Rentenmärkte

Anleihehändler senken Renditeprognose für 10jährige Treasuries

20.09.2005
, 07:49
Die Mehrheit der größten Anleihehändler der Wall Street haben ihre Schätzung für die Rendite der zehnjährigen amerikanischen Staatsanleihen nach unten korrigiert. Der Grund: Hurrikan „Katrina“. Aber es gibt auch „Zinspessimisten“.

Die größten Anleihehändler der Wall Street haben ihre Schätzung für die Rendite der zehnjährigen amerikanischen Staatsanleihen nach unten korrigiert. Der Grund: Hurrikan „Katrina“ dürfte das Tempo der amerikanischen Notenbank bei den Zinserhöhungen drosseln. Die nächste Fed-Sitzung findet am Dienstag statt. Seit Juni 2004 wurde die Zinsschraube zehnmal auf zuletzt 3,5 Prozent angezogen.

Bis Jahresende dürfte die Rendite der zehnjährigen Treasuries, eine Benchmark für Fremdkapitalkosten und Hypothekenkredite, auf 4,48 Prozent sinken, lautet die Konsensprognose der 22 Primärhändler, die amerikanische Staatsanleihen direkt mit der Federal Reserve handeln. Am Montag dieser Woche rentierten die Papiere mit 4,26 Prozent. Am 8. August lag die Schätzung für das Jahresende bei 4,63 Prozent.

Verbrauchervertrauen ist deutlich abgetaucht

Die teuerste Naturkatastrophe in der amerikanischen Geschichte hat das Verbrauchervertrauen auf den tiefsten Stand seit dem Jahr 1992 gedrückt und Volkswirte veranlaßt, ihre Wachstumsprognosen zu senken. Vier der 22 Primärhändler, darunter UBS Securities LLC, rechnen nicht damit, daß die Fed die Zinsen am Dienstag weiter anhebt. Das ist die erste Meinungsverschiedenheit seit Mai.

„Mit Katrina ist das Potential für niedrigere Zinsen gestiegen“, sagt Gerald Zukowski, stellvertretender Chefvolkswirt von Nomura Securities International in New York. „Wenn die Fed eine Pause einlegt, gibt es weniger Gründe für den Anstieg der Renditen.“ Nomura sieht die Rendite der zehnjährigen amerikanischen Staatspapiere zum Jahresende bei 4,25 Prozent, verglichen mit der August- Schätzung von 4,6 Prozent. Die Renditeprognosen der 22 Primärhändler für den Stand zum Jahresende reichen von 4,0 Prozent bis 5,0 Prozent.

In der vergangenen Woche verzeichneten zehnjährige Treasuries den größten Renditesprung seit März, angetrieben von Befürchtungen, daß sich die Inflation beschleunigt. Die Erzeugerpreise im Raum Philadelphia sind diesen Monat so stark gestiegen wie seit mehr als 30 Jahren nicht mehr, berichtete die Notenbank von Philadelphia. „Die Dinge sind unsicherer geworden“, sagt Kevin Logan, leitender Marktökonom von Dresdner Kleinwort Wasserstein in New York. Die Investmentbank sieht die Rendite der zehnjährigen Papiere am Jahresende bei 4,1 Prozent und rechnet damit, daß die Fed die Zinsen am Dienstag auf 3,75 Prozent anhebt.

Es gibt auch „Zinspessimisten“

„Vor Katrina waren wir auf einem sehr nachhaltigen Wachstumspfad, und wir werden auch zu diesem nachhaltigen Tempo zurückfinden, sobald wir das alles überstanden haben“, sagt Glenn Haberbush, Volkswirt bei Mizuho Securities USA. Im vierten Quartal dürfte die amerikanische Wirtschaft mit 3,1 Prozent wachsen, schätzen Volkswirte, die Bloomberg vom 31. August bis 8. September befragt hat. Seit neun Quartalen liegt die Wirtschaftswachstumsrate auf Jahresbasis über drei Prozent.

„Der Markt wird überrascht sein, wenn wir gegen Jahresende bei 4,25 Prozent Leitzinsen angelangt sind, dabei wird das noch lange nicht das Ende der Fahnenstange sein“, sagt Stephen Stanley, Chefvolkswirt von RBS Greenwich. „Das wird sich auch massiv in den Renditen widerspiegeln.“ RBS hat mit 4,9 Prozent eine der höchsten Renditeprognosen. Einig sind die 22 Primärhändler darin, daß die Fed die Zinsen bis Jahresende auf mindestens 3,75 Prozent anhebt. Acht Anleihehändler sehen die Leitzinsen sogar bei 4,25 Prozent. Nach der Entscheidung am Dienstag bleiben noch zwei Sitzungen in diesem Jahr, und zwar am 1. November und 13. Dezember.

Quelle: Bloomberg
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