Geldpolitik

Experten uneins über Tempo kommender Zinserhöhungen in Amerika

22.09.2004
, 09:10
Wann schlägt Alan Greenspan zum vierten Mal zu?
Die Notenbank in Amerika hat ihren Leitzins zum dritten Mal erhöht und allgemein wird mit weiteren Zinsanhebungen gerechnet. Uneinig sind sich Beobachter jedoch bei der Frage, wann der nächste Zinsschritt erfolgen wird.
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Mit der erwarteten Erhöhung des Leitzinssatzes um weitere 25 Basispunkte auf 1,75 Prozent hat die Fed am Dienstag trotz der anstehenden Präsidentschaftswahlen am Kurs ihrer moderaten Zinsschritte festgehalten. „Doch der Markt traut dem Frieden nicht“, konstatiert Ronald Tharun, Geldmarkthändler der Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP).

Er verweist auf die seitwärts tendieren Fed-Fund-Futures. Die Aussagen zur Zinsanhebung seien „weder Fisch noch Fleisch“, so Tharun. Marktakteure warteten auf eindeutige harte Zahlen. Im Fokus der Fed-Offiziellen dürfte neben weiteren Inflationsdaten besonders der kommende amerikanischen Arbeitsmarktbericht liegen.

Generell wird mit weiteren Zinsschriten gerechnet, die Frage ist nur wann?

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Sollte die Erholung am amerikanischen Arbeitsmarkt weiter stotternd verlaufen, könne die Notenbank nach Ansicht Tharuns bei ihrer nächsten Sitzung am 10. November durchaus eine Pause einlegen. Dennoch sei sie weiter in der Pflicht, die Zinsen auf ein ausgeglichenes Niveau zu bringen. Dieser Meinung sind auch die Analysten der DZ Bank. Seit September 2002 verharre der amerikanische Zinssatz im negativen Bereich, so Analyst Christian Reicherter. Gemessen an der Inflationsrate lag er vor dem jüngsten Zinsschritt bei minus 1,2 Prozent.

Reicherter erwartet daher auf Sechs-Monatssicht einen Fed-Fund-Zielsatz von 2,75 Prozent. Ende 2004 dürfte der Satz bei 2,25 Prozent liegen, was noch zwei Zinsanhebungen im laufenden Jahr voraussetzt. Der Analyst erwartet im Gegensatz zu Tharun keine Pause bei den Zinserhöhungen. Seiner Meinung nach wird die Fed auch am 10. November die Zinsen erneut um 25 Basispunkte anheben. Die Präsidentschaftswahl sei dann bereits vorbei, so daß hierauf keine Rücksicht genommen werden müsse.

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Unveränderte Einschätzung der Zinsaussichten in Europa

Für Euroland erwarten die Auguren im laufenden Jahr nach wie vor keinen Zinsschritt. Weiterhin rechne man erst im zweiten Quartal 2005 mit einer moderaten Zinsanhebung um 25 Basispunkte. In Euroland sei die Situation recht schwierig, sagt LRP-Geldmarktexperte Tharun. Um tatsächlich eine Zinsanhebung vornehmen zu können, müßten zunächst die Arbeitslosenzahlen sinken und der Konsum weiter anziehen.

Die Verbraucherstimmung sei aber in Europa noch immer sehr pessimistisch, der Konsum dürfte daher zurückhaltend bleiben. Inflationsgefahren durch Zweitrundeneffekte wie Lohnerhöhungen sieht Tharun derzeit nicht. Bei der aktuellen Lage werde kaum jemand ernsthaft für Lohnanhebungen streiken.

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Quelle: Dow Jones Newswires
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