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Negativer Einlagenzins

„Negativzinsen für alle Kunden sind nicht realistisch“

Von Gerald Braunberger
 - 21:22

Die Folgen des von der Europäischen Zentralbank (EZB) erhobenen negativen Einlagenzinses von minus 0,4 Prozent beschäftigen nicht nur die direkt betroffenen Geschäftsbanken, sondern auch deren Kunden – wie die aktuellen Meldungen über Kontoführungsgebühren von Sparkassen und Volksbanken belegen, in denen Kunden für Bargeldabhebungen zahlen müssen. Und viele Menschen fragen sich: Wohin soll das führen?

Ein Blick nach Dänemark kann hilfreich sein, denn dort ist der von der dortigen Zentralbank verlangte Einlagenzins schon seit dem Sommer 2012 negativ; derzeit beträgt er minus 0,65 Prozent. Die Folgen nach fast fünf Jahren Negativzins zeigt eine Studie des Mannheimer Wirtschaftsforschungsinstituts ZEW für die Direktbank ING Diba. „Dänemark hat die Entwicklung in der Eurozone vorweggenommen“, sagt Martin Schmidberger, Generalbevollmächtigter der ING Diba.

Zwei wesentliche Erkenntnisse liefere die Studie: „Erstens sind Negativzinsen für alle Privatkunden kein realistisches Szenario. Und zweitens haben die Bankkunden sehr besonnen reagiert.“ Was den Zins für Privatkunden betrifft, verweist Schmidbauer auch auf Länder wie die Schweiz oder Japan, wo zwar negative Leitzinsen der Zentralbank bekannt sind, aber flächendeckende Negativzinsen für Privatkunden ebenfalls ausgeblieben sind. Auch für Deutschland sieht der Banker unter anderem aus juristischen Gründen keinen flächendeckenden Negativzins für Privatkunden voraus.

Mit der „Besonnenheit“ der Kunden meint Schmidbauer ein nicht sehr stark verändertes Sparverhalten. Die Dänen sind, ebenso wenig wie die Deutschen, als Folge niedriger Einlagezinsen nicht in großem Stil zu riskanten Anlageprodukten gewechselt, die sie nicht verstehen. Dagegen gibt es eine Neigung, die im Lande sehr verbreiteten Hypothekendarlehen auf lange Laufzeiten umzustellen, um sich die niedrigen Zinsen zu sichern. Anders als in Deutschland ist eine Vorfälligkeitsentschädigung in Dänemark nicht verbreitet.

Aber zur Kasse gebeten werden die Bankkunden dennoch, und zwar durch höhere Gebühren vor allem für Wertpapiergeschäfte. Die Einnahmen der dänischen Banken aus dieser Quelle sind in den vergangenen Jahren kräftig gestiegen. Hintergrund ist die hohe Bedeutung der privaten Altersvorsorge in Dänemark, die dazu führt, dass dort privat viele Wertpapiergeschäfte getätigt werden. Und da die private Altersvorsorge steuerbegünstigt ist, scheinen die Banken davon auszugehen, dass Gebührenerhöhungen von den Kunden am ehesten toleriert werden. Dagegen zeigen die Einnahmen der dänischen Banken aus Gebühren für Kontoführung und Zahlungsverkehr – das ist die Schraube, an der deutsche Banken und Sparkassen derzeit drehen – keine spürbare Zunahme.

Höhre Provisionserträge für dänische Banken

Das Kreditgewerbe in Dänemark und in Deutschland ist nur eingeschränkt vergleichbar. In Dänemark sei die Branche relativ zur Gesamtwirtschaft im internationalen Vergleich groß, konzentriert und in sich verzahnt, sagt Oliver Lerbs, der im ZEW die Untersuchung betreut. Die fünf größten Banken des Landes kommen auf einen Marktanteil von rund 80 Prozent und auf eine deutlich größere internationale Verbreitung als viele deutsche Banken und Sparkassen.

„Wir sehen für die dänischen Banken einen moderaten Rückgang des Zinsergebnisses, aber dafür höhere Provisionserträge“, sagt Schmidberger. „Insgesamt ist die Profitabilität der dänischen Banken nach wie vor sehr gut.“ Dazu tragen nicht nur höhere Provisionserträge bei, sondern auch spürbare Kostensenkungen, zum Beispiel in der Reduzierung von Filialnetzen, sowie derzeit niedrige Ausfälle für faule Kredite. Allerdings ist der Ausblick nicht nur rosig.

„Es bleibt fraglich, wie lange dänische Banken die negativen Auswirkungen der Niedrigzinsphase auf das Zinsergebnis noch durch höhere Gebühren und Kostenreduktionen werden kompensieren können“, heißt es in der Studie. „Sollten die Refinanzierungskosten dänischer Banken infolge steigender Geld- und Kapitalmarktzinsen unerwartet deutlich steigen, bergen insbesondere der durch Refinanzierungen nunmehr stark gewachsene Anteil langfristig, aber niedrig verzinster Immobilienkredite sowie potentiell wieder steigende Abschreibungsbedarfe auf notleidende Kredite bei variablen Darlehen Risiken für die Profitabilität.

Deutsche Kreditbranche hat nicht nur auf Ertragsseite Probleme

Was lässt sich daraus für die Entwicklung in Deutschland lernen? „Die dänischen Erfahrungen lassen sich nur eingeschränkt auf Deutschland übertragen“, betont Schmidberger. Denn: „In Deutschland sind die Banken und Sparkassen stärker vom Zinsgeschäft abhängig. Daher dürfte das Zinsergebnis in den kommenden Jahren spürbar zurückgehen.“ Es wird aber nicht einfach werden, die Abhängigkeit vom traditionellen Zinsgeschäft innerhalb kurzer Zeit spürbar zu reduzieren. „Auch in Deutschland wird es darum gehen, die Provisionserträge zu steigern“, sagt Schmidberger.

„Allerdings machen sie in den Banken und Sparkassen nur 20 Prozent aus im Vergleich zu 50 Prozent bei den Versicherungen. Daher wird es der Kreditwirtschaft schwerfallen, den Rückgang des Zinsergebnisses durch bessere Provisionsergebnisse zu kompensieren.“

Hinzu kommt, dass die deutsche Kreditbranche nicht nur auf der Ertragsseite Probleme habe: „Das Verhältnis von Kosten zu Erlösen (Cost-Income-Ratio) ist in Deutschland im internationalen Vergleich traditionell schlecht. Daher werden wir in den kommenden Jahren mehr Filialschließungen sehen als in der Vergangenheit, um Kosten zu senken.“ Die Banken stünden vor großen Herausforderungen, die aber nicht alleine aus der Niedrigzinsphase stammten, sondern zum Beispiel auch aus der Digitalisierung herrührten.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Braunberger, Gerald
Gerald Braunberger
Herausgeber.
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