Mittelstandsanleihen

Hohe Zinsen für Erneuerbare Energien

Von Martin Hock
17.03.2011
, 12:51
German Pellets braucht mehr Geld für mehr Brennstoff
Zwei Unternehmen aus dem Bereich Erneuerbare Energien bieten Anleihen zur Zeichnung an. Mehr Zinsen gibt es vom frisch gegründeten Solarparkbetreiber Solar 8, weniger Risiko vom Brennstoffhersteller German Pellets.
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Mittelstandsanleihen scheinen zum Renner zu werden. Mittlerweile bieten mehrere Unternehmen Papiere zur Zeichnung an, darunter einmal mehr zwei Unternehmen aus dem derzeit so gefragten Bereich der Erneuerbaren Energien.

Geht man nach dem Kupon, so ist die mit 9,25 Prozent verzinste fünfjährige Anleihe der Solar 8 Energy AG mit einem Volumen von bis zu 10 Millionen Euro klarer Sieger. Das erst im vorigen Jahr gegründete Unternehmen investiert in Photovoltaik-Kraftwerke in Süditalien.

Erst 2010 gegründet

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Zwei Kraftwerke mit einer Leistung von 1.500 kW seien schon fertig gestellt, weitere 5,5 MW seien vertraglich gesichert und projektiert, zusätzlich 8 MW in Planung. Die Mittel aus der Anleiheemission sollen in erster Linie für die Errichtung neuer Anlagen eingesetzt werden.

Bild: F.A.Z.

Naturgemäß lässt sich aus der Bilanz des Start-Ups zum 31. Dezember 2010 nicht viel herauslesen, da sich im Grunde nicht viel ereignet hat. Erst am 30. Dezember 2010 hat Solar 8 den Entwickler Solaria 4 übernommen.

Plangemäß will Solar 8 im Jahr 2011 einen operativen Gewinn von 820.000 Euro erzielen, der bis 2014 auf 8,1 Millionen Euro steigen soll. Die weiteren Projekte sollen zu 70 Prozent über Bankdarlehen und zu 30 Prozent über die Anleihe finanziert werden. Benötigt werden 43 Millionen Euro, so dass bei einem Eigenkapital von zuletzt 2,66 Millionen Euro eine hohe Verschuldung entstünde.

Risiken in Süditalien

Letztlich steht und fällt der Erfolg der Solar 8 und damit auch die Rückzahlung der Anleihe mit den geplanten Projekten. Dabei gibt es auch Branchenkenner, die gerade in Süditalien höhere Risiken sehen. So beschränkt sich etwa der Betreiber Capital Stage, der ansonsten für Italien schwärmt, nach den Worten seines Vorstands Zoltán Bognar auf den Norden des Landes, weil die Sicherheitslage für das langfristige Geschäft im Süden zu schlecht sei. Dafür führt Bognar nicht nur die „allseits bekannten Gründe“ an, sondern auch die Tatsache, dass es dort kein anerkanntes Grundbuch gäbe (vgl. Zoltán Bognar, Capital Stage„Viele Solar-Fabriken werden verlagert werden“).

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Die Rating-Agentur Creditreform Rating hat der Solar8 Energy ein Unternehmensrating von „BB-“. Es ist damit vergleichbar mit dem der Joh. Friedrich Behrens AG (Bea) (vgl. Bea bietet hohen Zins für Vertrauen in die Zukunft), dem Hersteller von Nagelgeräten, der die Folgen jahrelanger Managementfehler und der Finanzkrise jetzt zu bewältigen begonnen hat.

Der Aufschlag gegenüber dem Referenzzins der Banken ist mit 6,4 Prozentpunkten allerdings deutlich höher. als er bei Bea war. Das deutet auf eine durchaus höhere Risikoeinstufung hin, die angesichts bislang fehlender Vermögenswerte und ohne ein erprobtes Geschäft, durchaus gerechtfertigt erscheint.

