Italien und Spanien

Risikoprämien werden in die Höhe getrieben

Von Bettina Schulz und Stefan Ruhkamp
04.06.2010
, 18:00
Italien und Spanien zahlen höhere Zinsaufschläge als vor den Rettungspaketen. Zwar gehören sie zu den finanzschwachen Euro-Staaten, doch ihre Anleihen konnten bislang nicht von den Stützungskäufen der Europäischen Zentralbank profitieren.

Die Sorge vor einer weiteren Verschärfung der europäischen Schuldenkrise hat in den vergangenen Tagen die Risikoprämien für italienische und spanische Staatsanleihen in die Höhe getrieben. Der Renditeabstand italienischer Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit ist im Vergleich zu deutschen Bundesanleihen in den vergangenen zwei Wochen von weniger als 1 auf 1,7 Prozentpunkte gestiegen. Für spanische Titel verdoppelte sich der Abstand auf knapp 2 Prozentpunkte. Damit liegen die Risikoprämien höher als vor den großen Stabilisierungsprogrammen, bei denen am 10. Mai von den Euro-Staaten und dem Internationalen Währungsfonds 750 Milliarden Euro für finanzschwache Euro-Staaten in Aussicht gestellt worden waren.

Von der jüngsten Verkaufswelle sind nach Einschätzung von Händlern Spanien und Italien besonders betroffen, weil sie zu den finanzschwachen Euro-Staaten gezählt werden, ihre Anleihen bislang aber nicht von den Stützungskäufen der Europäischen Zentralbank profitieren. Die EZB hat seit dem 10. Mai für rund 40 Milliarden Euro vornehmlich Staatsanleihen gekauft, fast ausschließlich aus Irland, Portugal und Griechenland. Mit mehr als 20 Milliarden Euro sei dabei der größte Anteil auf griechische Anleihen entfallen, heißt es im Umfeld der Bundesbank. Die Risikoaufschläge dieser drei Länder haben sich in den vergangenen Wochen dank der EZB-Käufe auf hohem Niveau weniger schlecht entwickelt als die Spaniens und Italiens.

Große Verunsicherung der Anleger

Allerdings sei der Markt für griechische, portugiesische und irische Titel nach wie vor illiquide und hänge weitgehend vom Eingriff der Zentralbank ab. Mit italienischen und spanischen Anleihen funktioniere der Handel weiterhin, allerdings unter schwierigen Bedingungen. So lägen die Abstände zwischen den Preisen, die Banken für den An- und Verkauf stellen, für italienische Titel meist in der Größenordnung eines halben Prozents des Nennwerts. In Handelsphasen mit großer Verunsicherung der Anleger könne der Abstand auch noch größer werden, sagte ein Frankfurter Händler.

Die steigenden Risikoaufschläge südeuropäischer Anleihemärkte zeigen nach Einschätzung der Londoner Investment-Analysegesellschaft Vantage, dass sich die Bewertung der Währungsunion durch Großinvestoren seit Verabschiedung des Rettungsschirmes und der Verkündung harter Sparmaßnahmen in Griechenland, Spanien, Italien und Portugal deutlich geändert hat. Die Sparauflagen seien mittlerweile so drakonisch, dass ihre Durchführung im Falle von Griechenland, Spanien und Portugal „unmöglich und politisch riskant“ sei, heißt es in einer Studie. Solange die europäische Politik nicht weichere, realistische und längerfristige fiskalpolitische Maßnahmen verabschiede und signalisiere, dass nicht nur Sparen, sondern auch Wachstum wichtig sei, um aus der Verschuldung herauszukommen, fänden die Ankündigungen kein Vertrauen.

Je weniger wahrscheinlich jedoch die Erfüllung der Haushaltspläne sei, desto mehr müsse der Investor fürchten, dass kein Weg an einer Umschuldung vorbeigehe – im Falle Griechenland voraussichtlich schon in zwei bis drei Jahren. „Investoren haben dann keine andere Wahl mehr: Sie müssen die Einzelmitglieder der Währungsunion individuell nach ihrem Risiko einstufen und nicht mehr als Mitglied eines homogenen Blocks“, warnen die Londoner Analysten. Das Problem sei aber, dass die EZB durch ihre Anleihenaufkäufe die realen Renditen am Markt drossele. Zum Vergleich: Während einer früheren Schuldenkrise Spaniens ist die reale Zehnjahresrendite der Anleihen auf fast 10 Prozent gestiegen. Angesichts einer Inflationsrate von derzeit 1 Prozent liege die Realrendite spanischer, portugiesischer und italienischer Anleihen jedoch nur bei 3 bis 3,5 Prozent, und das sei nicht genug, um privates Kapital anzulocken.

Darauf sind die Staaten aber weiterhin angewiesen. In Spanien wird die nächste große Bewährungsprobe Ende Juli erwartet, wenn der Staat für die Rückzahlung einer Anleihe auf einen Schlag mehr als 16 Milliarden Euro aufbringen muss. Am 18. Juni werden für die Rückzahlung von spanischen Titeln mit kürzerer Laufzeit gut 8 Milliarden Euro gebraucht.

Quelle: F.A.Z.
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