Fremdwährungsanleihen

Österreichs Island-Anleihe lockt mit hohem Kupon

14.09.2005
, 12:31
Erst vierzehn Tage ist es her, seit die erste auf isländische Kronen lautende Anleihe auf dem deutschen Rentenmarkt ihr Debüt erlebte. Nun folgt aus Österreich der der zweite Streich.

Fremdwährungsanleihen sind vorsichtig zu behandeln. Währungsrisiken sind auf längere Zeit schwer einzuschätzen. Da kann ein noch so schöner Kupon am Ende eventuelle Verluste in der Heimatwährung nicht mehr wettmachen.

Das läßt sich mit kürzeren Laufzeiten naturgemäß etwas abfedern. Ein wirklich interessantes Papier stellt eine auf isländische Kronen lautende Anleihe der Republik Österreich (ISIN: XS0229290977) dar, deren einjährige Laufzeit am Donnerstag beginnt. Sie hat einen Kupon von sage und schreibe neun Prozent - das nimmt man wirklich gern mal mit.

Wirtschaftsboom treibt Krone nach oben

Da es sich um eine erstklassige Staatsanleihe handelt, braucht man über ein Emittentenrisiko schon gar nicht nachzudenken. Und das Risiko der isländischen Krone kann momentan als überschaubar gelten.

Wie FAZ.NET schon Anfang des Monats schrieb (Erste Anleihe auf isländische Krone ist interessant), zeigt sich die Währung des nordischen Inselstaats seit Jahren stark. Gegenüber dem Euro hat sie seit 2001 über 25 Prozent zugelegt und macht derzeit keine Anstalten zu schwächeln. Deswegen gehört Island für Urlauber aus der Eurozone auch zu den teuersten Pflastern der Welt.

Die Aufwertung wird von einer boomenden Wirtschaft getragen, deren Wachstum sich in diesem Jahr auf 6,8 Prozent beschleunigen und das Tempo im kommenden Jahr tendenziell beibehalten soll. Vor allem aber hat sich die hartnäckige Inflation auf der importabhängigen Insel die Leitzinsen auf ein Rekordniveau von mittlerweile 9,5 Prozent getrieben. Da sich der Preisauftrieb in den vergangenen Monaten auf 4,8 Prozent beschleunigt hat, gilt es praktisch als offenes Geheimnis, daß die Zentralbank die Zinsen noch weiter anheben wird, um sich dem Inflationsziel von 2,5 Prozent wenigstens anzunähern. Die deutliche Zinsdifferenz zum Euroraum stärkt die Krone.

Das Schlüsseljahr 2007

Der Schlüssel für den Wirtschaftsboom liegt darin, daß es nicht viel braucht, um einer Volkswirtschaft mit einer Bevölkerung von rund 300.000 Personen zu einem Boom zu verhelfen. Im Falle Islands war neben Steuererleichterungen der Bau von neuen Aluminiumschmelzen für den Anstieg des Wachstums verantwortlich.

Da die derzeitigen Investitionsvorhaben auslaufen, soll sich das kräftige Wirtschaftswachstum im Jahr 2007 beruhigen und auf drei Prozent zurückgehen. Ob es dazu kommt, hängt vom Erfolg der Aluminiuminvestitionen und der Fiskalpolitik ab. Islands Aluminiumexporte soll im kommenden Jahr um 29,6 Prozent und 2007 um weitere 69 Prozent steigen. Dazu soll laut Finanzminister Geir Haarde auch ein erwartete Abwertung der Krone beitragen.

Doch daß sich der Wunsch des Finanzministers erfüllt, ist nicht gesagt. Denn nur wenn die starke Krone den geplanten Anstieg der Aluminiumexporte verhindert, das Wachstum sinkt, die Inflation zurückgeht, die Zinsen sinken wird die Krone wahrscheinlich abwerten. Steigen die Exporte wie geplant, bliebe das Wachstum auf hohem Niveau und ebenso die Inflation.

Geothermie als Grundlage des Wachstums

Außerdem ist gar nicht gesagt, daß der Investitionsboom wirklich deutlich zurückgeht. Auch Haarde sagt: „Wir betrachten es als unsere Aufgabe, sicherzustellen, daß es nicht zu einem starken Absinken der Wachstumsrate kommt“. Eine der Aluminiumschmelzen wird noch in den Jahren 2007 bis 2008 erweitert. Desweiteren wird der Bau einer Kupferanodenfabrik überlegt. Island kommt die Tatsache zugute, daß das Land bei der Energieproduktion vom Ölmarkt völlig unabhängig ist, weil es seinen Bedarf völlig durch geothermische Anlagen decken kann.

Außerdem plant die Mitte-Rechts-Regierung die öffentlichen Investitionen zu erhöhen und Steuererleichterungen zu gewähren, dazu soll ein Teil der Erlöse aus der im August erfolgten Privatisierung der Iceland Telecom genutzt werden. Zwar wird ein guter Teil der Erlöse zur Schuldentilgung verwendet,was die Krone vorübergehend drücken wird. Doch Snorri Jakobsson, Volkswirt bei der Kaupthing Bank in Rejkjavik, ist der Überzeugung, daß dies eine gute Kaufgelegenheit für isländische Kronen darstellt. Die verbesserten Staatsfinanzen würden die Krone langfristig stützen.

Keine Spekulation auf Abwertung durch Emittenten

Latent gefährdet ist der Wechselkurs ebenso durch das mit 5,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts massive Außenhandelsdefizit, das in Europa nur von Ländern wie Ungarn oder Estland übertroffen wird - außerdem durch die Vereinigten Staaten.

Warum begibt nun die Republik Österreich eine Anleihe mit hohem Kupon in einer Währung, die auch noch im Aufwertungstrend liegt? Laut Helmut Eder, Geschäftsführer der Bundesfinanzierungsagentur des Nachbarstaates, richtet man die Struktur der Bundesschuld immer auch nach dem Investoreninteresse aus. Und das sei bei der Kronen-Anleihe so groß gewesen, daß man sich entschieden habe, eine ursprüngliche Anleihe im Volumen von drei Milliarden Euro um weitere drei Milliarden aufzustocken.

Spekulationen auf eine Abwertung der Krone in den kommenden zwölf Monaten hätten keine Rolle gespielt. „Wir swappen immer aus der Währung heraus. Das Wechselkursrisiko ist Sache des Anlegers.“ Im Klartext: die Agentur hat die Währungsrisiken bereits irgendwie abgegeben. Das ist gut für Österreich, den Investor muß es nicht unbedingt interessieren - der kann den hohen Kupon der aktuell mit 8,78 Prozent rentierenden Anleihe genießen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho
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