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Großes Volumen für German Pellets

Etwas anders steht es um German Pellets, die ab der kommenden Woche gleichfalls eine fünfjährige Anleihe, allerdings mit einem Zinskupon von 7,25 Prozent anbieten. Zudem wird die Anleihe im Bond-M an der Börse Stuttgart aufgenommen werden, Solar 8 will in den Düsseldorfer Freiverkehr.

Das Volumen ist mit 75 Millionen Euro zuzüglich einer Option auf weitere 25 Millionen zudem sehr viel größer und soll in den Aufbau weiterer Werke sowie den Ausbau des Handelssystems und der Wärme- und Stromproduktion fließen.

German Pellets ist nach eigenem Bekunden Europas größter Hersteller von Holzpellets, die für Heizanlagen, Kaminöfen, aber auch in Kraftwerken verwendet werden. 2009 hat das Unternehmen rund 121 Millionen Euro umgesetzt und dabei ein Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit von mehr als 3 Millionen Euro sowie einen Überschuss von 2,49 Millionen Euro erwirtschaftet.

Geringer Hebel

In den ersten neuen Monaten des Jahres 2010 waren es 110 Millionen Euro Umsatz bei einem Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit von 2,9 Millionen Euro und einem Überschuss von 2,76 Millionen. Die Ertrags- und Umsatzentwicklung zeigt also nach oben.

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Zum 30. September 2010 betrug die Eigenkapitalquote des Unternehmens knapp 17 Prozent, was nicht besonders hoch erscheint, allzumal gut ein Viertel des Eigenkapitals aus Genussrechtskapital besteht, was den Gewinnanteil der Gesellschaft mindert. Da die Anleihen nicht nachrangig sind, müssten aber im Zweifelsfall die Genussrechtsinhaber eher auf ihre Ansprüche verzichten.

Bei rund 42 Millionen Euro Nettofinanzschulden hat die Bilanz von German Pellets bezogen auf den Gewinn den operativen Gewinn der ersten neun Monate des Vorjahres einen geringen Hebel von weniger als 3. Von Creditreform hat das Unternehmen daher auch mit „BBB“ eine um vier Stufen bessere Bonitätsnote erhalten als Solar 8.

Politische Risiken

Als größtes Risiko ist wie bei Solar 8 auch für German Pellets der politische Wille anzusehen. So wurde im Mai 2010 das Förderprogramm für Holzpelletkessel ausgesetzt und erst im Juli wieder aufgenommen. Hier könnte eine Streichung bei entsprechender Haushaltslage ebenso drohen wie eine Kürzung der Vergütung für Biomassestrom.

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Die Pelletnachfrage ist wie bei allen Brennstoffen von der Witterung abhängig. Einige milde Winter könnten sich also negativ auswirken. Derzeit spricht indes die Preisentwicklung bei alternativen fossilen Brennstoffen eher für das Geschäft von German Pellets. Zudem gibt es noch Abhängigkeiten vom Immobilienmarkt. Denn da das Unternehmen Restholz verwendet, ist das Angebot umso reichlicher, je mehr der Bau floriert.

Mit einem Renditeaufschlag auf den Referenzzins der Banken von 4,4 Prozentpunkten bietet die Anleihe einen etwas höheren Aufschlag als die Anleihe der seinerzeit mit „BBB+“ bewerten Sic Processing ().

Insofern erscheint die Anleihe bei Abwägung der Risiken nicht uninteressant. Es sollte nicht unberücksichtigt bleiben, dass sich die Verschuldung angesichts des vergleichsweise hohen Volumens deutlich erhöht. Immerhin liegt das Volumen von 75 Millionen Euro bei etwa der Hälfte des Jahresumsatzes, wenn man die Entwicklung der ersten neuen Monate fortschreibt. Sollte das Unternehmen den Kapazitätsausbau überziehen, so könnten Liquiditätsschwierigkeiten auftreten.

Die am Bond-M eingeführten Mittelstandsanleihen weisen zum Teil deutliche Kursaufschläge auf. Das spricht für zumindest eine kurzfristig erfolgreiche Emission der German Pellets.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors wieder.

Autorenporträt / Hock, Martin
Martin Hock
Redakteur in der Wirtschaft.
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