Rentenmärkte

Ausländische Anleger - weniger Appetit auf Treasuries

14.11.2005
, 15:38
Ein steigender Finanzierungsbedarf macht die Vereinigten Staaten abhängiger von ausländischen Anlegern, gleichzeitig geht jedoch das Interesse an amerikanischen Staatspapieren zurück. Auf diese Weise steigen die Finanzierungskosten.

Ein steigender Finanzierungsbedarf macht die Vereinigten Staaten abhängiger von ausländischen Investoren, gleichzeitig geht jedoch das Interesse der Anleger an amerikanischen Staatspapieren zurück. In diesem Jahr haben Investoren aus dem Ausland nur 14 Prozent der Neuemissionen von zehnjährigen Treasuries im Gesamtvolumen von 79 Milliarden Dollar gekauft, nach 21 Prozent im vergangenen Jahr, zeigen offizielle Zahlen.

Der Nachfragerückgang dürfte die Renditen der Treasuries auf den höchsten Stand in diesem Jahr treiben. Das würde höhere Kapitalkosten für das Haushaltsdefizit von 319 Milliarden Dollar bedeuten. Im ersten Quartal des Jahres 2006 wollen die Vereinigten Staaten die Rekordsumme von 171 Milliarden Dollar am Kapitalmarkt aufnehmen, um den Wiederaufbau nach den Hurrikans „Katrina“ und „Rita“ zu finanzieren.

„Es gibt bei den Renditen noch Spielraum nach oben“

„Ich würde noch abwarten, bevor ich kaufe, denn es gibt bei den Renditen noch Spielraum nach oben“, sagt Masayuki Yoshihara, Portfoliomanager bei Sumitomo Life Insurance. Die Anleger „sind derzeit zurückhaltend, weil die Renditen so schnell steigen“, führt er aus. Zehnjährige Treasuries rentierten am 4. November mit 4,68 Prozent, verglichen mit 3,98 Prozent am 1. September. Am Montag lag die Rendite der Benchmarkanleihen bei 4,54 Prozent, zeigen Daten von Cantor Fitzgerald LP.

Bild: FAZ.NET

Vom Emissionsvolumen von 218 Milliarden Dollar bei zweijährigen amerikanischen Anleihen haben ausländische Investoren in diesem Jahr etwa 21 Prozent gekauft, nach 31 Prozent im vergangenen Jahr, zeigen Daten des amerikanischen Finanzministeriums. Bei fünfjährigen Anleihen, bei denen ein Volumen von154 Millionen Dollar auf den Markt kam, liegt der Anteil ausländischer Käufer bei 21 Prozent, nach 30 Prozent im Vorjahr.

Bei den Zahlen sind die Ergebnisse der Treasury-Auktionen in der vergangenen Woche noch nicht berücksichtigt, sie werden erst im Dezember veröffentlicht. Sogenannte indirekte Bieter, eine größere Gruppe, zu der neben institutionellen Investoren aus Amerika auch ausländische Zentralbanken und Investoren aus dem Ausland gehören, haben 34,9 Prozent der angebotenen Anleihen erworben. In der gleichen Periode des Vorjahres lag ihr Anteil noch bei 47,4 Prozent.

„Käufe aus dem Ausland sind eine wichtige Nachfragequelle für Treasuries und der Markt macht sich Sorgen, daß es Anzeichen für ein Abflauen gibt“, erläutert Joseph Di Censo, Anleihestratege bei Lehman Brothers Inc. in New York. „Das würde den Renditen natürlich Auftrieb geben. Das Finanzministerium wird immer in der Lage sein, das Haushaltsdefizit zu finanzieren, die Frage ist nur, zu welchen Kosten.“

In diesem Jahr haben Anleger aus dem Ausland ihre Positionen bei Treasuries um neun Prozent erhöht, verglichen mit einem Anstieg von mehr als 23 Prozent in jedem der vergangenen beiden Jahre. Der aktuelle Anstieg ist der geringste seit 2001, als die Nettokäufe um 2,45 Prozent zulegten.

Bei steigenden Zinsen sind Treasuries nicht mehr sonderlich attraktiv

Japan, der größte ausländische Investor in amerikanischen Staatsanleihen, hat seine Position in Treasuries von 699,4 Milliarden Dollar im August 2004 auf 684,5 Milliarden Dollar im August dieses Jahres zurückgeschraubt, zeigen die aktuellen Daten des amerikanischen Finanzministeriums. Am Mittwoch wird der Treasury International Capital Report für September veröffentlicht. Volkswirte erwarten laut einer Bloomberg-Umfrage, daß sich die Nettokäufe von amerikanischen Wertpapieren von 91,3 Milliarden Dollar im August auf 70 Milliarden Dollar verringert haben.

Ausländische Anleger hielten per August Treasuries im Volumen von 2,06 Billionen Dollar, das ist rund die Hälfte des gesamten handelbaren Volumens. Vor drei Jahren lag ihr Anteil noch bei 40 Prozent, im Jahr 2000 betrug er 34 Prozent. Anleihestrategen sehen in den ausländischen Investoren den Grund, warum die Renditen in Amerika nur moderat gestiegen sind, während das Haushaltsdefizit in dem am 30. September beendeten Fiskaljahr ein Rekordhoch von 412,8 Milliarden Dollar erreichte und die Federal Reserve Bank die Zinsen zwölfmal erhöhte. Seit 2002 haben die Käufe aus dem Ausland die Rendite zehnjähriger Treasuries um 0,19 Prozentpunkte gedrückt, rechnet die Banc of America vor.

Vor dem Hintergrund einer anziehenden Inflation und weiterer erwarteter Zinsanhebungen der amerikanischen Notenbank sind Investments in amerikanische Staatsanleihen jedoch kaum noch attraktiv, erklärt Don Quigley, Co-Manager des Julius Baer Total Return Bond Fund in New York, der auf ein Volumen von 209 Mill. Dollar kommt. „Im Ausland gibt es bessere Gelegenheiten“, sagt Quigley. „Die Fed wollte schneller als die Inflation werden und das auch bleiben. Wir werden höhere Renditen bekommen.“

Quelle: Bloomberg
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