Rentenmarkt

Anleihe-Guru Gross sieht höhere Zinsen „eingepreist“

14.09.2004
, 07:53
Bill Gross, Fondsmanager des größten Anleihefonds der Welt, sieht den amerikanischen Leitzins nicht so schnell steigen, wie manche Strategen. Die diesjährige Zinsrunde sei in den Kursen schon enthalten, denkt er.
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Für Bill Gross, Fondsmanager des größten Anleihefonds der Welt, spiegelt die Rendite zehnjähriger amerikanischer Staatsanleihen bereits die Erwartung auf mindestens eine Zinserhöhung durch die amerikanische Notenbank bis zum Jahresende wider.

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"Bei 4,15 Prozent ist das vollkommen eingepreist", sagte Gross, der für die Allianz-Tochter Pacific Investment Management Co. den 74 Milliarden Dollar schweren Total Return Fund verwaltet. Dabei geht er davon aus, daß die Federal Reserve Bank die Zinsen auf 1,75 Prozent, möglicherweise auf zwei Prozent anhebt, und dann eine Weile unverändert läßt, basierend auf einer mittelmäßigen Konjunktur. Derzeit liegt der amerikanische Leitzins bei 1,5 Prozent.

Geringe Duration in Amerika - europäische Papiere bevorzugt

Der Kurs der zehnjährigen amerikanischen Benchmarkanleihe mit einem Kupon von 4,25 Prozent stieg 1/4 oder 2,50 Dollar je 1.000 Dollar Nominalwert auf 100 25/32, zeigen Daten von Cantor Fitzgerald LP. Die Rendite ging vier Basispunkte zurück. Am 31. August hatte die Rendite mit 4,11 Prozent ein Fünfmonatstief markiert.

Gross hält nach eigenen Angaben bei Treasuris Papiere mit geringerer Laufzeit als seine Benchmark. Er zieht europäische Staatsanleihen wegen ihrer höheren Renditen vor. Zweijährige deutsche Staatspapiere rentieren mit 2,58 Prozent, das sind zehn Basispunkte mehr als vergleichbare amerikanische Treasuries.

"Verlängerte Wachstumsdelle" erwartet

Die amerikanische Wirtschaft wird im nächsten Quartal zwei bis drei Prozent wachsen, erwartet Gross. Die Abkühlung in letzter Zeit bezeichnet er als eine "verlängerte Wachstumsdelle" in Anlehnung an einen von Fed-Chairman Alan Greenspan verwendeten Ausdruck.

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Die Fed Funds September-Kontrakte weisen eine Rendite von 1,58 Prozent auf. Das deutet darauf hin, daß Händler bei der nächsten zinspolitischen Sitzung der Fed am 21. September eine Anhebung der Zinsen auf 1,75 Prozent erwarten. In diesem Jahr hat die Fed bereits zweimal die Zinsschraube fester gedreht, im Juni und August. "Das Risiko ist, steigt die Inflation und die Fed geht auf zwei Prozent geht, kann bei den Treasuries - auf Basis der zehnjährigen Papiere - ein Ausverkauf beginnen", erläuterte Gross.

Der Total Return Fund von Gross hat in den vergangenen vier Wochen 1,04 Prozent zugelegt. Damit gehört er zu den besten 28 Prozent der Fonds mit einer ähnlichen Anlagestrategie, zeigen Bloomberg-Daten. Für die vergangenen fünf Jahre kommt der Fonds auf einen jährlichen Wertzuwachs von 8,25 Prozent und damit unter die besten fünf Prozent seiner Kategorie.

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Quelle: Bloomberg
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