Fremdwährungsanleihen

Erste Anleihe auf isländische Krone ist interessant

02.09.2005
, 16:42
Ölpreisschock? In Island wird es auch ohne Öl warm.
Erstmals wird in Deutschland seit Freitag auch eine Anleihe auf isländische Kronen gehandelt. Das Rentenpapier der norwegischen Eksportfinanz ist nicht unattraktiv.

Der Kampf der deutschen Regionalbörsen um ihre Existenz gegenüber der Übermacht der Deutschen Börse in Frankfurt hat für Anleger viel Gutes gebracht: der Optionsscheinhandel in Stuttgart, die Deutsche Fondsbörse in Hamburg, um zwei Beispiele zu nennen. Auch die Berliner Börse versucht ihr Profil zu verbessern und setzt in letzter Zeit vor allem auf Fremdwährungsanleihen.

Nach eigenen Angaben ist man in machen Währungen mittlerweile nahezu Allein-Anbieter für die darin begebenen Anleihen. So wird nicht nur ein großer Teil der südafrikanischen Rand-Anleihen nur in Berlin gehandelt, sondern auch nahezu alle Anleihen auf polnische Zloty.

Erstklassige Hochzinsanleihe

Eine Premiere für den deutschen Markt stellt seit Freitag die Aufnahme des Handels in eine auf isländische Kronen lautende Anleihe dar (ISIN: XS022873199). Sie bildet nach Aussage der Börse „die Vorhut für weitere isländische Anleihen, die in nächster Zeit an der Berliner Börse eingeführt werden sollen“.

Bild: FAZ.NET

Das Papier ist durchaus interessant. Denn Kupons von 8,5 Prozent sind bei Euro-Anleihen wahrhaftig nicht zu haben - erst recht nicht wenn es sich um erstklassige Papiere mit einem Rating von AAA bzw. AA+ handelt.

Begeben wird die Anleihe von der norwegischen Eksportfinans, die wie der Name andeutet, seit 1978 mit der Abwicklung der norwegischen Außenhandelsfinanzierung betraut ist. 1962 auf Initiative des Finanzministeriums und des norwegischen Bankenverbands von den norwegischen Handelsbanken gegründet, gehören derzeit 15 Prozent dem norwegischen Staat. Das Institut nutzt sein gutes Kreditrating um auf den internationalen Kapitalmärkten zu guten Konditionen Anleihekapital aufzunehmen und dies an die Exporteure des Landes weiterzugeben. Desweiteren gehört seit 1999 mit der Kommunekreditt Norge der Finanzierer der norwegischen Kommunen zum Konzern.

Isländische Wirtschaft brummt

Wie das Rating bereits andeutet, ist das Emittentenrisiko der Anleihe vernachlässigbar. Wie bei allen Fremdwährungsanleihen ist die voraussichtliche Wechselkursentwicklung der viel zentralere Aspekt.

Die isländische Krone zeigte sich in den vergangenen Jahren sehr stark. Gegenüber über dem Dollar hält der Aufwertungstrend seit 2002 an. Über 40 Prozent hat die nordische Währung seitdem zugelegt. Weniger steil, dafür um so länger verbessert sich die Krone gegenüber dem Euro. Seit 2001 hat sie über 25 Prozent zugelegt. Derzeit werden für den Euro knapp 77 Kronen bezahlt. Im November 2001 waren es noch fast 100.

Die Aufwertung hat wie meist zweierlei Ursachen. Islands Wirtschaft, die zu drei Vierteln vom Fisch lebt, ist im vergangenen Jahr um 5,2 Prozent gewachsen. In diesem Jahr soll sich die Rate auf 6,6 Prozent beschleunigen und auch im kommenden Jahr wird die Ökonomie des Inselstaats mit geschätzten 6,2 Prozent weiter stark expandieren. Demgegenüber stehen Wachstumsprognosen für den Euroraum von höchstens mageren 1,6 Prozent. Die Arbeitslosenquote unter den knapp 300.000 Isländern liegt aktuell bei 3,2 Prozent. Europaweit sind nur in Estland noch weniger Menschen ohne Arbeit.

Starke Zinsdifferenz zum Euroraum

Natürlich kommt das nicht ohne Preis. Die isländische Zentralbank Sedlabanki kämpft gegen eine hartnäckige Inflation. Auf 2,8 Prozent wurde die Inflationsrate noch im Juni nach der letzten Leitzinserhöhung auf mittlerweile 9,5 Prozent geschätzt. Mittlerweile belaufen sich die Inflationsschätzungen bereits auf 3,7 Prozent - unter den reicheren Ländern Europas ist Island damit mit Abstand führend. Nur die Niederlande und Belgien erreichen Inflationsraten über drei Prozent.

Es ist praktisch ein offenes Geheimnis, daß der Leitzins bis zum Jahresende auf zehn Prozent steigen wird. Und zuletzt zitierte im Juli der „Wall Street Journal“ den isländischen Zentralbankgouverneur Birgir Gunnarsson mit den Worten: „Wir denken, daß wir die Zinsen noch weiter anheben müssen“.

Die deutliche Zinsdifferenz ist der zweite Grund für die Stärke der Krone. Immerhin beträgt die Differenz zum Euroraum mittlerweile 7,5 Prozent mit steigender Tendenz. Dabei ist es nicht unbedingt der hohe Ölpreis der die Inflation treibt - denn Island produziert zum Beispiel seine Elektrizität zu über 99 Prozent aus Erdwärme, während das vor den Küsten geförderte Öl größtenteils in den Export geht. Dagegen müssen mit Ausnahme von Fisch, Energie die meisten Güter auf die unfruchtbare Insel teuer importiert werden.

Außenhandelsdefizit macht Kummer

Daher rührt auch die latente Gefährdung des Wechselkurses. Die starke Krone hat die Außenhandelsbilanz massiv ins Minus getrieben. Das Außenhandelsdefizit ist mittlerweile auf 5,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts angewachsen und wird in Europa nur von Ländern wie Ungarn oder Estland übertroffen - und von den Vereinigten Staaten mit 5,7 Prozent.

Die Frage ist also, wie lange sich die Rally der Krone noch fortsetzen wird. Die meisten Marktteilnehmer sind aber optimistisch: Es gebe derzeit keine Verbindung zwischen dem Defizit und der Entwicklung der Krone zu geben. Die Währung sei derzeit zinsgetrieben.

Die Anleihe wird aktuell zu pari gehandelt und rentiert mit 8,5/8,25 Prozent. Da sie nur bis zum 7. September 2007 läuft, ist das Währungsrisiko überschaubar. Das heißt indes nicht, daß es nicht existiert. Sollten die hohen Zinsen zu Lasten der Wirtschaft gehen oder sich Anleger des Außenhandelsdefizits stärker bewußt werden, könnte das die Krone wieder nach unten treiben.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho
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