Rentenmärkte

Mit Schwellenländer-Anleihen läßt sich Geld verdienen

06.09.2004
, 17:52
Mit Anleihen von Schwellenländern ließ sich seit Jahresbeginn mehr verdienen, als an mancher Börse. Sollte die Aktienrally weiter auf sich warten lassen, könnte das so weitergehen. Ausbleibende Turbulenzen vorausgesetzt.
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Hatte das vergangene Jahr auf Grund der ausgezeichneten Börsenentwicklung wieder einige Anleger auf den „Aktiengeschmack“ kommen lassen, so dürften sei im laufenden Jahr zumindest bisher enttäuscht sein. Denn wer sich beispielsweise zu Jahresbeginn einen Aktienfonds ins Depot gelegt hat, der sich streng am Dax orientiert, hat nicht nur den eventuell angefallenen Ausgabeaufschlag verloren, sondern auch ein Minus von knapp 5,6 Prozent verbucht.

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Wer sich dagegen eine Bundesanleihe mit einer Restlaufzeit von zehn Jahren ins Depot legte kann in der Zwischenzeit trotz aller Kursturbulenzen und der Gefahr steigender Zinsen und Renditen auf ein leichtes Plus von knapp 1,8 Prozent zurückblicken.

Schwellenländeranleihen verbuchen eindrucksvolle Renditen

Satte Kursgewinne ließen sich in derselben Zeit nicht nur an manchen Nebenbörsen wie Ägypten, Kolumbien, Island, Australien oder Ungarn verbuchen, sondern auch an den Rentenmärkten der Schwellenländer. Orientiert man sich an entsprechenden Indizes von JPMorgan Chase, dann schnitten vor allem jene Anleger hervorragend ab, die trotz aller Widrigkeiten auf argentinische Anleihen gesetzt haben. Mit einer bisherigen Rendite von etwas mehr als 17 Prozent in Euro gerechnet schnitten sie besser ab, als so mancher Aktionär.

Bild: FAZ.NET

Deutliche positive Renditen von bis zu 14 Prozent ließen sich im bisherigen Jahresverlauf auch mit Anleihen aus Venezuela, Nigeria, Ekuador, Kolumbien, Bulgarien, Ägypten, Panama, Mexiko, Polen und den Philippinen erzielen. Dabei dürfte der Kauf solcher Papiere oder entsprechend anlegender Fonds nicht immer so riskant sein, wie das extrem heiße Spiel mit argentinischen Anleihen. Denn dort weigert sich die Regierung trotz einer wirtschaftlichen Erholung stur, Privatanlegern eine vernünftige Lösung für die Bedienung der ausstehenden Anleihen zu machen. Das Land ist insolvent und spielt diese Lage gegen seine Gläubiger schamlos aus.

Auch mit Blick auf Länder wie Venezuela und Nigeria dürften die politischen Risiken nicht ganz unbeachtlich sein. Dagegen gibt es immer wieder überraschend positive Entwicklungen, beispielsweise in Kolumbien oder auch Bulgarien. Sie sind in der Regel in jenen Staaten zu finden, die eine vernünftige Wirtschafts- und Strukturpolitik einschlagen und sich auf diese Weise mittel- bis längerfristig Wachstumschancen eröffnen. Bei Bulgarien dürfte unter anderem die mittelfristige Perspektive auf einen EU-Beitritt eine Rolle spielen. Denn um das Ziel zu erreichen, muß das Land bestimmte ökonomische Kriterien erfüllen - was einen gewissen Konvergenzprozeß auslöst.

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Risikostreuung erforderlich

Grundsätzlich sollten Anleger allerdings bei solchen Renditevergleichen immer auch die wichtigen Einzelelemente im Blick behalten: die Kursentwicklung der Anleihen, die Höhe des jeweiligen Zins- und Renditeniveaus und die Währungsseite. Dabei bestechen Anleihen in Schwellenländern zunächst oft einmal durch die Höhe des gezahlten Kupons. Kommt dazu eine nachhaltig positive ökonomische Entwicklung, so gehen unter Umständen auch die Zinsen nach und nach zurück und führen zu steigenden Kursen. Nicht selten stabilisiert oder stärkt sich in einem solchen Prozeß auch die Währung des entsprechenden Landes.

Insgesamt dürften die Anleihen der Schwellenländer weiterhin interessant bleiben. Zumindest so lange die Zinsen in den Industriestaaten noch vergleichsweise tief sind und solange an den Finanzmärkten keine größeren Turbulenzen auftreten. Gleichzeitig dürfte es allerdings wichtig sein, das Gesamtengagement in dieser Anlagekategorie zu begrenzen und die Einzelrisiken zu streuen. Denn sobald die Entwicklung in einem Staat außer Kontrolle geraten sollte, dürften dessen Papier massiv unter Druck geraten. Ähnliches dürfte für die gesamte Anlageklasse gelten, wenn die Risikoneigung der Anleger deutlicher zurückgehen sollte.

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Quelle: @cri
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