Mittelstandsanleihen

Sic Processing mit interessantem Angebot

Von Martin Hock
14.02.2011
, 14:04
Hätte gerne Geld: SiC Processing
Mit Sic Processing drängt abermals ein Solarunternehmen auf den Markt für Mittelstandsanleihen. Die Finanzkennziffern nehmen sich recht gut aus, die Verzinsung erscheint verlockend.

Der Boom der Mittelstandsanleihen, vor allem im Stuttgarter Börsensegment Bond-M hält unvermittelt an. Nachdem zu Monatsbeginn das Photovoltaik-Unternehmen Centrosolar drei Viertel des geplanten Volumens von 50 Millionen Euro in nur zwei Handelstagen plaziert hatte, liegt nun schon das nächste Angebot vor.

Die Sic Processing GmbH verspricht Anlegern jährliche Zinsen von 7,125 Prozent, wenn Anleger ihr über fünf Jahre Geld zur Verfügung stellen. Die Zeichnungsfrist beginnt am Mittwoch. Sic Processing ist dabei ehrgeizig: Das geplante Volumen liegt bei 100 Millionen Euro.

Ansprechende Bilanz

Wie Centrosolar kommt auch Sic Processing aus der Photovoltaikbranche, gehört aber zur Gruppe der Anbieter von Spezialdienstleistungen, in diesem Falle der Aufbereitung gebrauchter Sägesuspension (Slurry), wobei Sic Processing nach eigenem Bekunden weltweit einen Marktanteil von rund 40 Prozent hat.

Bild: F.A.Z.

Geschäftsführer Thomas Heckmann ist dabei stolz auf die hohen Rückgewinnungsraten von 95 Prozent für Glykol und 85 Prozent für Siliziumkarbid. Damit sei man allein im Markt. Mancher chinesisches Wettbewerber komme nur auf Rückgewinnungsquoten von 20 bis 30 Prozent. Anlagen könne jeder kaufen, aber die entscheidende Frage sei die Anwendung der Prozesse, um den Kunden maßgeschneiderte Produkte zur Verfügung stellen zu können.

Die Geschäftszahlen lesen sich recht positiv: Zwar ist die Eigenkapitalquote zum 30. September 2010 von 50 Prozent Ende 2008 auf nur noch 35 Prozent gesunken, liegt damit aber immer noch auf ansprechendem Niveau. Die Nettofinanzschulden sind niedrig und haben nur eine Bruchteilshöhe des ausgewiesenen operativen Gewinns.

Dieser betrug in den ersten neun Monaten des Jahres 2010 35,8 Millionen Euro und lag damit mehr als doppelt so hoch wie im gleichen Zeitraum des Jahres 2009 bei einem um 62 Prozent höheren Umsatz von 115,4 Millionen Euro. Damit ist die operative Marge auf 31 Prozent nach 24 Prozent im Jahr 2009 und 27 Prozent im Jahr 2008 gestiegen.

Wachstum in China und Darlehensablösung

Von Creditreform erhält Sic Processing lediglich ein „BBB+“, was aber unter den Noten am Bond-M die bisher beste ist, die ein Emittent von der Agentur erhalten hat. Hauptgesellschafter ist mit einem Anteil von zwei Dritteln der Beteiligungsfonds Nordic Capital Fund VII, der sich vor acht Monaten beim Unternehmen einkaufte. Dieser erhält aus dem Emissionserlös wenigstens 26 Millionen Euro zur Ablösung von Gesellschafterdarlehen und anderen Verbindlichkeiten. Aber die ursprüngliche Kreditlinie des Gesellschafters von 75 Millionen Euro stehe auch weiter zur Verfügung, so Geschäftsführer Dirk Müller. Diese Darlehen hätten von vornherein als Brückenfinanzierung für das Wachstum gedient.

52 Millionen Euro sollen zur Finanzierung des Wachstums in China verwendet werden. Angesichts des Kostendrucks in der Branche scheint die Wiederverwertung durchaus chancenreich zu sein, nicht nur im fernen Osten. Sic Processing erzielt schon jetzt 80 Prozent seines Umsatzes im Ausland, vor allem in Norwegen, China, Italien und den Vereinigten Staaten. Auch Zukäufe hält Heckmann für denkbar.

Da es sich bei knapp der Hälfte der Emission um eine Umschuldung handelt, steigen die Zins- und Schuldenbelastung durch die Emission nicht im Umfang des Emissionsvolumens. Vorausgesetzt, dass das Management sein Handwerk versteht, so erscheint die Emission nicht uninteressant. Der geplante Kapazitätsaufbau von 215.000 auf 465.000 Tonnen birgt naturgemäß unternehmerische Risiken, ebenso wie die mittelständische Unternehmensgröße eine gewisse grundsätzliche Anfälligkeit birgt.

Etwas mehr Rendite als Centrosolar

Die Creditreform-Analysten halten die Ergebnisplanung für 2012 und 2013 allerdings für ambitioniert. Zudem ist Sic Processing von einer begrenzten Anzahl von Großkunden abhängig.

Die Anleihe ist schon zum 1. März des kommenden Jahres erstmals kündbar. In diesem Fall erhöht sich die Rendite auf 8,125 Prozent, da zu 101 Prozent getilgt wird. Das ist gleichzeitig die lukrativste Variante, in der Folgezeit sinkt die Rendite deutlich, bis sie ab Kündigung 2015 bei 7,125 Prozent liegt.

Mit einem Aufschlag von rund 4,2 Prozentpunkten gegenüber dem Referenzzins der Banken bietet die Anleihe trotz der besseren Bonitätsnote eine etwas höheren Renditeaufschlag als die Anleihe von Centrosolar (vgl. Marktverfassung birgt größte Risiken für Centrosolar-Anleihe). Müller erklärt dies mit dem aufgrund der fehlenden Börsennotiz geringeren Bekanntheitsgrad des Unternehmens.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors wieder.

Autorenporträt / Hock, Martin
Martin Hock
Redakteur in der Wirtschaft.
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot