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Mittelstandsanleihen

Die nächste(n) Pleite(n)

Von Martin Hock
 - 18:07
Biogasanlage: Wenig ertragbringend für BKN und seine Gläubiger

Niemand wollte es offiziell gesagt haben, doch wann immer man mit Kennern des Marktes für Mittelstandsanleihen über unsichere Kantonisten sprach, fiel immer wieder rasch der Name BKN Biostrom.

Dass diese Einschätzung keineswegs so falsch war, zeigte sich schon vor einer Woche, als die Inhaber der in Hamburg notierten Anleihe im Volumen von bis zu 25 Millionen Euro - das exakt begebene Volumen ist nicht bekannt - des Unternehmens nicht die versprochene Zinszahlung erhielten.

BKN Biostrom ist zahlungsunfähig

Am Dienstag teilte das Unternehmen dann lapidar mit, die Zinsen auch nicht nachzahlen zu können. Man sei zahlungsunfähig und prüfe weitere Schritte. Am Mittwoch folgte nun der Insolvenzantrag. Von der Insolvenz sind auch die operativen Tochtergesellschaften Biostrom Energiesysteme und Biostrom Service betroffen.

Ausschlaggebend für die Zahlungsunfähigkeit des Unternehmens sei die vorangegangene Insolvenz von acht Biogasgesellschaften, die nicht zum Konsolidierungskreis der BKN Biostrom AG gehörten, jedoch von der Biostrom Service GmbH betreut wurden. Der Rückzug der finanzierenden Bank aus diesen Gesellschaften und der damit verbundene Ausfall der Einnahmen sowie der bevorstehende Ausfall aufgelaufener Forderungen habe nicht durch im Eigenbetrieb befindliche Biogasanlagen ausgeglichen werden können.

Begrenzte Hoffnung auf Sicherheiten

Für die Anleger besteht indes noch ein Funken Hoffnung. BKN teilte gleichzeitig mit, dass Projektgesellschaften, die im Eigenbetrieb befindliche Anlagen halten sowie Projektgesellschaften, die als Sicherheit für die Anleihe dienen, derzeit nicht insolvent seien.

Die Forderungen sind durch die Ertragswerte der einzelnen Biogas-Anlagen besichert, die die Projektgesellschaften halten bzw. bauen wollen. Diese Werte wurden pauschaliert überschlägig berechnet, wobei diese nicht den Anforderungen an eine gutachterliche Wertberechnung entsprach. Die Rating-Agentur Creditreform hatte in ihrem Emissionsgutachten nicht ausschließen wollen, dass der Wert der Sicherheiten nicht die Höhe der Verbindlichkeiten decken könnten.

Zudem hatte die Gesellschaft die Ansprüche auf Zahlung von künftigen Einspeisevergütungen teilweise abgetreten. Doch diesen dürften Sicherungsrechte zu Gunsten anderer Gläubiger der Objektgesellschaften vorgehen, folgerte Creditreform seinerzeit. Im Ergebnis gingen die Ansprüche sämtlicher Gläubiger der Objektgesellschaften und sämtlicher Gläubiger der persönlich haftenden Gesellschafter der Objektgesellschaften den Ansprüchen der Anleihegläubiger im Verwertungsfall vor.

Da die Einspeisevergütungen offenbar für die Zinszahlungen nicht ausreichten, sollten Gläubiger ihre Hoffnungen nicht allzu hoch hängen und auch eher einmal nicht zu viel von den Ertragswerten der Biogasgesellschaften erwarten. Dies gilt nicht zuletzt auch deswegen, weil der Konkurs ja durch die Insolvenz von anderen Projektgesellschaften verursacht wurde.

Gleicher Emissionsberater wie SIAG Schaaf

Was letztlich die Ursache der nicht ausreichenden Erträge ist, lässt sich derzeit nicht sagen. Extrem störend ist, dass BKN letztmals über das erste Halbjahr des vergangenen Jahres berichtet hatte und somit Daten zur Geschäftsentwicklung der vergangen rund 15 Monate schlicht fehlen.

Emissionsberater von BKN war mit Blättchen & Partner dasselbe Unternehmen, das auch den Windkraftturmbauer SIAG Schaaf bei der Emission seiner Unternehmensanleihe beraten hatte. Dieser hatte im März Insolvenz beantragt, nur neun Monate nach der Emission und noch vor der ersten Zinszahlung. BKN hat nun ein Jahr - bis zur ersten fälligen Zinszahlung - durchgehalten.

Blättchen & Partner hat darüber hinaus auch den Altmeltallverwerter Scholz und das Immobilienunternehmen Golden Gate bei seinen Emissionen beraten. Die erste Zinszahlung von Golden Gate ist am 11. Oktober fällig, die von Scholz am 8. März des kommenden Jahres.

Peter Thilo Hasler, Vorstand von Blättchen & Partner, betont indes, dass man die Emission lediglich in Teilen begleitet habe. Erst in der letzten Phase der Emission sei BKN auf Blättchen & Partner zu gekommen, weil man Interesse am Besicherungskonzept der Anleihe von Golden Gate gehabt habe. Mit deren Hilfe wollte BKN die Anleihe für Investoren attraktiver gestalten.

SIAG Schaaf habe man seinerzeit zu einem Rating von S&P statt des damals noch unüblichen von Creditreform geraten. Nachdem dieses aber mit CCC+ für die Anleihe und B- für das Unternehmen schwach ausgefallen sei, habe SIAG noch während der Vermarktungsphase der Anleihe den Kontakt zu Blättchen & Partner abgebrochen.

Solarwatt flüchtet ins Schutzschirmverfahren

Unterdessen versucht die Dresdner Solarwatt AG derzeit mühsam ihre Insolvenz zu steuern. Laut Fortführungsprognose steuerte das Unternehmen auf die Überschuldung zu. Am Dienstag gab nun das Amtsgericht Dresden dem Antrag des Unternehmens auf Einleitung eines Schutzschirmverfahrens in Eigenverwaltung statt.

Gemeinsam mit einem vorläufigen Sachwalter, der die Interessen auch der Anleihegläubiger vertreten soll, hat der Vorstand des Unternehmens nun bis zum 31. Juli Zeit, frei von Vollstreckungsmaßnahmen, einen Insolvenzplan vorzulegen.

Nach Prüfung durch das Gericht muss darüber die Gläubigerversammlung abstimmen. Noch bleibt den Gläubigern der im Oktober 2015 fälligen Anleihe also die Hoffnung wenigstens mehr als die 25 Prozent der Nominale zu erhalten, zu der die Anleihe zuletzt gehandelt wurde. Die Anleihengläubiger erhielten nach Abschluss des Verfahrens aus der Insolvenzmasse eine noch zu ermittelnde Quote, ließ Solarwatt verlauten.

Das Unternehmen war von Creditreform im September 2010 noch mit der Note „BB+“ bewertet worden. Zwischen August 2011 und März 2012 hatte es die Agentur in rascher Folge von „BB+“ auf „B“ gesenkt worden. Am Mittwoch lautete es „C“, seit Donnerstag „D“, was für eine ungenügende Bonität steht.

Die Ausfälle haben begonnen

Emissionsberater der Solarwatt war übrigens die FMS AG, die auch bei zahlreichen anderen Mittelstandsanleihen als Berater tätig war, so bei KTG Agrar, Windreich, Sic Processing, oder Centrosolar. Aber auch Payom Solar gehört zu den Projekten von FMS, um die es derzeit viel Grund zur Sorge gibt.

Eines zeigt sich deutlich, die Ausfälle am Markt für Mittelstandsanleihen haben begonnen, nicht zuletzt deswegen weil nach dem Emissionsboom des Vorjahres nun immer mehr Zinszahlungstermine fällig werden. Anlegern bleibt nur zu hoffen, dass die Einschläge an ihnen vorbeigehen.

Quelle: FAZ
Autorenporträt / Hock, Martin
Martin Hock
Redakteur in der Wirtschaft.
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