Internationale Finanzmärkte

Alles andere als ein ruhiger Sommer

Von Gerald Braunberger
29.07.2012
, 16:53
Zahlreiche Unternehmensergebnisse, Konjunkturdaten, die EZB und Finanzdiplomatie stehen im Vordergrund. Der Bericht von den internationalen Finanzmärkten.
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Was waren das noch für Zeiten, als ein Börsianer noch in den Sommer fahren konnte, ohne fürchten zu müssen, nach seiner Rückkehr eine ganz andere Welt vorzufinden! Dieser Sommer war im bisherigen Verlauf an den Finanzmärkten nicht ruhig, und es sieht ganz danach aus, als werde seine zweite Hälfte ziemlich unruhig. So manches spricht dafür, dass die Börsen - trotz der Veröffentlichung zahlloser Quartalsdaten von Unternehmen - im Griff der Politik bleiben.

In der vergangenen Woche sorgte Mario Draghi, der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), für Aufsehen, als er in London - also ausgerechnet einer der Hochburgen der Euro-Gegner - ankündigte, die EZB werde alles in ihrem Mandat Notwendige tun, um die Gemeinschaftswährung zu erhalten. Der Tradition seines Vorgängers Jean-Claude Trichet folgend, bezeichnet Draghi die hohen Anleiherenditen in Spanien und Italien als Hemmnis für die Durchführung der Geldpolitik. An den Finanzmärkten schloss man daraus, die EZB bereite Käufe spanischer und italienischer Staatsanleihen vor.

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Einen Reim aus der hektischen Finanzdiplomatie machen

Deren Renditen gaben prompt stark nach, wobei die Rückgänge bei den Kurzläufern noch ausgeprägter waren als bei den Langläufern. Die Rendite spanischer zweijähriger Staatsanleihen fiel von 6,50 auf 5,04 Prozent, und auch die Preise für Kreditausfallderivate (CDS) auf italienische und spanische Staatsanleihen gaben deutlich nach. Am Devisenmarkt verfestigte sich der Euro auf 1,232 Dollar. Der Dax beendete die Woche nach einem schwachen Beginn mit einem Zugewinn von 0,9 Prozent auf 6689 Punkte.

Im Sog der Freude der Märkte über Draghis Äußerungen betrat überraschend Irland erstmals seit dem Jahr 2010 mit langlaufenden Anleihen den Markt. Achtjährige Papiere wurden mit einer Rendite von 6,1 Prozent, fünfjährige mit einer Rendite von 5,9 Prozent plaziert. Der Absatz war mit 4,2 Milliarden Euro größer als von der Regierung in Dublin erhofft. Eine besonders starke Nachfrage soll es von amerikanischen Investoren gegeben haben. Irland will mit der Plazierung an Anleihen, der eine Plazierung von Geldmarktpapiere vor zwei Wochen vorangegangen war, nach Aussagen der Regierung den Ausstieg aus dem Hilfsprogramm vorbereiten.

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In der kommenden Woche werden sich die Marktteilnehmer vor allem aus der hektischen Finanzdiplomatie einen Reim machen müssen. Bundeskanzlerin Angela Merkel und der französische Staatspräsident François Hollande haben zum Wochenende ebenfalls ihren Willen bekundet, alles Nötige zum Erhalt der Währungsunion zu leisten. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble lobte Draghi für dessen Äußerungen, während die Deutsche Bundesbank ihre Kritik an Käufen von Staatsanleihen durch die EZB erneuerte. Ungenannte informierte Kreise berichteten nach Angaben der Nachrichtenagentur Bloomberg, Draghi wolle in den kommenden Tagen mit Bundesbankpräsident Jens Weidmann über Staatsanleihekäufe der EZB sprechen. Solche Käufe stünden allerdings nicht unmittelbar bevor.

Veröffentlichung weiterer Quartalsergebnisse

Fest steht, dass der amerikanische Finanzminister Timothy Geithner am Montag Schäuble in dessen Urlaubsquartier auf Sylt besuchen und sich anschließend in Frankfurt mit Draghi treffen will. Am Donnerstag tagt turnusgemäß der Zentralbankrat der EZB. Einen Tag zuvor, am Mittwoch, trifft sich in Washington die Führung der amerikanischen Zentralbank Fed. Bei aller Aufmerksamkeit, die sich zu Recht auf Europa richtet, bleibt auch die Lage in den Vereinigten Staaten ein Thema: Die jüngsten Konjunkturdaten bekräftigten den Eindruck einer nicht sehr dynamischen Konjunkturerholung.

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Die neue Woche beginnt am Montag mit der Versteigerung drei- bis zehnjähriger italienischer Staatsanleihen im geplanten Volumen von 5,5 Milliarden Euro. Diese Auktion wird zeigen, ob der von Draghi in der Vorwoche geweckte Optimismus an den Märkten das Wochenende überstanden hat. Am Mittwoch will Deutschland mit der Auktion eines fünfjährigen Papiers 4 Milliarden Euro einnehmen. In diesen Tagen ziehen amerikanische Marktteilnehmer mit der Botschaft durchs Land, Deutschlands Zeit als erstklassiger Schuldner neige sich ihrem Ende zu. Zum Wochenschluss lag die Rendite fünfjähriger Bundespapiere mit 0,42 Prozent dennoch sehr niedrig, und der Preis für CDS war mit 73 Basispunkten zuletzt gefallen. Im Laufe der Wochen werden auch Spanien und Belgien den Kapitalmarkt in Anspruch nehmen. Am kommenden Freitag steht die Veröffentlichung neuer amerikanischer Arbeitsmarktzahlen an.

Neben den politischen Ereignissen dürfte an den Aktienmärkten die Veröffentlichung weiterer Quartalsergebnisse im Mittelpunkt des Interesses stehen. Die bisherigen Resultate waren, insgesamt betrachtet, durchwachsen. In der kommenden Woche legen Bayer, Metro, Deutsche Bank, BMW, Fresenius, Deutsche Post und Lufthansa Zahlen vor.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Braunberger, Gerald
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