GfK-Anleihe

Solide Alternative

Von Martin Hock
12.04.2011
, 11:49
GfK: Guter Eindruck als Schuldner
Das Marktforschungsinstitut GfK sichert sich mit einer Debüt-Anleihe noch rasch das niedrige Zinsniveau. Für Privatanleger ist die Emission durchaus eine Alternative, auch wenn das Zinsrisiko derzeit die Anleihenkurse belastet.
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Eines ist zumindest gut am derzeitigen Emissionsboom auf dem Anleihenmarkt: Das Spektrum der Emittenten wird immer breiter. Sein Debüt gibt derzeit das Marktforschungsinstitut GfK mit einer Anleihe im Volumen von 200 Millionen Euro, die das Institut bei institutionellen und privaten Investoren in Europa platzierte und die wenigstens an der Luxemburger Börse gehandelt werden wird.

Ausgestattet ist das Rentenpapier mit einer Laufzeit von fünf Jahren im privatanlegerfreundlicher Stückelung von 1000 Euro mit einem Kupon von 5 Prozent und einer Emissionsrendite von 5,175 Prozent. Diese gewährt damit einen Aufschlag von knapp 2 Prozentpunkten auf den Referenzzinssatz der Banken und von 2,35 Prozentpunkten gegenüber der vergleichbaren Bundesobligation.

An der Grenze von Investment-Grad zu spekulativ

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Ein Rating hat die GfK nicht. Legt man den Renditeaufschlag zugrunde und vergleicht diesen mit der jüngsten Emission des Fiat-Konzerns, die gegenüber der Bundesobligation einen Aufschlag von 3,72 Prozentpunkten aufwies, so ist das Rating deutlich über dem „BB“ von Fiat und wäre somit im Bereich zwischen unterem Investment-Grad-Bereich und oberem Bereich spekulativer Emissionen anzusiedeln.

Bild: F.A.Z.

Das entspricht auch in etwa den Renditen am Sekundärmarkt, wo etwa eine fünfjährige Anleihe des französischen Baukonzerns Lafarge mit einem Rating im unteren Investment-Grad-Bereich mit 5,12 Prozent und eine Anleihe des Spirituosen-Herstellers Pernod-Ricard mit etwas kürzerer Restlaufzeit mit 5,03 Prozent gehandelt wird.

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Deutliche Verbesserung der Bilanz seit dem NOP-Zukauf

Die Entwicklung der Bilanzkennziffern der GfK war in den vergangenen Jahren vielversprechend. Nach der Übernahme der britischen NOP World im Jahr 2005, mit der sich Deutschlands größtes Marktforschungsinstitut GfK an die Weltspitze katapultiert hatte, hatten sich diese deutlich verschlechtert.

Der Kaufpreis von 550 Millionen Euro bei einem Jahresumsatz im Jahr 2004 von 667 Millionen Euro wurde aus Kreditlinien finanziert. Die Eigenkapitalquote, die in den Jahren nach dem Börsengang 1999 stets deutlich mehr als 40 Prozent betragen hatte, sackte auf 28,5 Prozent ab. Vom Nettogläubiger war GfK zwar schon 2002 zum Nettoschuldner geworden, doch stieg die Schulden 2005 in Relation zum operativen Gewinn von einem Zehntel auf 3,4.

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Seitdem aber hat das Institut konsequent die Bilanz wieder aufgebessert. Zum Jahresende 2010 war der Hebel der Bilanz auf 2,2 gefallen und die Eigenkapitalquote wieder über 40 Prozent gestiegen. Der größte Teil des Schuldenabbaus fand indes 2006 und 2007 statt.

Die Finanzkrise erwischte das Unternehmen 2009 spürbar. Der operative Gewinn fiel deutlich um 13 Prozent auf 159 Millionen Euro, die Umsätze gingen um knapp 5 Prozent auf 1,165 Milliarden Euro zurück. Doch 2010 konnten hier schon wieder neue Bestmarken erzielt werden.

Dieses Bild hatte offenbar auch bei den Investoren positiv gewirkt, war doch der Renditeaufschlag gegenüber dem Referenzzins zunächst auf 2 bis 2,1 Prozentpunkte erwartet worden.

Interessante Alternative zu Hochzinsanleihen

Mit dem frischen Kapital will GfK vor allem kurzfristige Bankverbindlichkeiten ablösen. Immerhin ist knapp ein Viertel der Finanzschulden 2011 und knapp die Hälfte 2012 fällig. Mit dem Emissionserlös können die 2011 fälligen Schulden ganz und die 2012 fälligen noch zu etwas weniger als der Hälfte abgelöst werden. Damit verbesserte sich die Schuldenstruktur des Unternehmens deutlich. Indes könnte ein Teil der Erlöse auch für allgemeine Unternehmenszwecke verwendet werden.

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GfK nutzt offenbar die derzeit günstige Lage am Anleihenmarkt, bevor möglicherweise die Zinsen wieder ansteigen werden. Dieses Zinsrisiko ist sicher nicht zu vernachlässigen. So ist etwa die Rendite der Anleihe von Pernod-Ricard in den vergangenen Tagen um 20 Basispunkte gestiegen, die der Lafarge-Anleihe um 35 Basispunkte. Und es sieht nicht so aus, als ob dieser Prozess schon zu Ende sei.

Andererseits steht Privatanlegern mit der Emission ein Schuldtitel zur Verfügung, dessen Emittent einen sehr soliden Eindruck macht. Das ist gegenüber den zahlreichen spekulativen Emissionen der jüngsten Zeit durchaus etwas wert.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho
Autorenporträt / Hock, Martin
Martin Hock
Redakteur in der Wirtschaft.
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