Rentenmarkt

Goldpreis deutet höhere Renditen an

12.10.2005
, 18:57
Die Rentenmärkte halten sich beharrlich auf hohem Niveau, obwohl der Leitzins in Amerika steigt und steigt. Sollte der Goldpreis aber ein guter Indikator für die Preisentwicklung sein, müßten die Renditen der Treasuries anziehen.

Die Stimmung an den Rentenmärkten ist uneindeutig. Auf der einen Seite steigen die Zinsen in den Vereinigten Staaten schon seit Monaten zumindest am kurzen Ende. Hintergrund sind offensichtlich Befürchtungen der Zentralbank, die Preisentwicklung insbesondere aber die Preiserwartung im Lande könnte aus der Kontrolle geraten.

Das wäre ein schlechtes Zeichen, denn genau die zunehmende Erwartung steigender Zinsen könnte zu den befürchteten Zweitrundeneffekten führen, die die Preisspirale über erhöhte Lohnforderungen und die Neigung zu raschen Preiserhöhungen weiter anheizen könnte. Ausgelöst wird sie in erster Linie durch die deutlich gestiegenen Rohstoffkosten.

Hohe Rohstoffpreise machen sich bemerkbar

Sie machen sich bedingt beim Kauf von immer mehr Produkten bemerkbar, direkt jedoch bei jeder Fahrt zur Zapfsäule oder beim Kauf von Wintervorräten für den Heizkeller. Selbst in Europa scheint sich die Zentralbank zunehmend Sorge über solche Phänomene zu machen. Nicht umsonst hat sie bei ihrer jüngsten Sitzung in Griechenland die Neigung erkennen lassen, auch in Europa den Leitzins eher früher als später zu erhöhen, obwohl die Binnenkonjunktur nicht gerade rund läuft.

Auch die Entwicklung auf der Rohstoffseite kann zu denken geben. Vielfach werden die steigenden Preise mit der zunehmenden Nachfrage begründet. Denn Schwellenländer wie China oder auch Indien hätten einen ernormen Bedarf bei ihrem wirtschaftlichen Aufholprozeß hin in Richtung westlicher Lebensstandards. Solche Argumente klingen einleuchtend.

Allerdings müssen sie nicht die ultima ratio sein. Denn Rohstoffe können auch gekauft werden, weil sich Anleger Sorgen machen über die weltweit völlig überzogenen Geldmengen und den relativ geringen Wert der Geldscheine an sich. Sprich: Sie wollen lieber etwas Handfestes in den Händen und Depots haben, als virtuelles Geld, das insbesondere in seiner „grünen Form“ des Dollars allzu flüchtig erscheint.

Mit aus diesem Grund hat der Goldpreis in den vergangenen vier Jahren gegen den Dollar deutlich angezogen und ist in den vergangenen Wochen sogar auch noch gegen den Euro nach oben ausgebrochen. Waren im Februar des Jahres 2001 noch 253,85 Dollar nötig, um eine Unze Gold kaufen zu können, so sind dafür inzwischen 475,80 Dollar nötig. Das ist ein Plus von etwas mehr als 87 Prozent. In Euro gerechnet ist die Entwicklung nicht ganz so eindrucksvoll, aber ebenso eindeutig.

Gold im Vergleich zu Öl und Rentenmärkten noch günstig

Interessanter ist jedoch der Vergleich des Goldes mit dem Ölpreis oder auch mit den Rentenmärkten. Der erste zeigt, daß das Gold im Verhältnis zum Öl noch deutlich unterbewertet ist. Der zweite zeigt, daß Goldpreis und die Rendite amerikanischer Treasuries lange Jahre schön parallel liefen. Im Jahr 2002 kam es jedoch zu einer Entkoppelung. Denn während der Goldpreis stieg, sind die Renditen erstaunlich tief geblieben. Das ist eine eher ungewöhnliche Entwicklung.

Entweder sendet der Goldpreis falsche Signale oder aber die Anleger an den Rentenmärkte interpretieren die Entwicklung an der „internationalen Preisfront“ falsch. Sollte das der Fall sein, so müßten die Anleihen deutlich nachgeben und die Renditen nach oben senden. In diesem Sinne dürfte es ratsam sein, die weitere Entwicklung an den Rentenmärkten genau zu beobachten und sich möglicherweise gegen Kursverluste abzusichern.

Dabei sollte man allerdings nicht verkennen, daß es auch Gegenargumente gibt. Die Analysten von BCA Research fürchten zum Beispiel eine schwächere Konjunktur in Amerika. Sie könne zusammen mit strukturell deflationär wirkenden Mechanismen sogar zu einer Rally am Rentenmarkt führen, denken sie. Eine gesunde Portion Pragmatismus kann also keinesfalls schaden.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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