil dieser Anleihen für den Investor liegt auf der Hand: In Zeiten steigender Inflationsraten stellt er sich mit diesen Anleihen besser als mit herkömmlichen Rentenpapieren. „Wenn Sie von der Rendite einer normalen Anleihe den vereinbarten Realzins der inflationsindexierten Anleihe abziehen, dann haben Sie in etwa die Inflationsrate, ab der sich ein Investment in indexierte Produkte lohnt", erklärt Weber. Steigt die Inflationsrate über diesen Schwellenwert, so fährt der Anleger mit dem indexierten Produkt besser, sinkt sie darunter, dann rentiert die normale Anleihe besser. Das ist dann der Preis für den Inflationsschutz:

„Im Falle niedrigerer Inflationsraten bezahlen Sie den Inflationsschutz mit geringeren Gewinnen", erklärt Panzenböck. Auf lange Frist sei zu erwarten, daß inflationsindexierte Anleihen etwas weniger Rendite abwerfen als normale Anleihen, da sie für den Anleger auch ein geringeres Risiko bedeuten. Dafür ist der Anleger auch geringeren Kursschwankungen ausgesetzt: „Studien haben gezeigt, daß selbst wenn indexierte Anleihen bis zu 50 Basispunkte weniger abwerfen als normale Anleihen, Sie 50 Prozent ihres Anleiheportfolios mit indexierten Produkten bestücken sollten, um ein effizienteres Portfolio zu erhalten", rechnet Weber vor.

Produkt eignet sich zur Senkung des Risikos im Portfolio

Dieses Mehr an Effizienz hängt auch damit zusammen, daß inflationsindexierte Anleihen in ihrer Wertentwicklung wenig im Einklang mit anderen Anlageformen schwanken und damit das Risiko im Portfolio reduzieren: „Damit leistet diese neue Anlageklasse einen wichtigen Beitrag zur Diversifizierung des Portfolios", sagt Perry.

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Doch ganz ohne Risiko sind auch diese Anleihen nicht, denn auch bei steigenden Inflationsraten können die Kurse dieser Anleihen sinken. Das geschieht dann, wenn die steigenden Inflationsraten Ausdruck eines zunehmenden Wirtschaftswachstums, verbunden mit einem höheren Realzins, sind. Dann erweist sich der in der Anleihe vereinbarte Realzins im Vergleich zum aktuellen Niveau als zu niedrig, und der Kurs der Anleihe fällt. Steigt hingegen die Inflationsrate, ohne daß man höheres Wachstum dahinter vermutet - beispielsweise durch steigende Ölpreise -, dann verändert sich der Kurs der Anleihe im Gegensatz zu herkömmlichen Anleihen nicht.

„Wenn Sie aber steigendes Wachstum erwarten, dann sollten Sie gleich in Aktien investieren; sie sollten indexierte Anleihen immer nur mit normalen Anleihen vergleichen", sagt Panzenböck.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.06.2004, Nr. 131 / Seite 25
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