Geldpolitik

EZB-Zinserhöhung erst im zweiten Halbjahr 2005 erwartet

25.11.2004
, 07:05
Bankvolkswirte haben ihre Erwartungshaltung in Sachen Zinserhöhung durch die EZB zeitlich etwas nach hinten verschoben. Kurzfristig wird mehrheitlich jedenfalls nicht mehr mit einer Zinsanhebung gerechnet.
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Die Europäische Zentralbank (EZB) wird nach Einschätzung von Analysten ihren Leitzins noch länger als bisher erwartet auf dem niedrigen Niveau von 2,00 Prozent halten. Da der Höhenflug des Euro und die weiterhin hohen Ölpreise einen stärkeren Aufschwung im Euro-Raum wahrscheinlich verhinderten, müsse die Zentralbank noch länger nicht mit höheren Zinsen gegen zu starken Preisanstieg vorgehen.

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Alle 62 in dieser Woche von Reuters befragten Bankvolkswirte sagten einen unveränderten Leitzins von 2,00 Prozent bei der EZB-Ratssitzung am 2. Dezember voraus. Inzwischen rechnen nur noch vier Volkswirte mit einer Zinserhöhung schon im ersten Quartal 2005. Bei der Umfrage vor einem Monat erwarteten dies noch 20 Volkswirte oder ein Drittel der Befragten. Eine leichte Mehrheit hatte einen Zinsschritt für das erste Halbjahr prognostiziert, nun verschob sich der erwartete Termin überwiegend auf das zweite Halbjahr 2005.

Deutsche Inflationsraten wieder etwas auf dem Rückzug

Wie schon bei der letzten Umfrage prognostizieren die Volkswirte einen Leitzinsanstieg auf 2,50 Prozent bis zum Ende kommenden Jahres und auf 3,00 Prozent bis Ende 2006. Bis zum September hatten sie noch mit Zinserhöhungen um insgesamt 75 Basispunkte 2005 gerechnet. Eine Zinssenkung, mit der die EZB auf einen Rückfall in die Rezession reagieren müßte, halten die Experten für nicht sehr wahrscheinlich. Im Mittel bezifferten sie die Wahrscheinlichkeit dafür auf 20 Prozent.

Zu der Erwartungshaltung der Experten passen auch die neuesten Inflationszahlen. Nachdem erste Bundesländer ihre Zahlen vorgelegt haben, deutet sich an, daß diese wieder etwas auf dem Rückzug ist. So sind die Lebenshaltungskosten in Baden-Württemberg im November vor allem wegen gefallener Preise für Heizöl und Kraftstoffe zum Vormonat gesunken. Von Oktober auf November hätten sich die Verbraucherpreise im Schnitt um 0,4 Prozent verbilligt, teilte das Statistische Landesamt am Mittwoch in Stuttgart mit. Die Jahresteuerung sei damit auf 2,0 von 2,2 Prozent im Oktober gefallen.

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Amerika weiter im Zinserhöhungszyklus

Schon bald rechnen dagegen die Beobachter in Amerika mit einer weiteren Zinserhöhung durch die amerikanische Notenbank. Die zuletzt veröffentlichten Konjunkturzahlen hätten in keiner Weise die Einschätzung beeinflußt, daß die Federal Reserve bei ihrer Politik einer Zinsanhebung bleiben wird. Der Markt gehe überwiegend davon aus, daß die Fed den Leitzinssatz zunächst bei jeder weiteren Sitzung anheben wird, sagte ein Stratege.

Mit der nächsten Zinsanhebung wird demnach schon im nächsten Monat gerechnet. Zumindest gehen davon 20 der 22 größten Primärhändler von amerikanischen Staatsanleihen aus. Sie rechen mit einem kleinen Zinsschritt um 25 Basispunkte auf 2,25 Prozent, um die Inflation zu bremsen. Noch vor einem Monat hatten lediglich sechs Primärhändler auf eine Zinserhöhung beim nächsten Fed-Treffen am 14. Dezember gesetzt.

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Mehrheitlich geht man dabei momentan nicht davon aus, daß die am 3. Dezember vom Arbeitsministerium zur Veröffentlichung anstehenden Arbeitsmarktzahlen daran etwas ändern werden. Vielmehr heißt es, daß wenn die Zahlen sehr gut ausfallen, auch der letzte Zweifler kippen dürfte: "Ein starkes Ergebnis könnte uns dazu bringen unsere Prognose zu ändern", konstatierte Kathleen Bostjancic, leitende Volkswirtin bei Merrill Lynch in New York.

Quelle: Reuters
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