Rentenmarkt

Heraufstufung Brasiliens bestätigt Boom der Anleihen

10.09.2004
, 16:41
Kursverlauf der brasilianischen Dollaranleihe, Laufzeit 17.8.2040, Kupon 11 Prozent, aktuelle Rendite 9,73 Prozent (10.9.04)
Die brasilianischen Anleihen haben sich von ihrem Zwischentief erholt. Die Kursgewinne werden durch eine Bonitätsverbesserung durch Moody's bestätigt. Anleger sollten bei aller Euphorie aber die Risiken im Auge halten.
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Die Schwellenländer nutzen die durch den Boom ihrer Anleihen vergleichsweise tiefen Renditen aus und bringen neue Emissionen an den Markt. So hat die Türkei 600 Millionen Euro für ein fünfjähriges Papier eingenommen, die sehr wahrscheinlich einen Preis haben wird, der zu einer Rendite von 5,75 Prozent führen wird. Im Januar des vergangenen Jahres hatte man für Papiere der gleichen Laufzeit noch eine Rendite von etwas mehr als zehn Prozent akzeptieren müssen.

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Das Land profitiert unter anderem von einer verbesserten Kreditwürdigkeit. Standard & Poor's hatte das Rating im vergangenen Monat von BB+ auf BB- angehoben. Hintergrund sind Pläne, eine neue Finanzierungsrunde mit dem Internationalen Währungsfonds abzuschließen und nicht zuletzt auch denkbare Gespräche über einen EU-Beitritt. Auch wenn der noch nicht unmittelbar absehbar sein dürfte, tut das Land einiges, um sich zumindest in die richtige Richtung zu bewegen. Die Rendite der bis ins Jahr 2030 laufenden Benchmarktanleihe ist in den vergangenen vier Monaten von 10,7 auf 8,2 Prozent gefallen.

Bonitätseinstufung Brasiliens von „B2“ auf „B1“ angehoben

Ähnlich sieht die Entwicklung in Brasilien aus. Erstmals seit dem Jahr 2000 hat Moody's Investors Service die Bonitätseinstufung Brasiliens von „B2“ auf „B1“ angehoben. Die Ratingagentur begründete den Schritt mit dem kräftigen Exportwachstum, das dem Land mehr harte Devisen zur Bedienung der Auslandsanleihen einbringt. Damit die Bonität des Landes auf einer Stufe mit der Türkei und Jamaika und vier Stufen unter der Investment-Grade-Kategorie. Mit der Heraufsetzung bewertet Moody's die Papiere auf der gleichen Stufe wie Standard & Poor's, die ein "B+" vergeben hat.

Die Bonitätsverbesserung unterstreicht die Konjunkturerholung in Südamerikas größter Volkswirtschaft. Das Anlegervertrauen, daß die Regierung ihren Anleiheverbindlichkeiten von 400 Milliarden Dollar nachkommt, wird dadurch zumindest vorerst gestärkt. Rekordexporte verhalfen der Wirtschaft zu einem Wachstum von 5,7 Prozent im zweiten Quartal. Das ist für Brasilien die höchste Wachstumsrate seit 1996. "Sie schauen natürlich auf die Verwundbarkeit an der Außenflanke. Die ist aber gesunken, und das bestätigen sie mit dem besseren Rating," sagte Claudia Calich, Fondsmanagerin bei Invesco in New York gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg.

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Neuemission in Euro überzeichnet

So dürfte es kaum verwundern, daß die jüngste Neuemission des Landes - ein achtjähriges Papier im Volumen von 750 Millionen Euro mit einer Emissionsrendite von 8,7 Prozent - deutlich überzeichnet wurde. Sie dient der Ablösung fälliger Auslandsanleihen. Bei seiner letzten Euro-Emission im Jahr 2002 mußte Brasilien noch eine Rendite von 11,5 Prozent bieten.

Der Kurs der brasilianischen Benchmark-Anleihe mit Fälligkeit im Jahr 2040 hatte ausgehend von einem Tief im September des Jahres 2002 bei einem Kurs von 42,7 Prozent im Januar des laufenden Jahres nach einer sagenhaften Rally ein Hoch bei 119,55 Prozent erreicht, und liegt aktuell nach einer deutlichen Zwischenkorrektur bei 108,5 Prozent. Seit dem jüngsten Zwischentief im Mai hat sie etwas mehr als 32 Prozent an Wert gewonnen. Da der Konjunkturaufschwung an Tempo gewann, hatten Anleger bereits auf eine Ratingverbesserung spekuliert.

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Kritische Betrachtung der Trends notwendig - Risiken sind beachtlich

Aus diesem Grund ist eine gewisse Vorsicht angebracht. Denn einerseits mehren sich, daß die Konjunkturerholung in Brasilien weiter an Dynamik gewinnt, was die Steuereinnahmen des Staates beflügeln würde. So ist die Industrieproduktion im Juli gegenüber dem Vorjahresmonat um 9,6 Prozent gestiegen, nach einem Plus von 13 Prozent im Juni. Auf der anderen Seite zieht allerdings die Inflation deutlich an. Sie lag im August auf Jahresbasis bei 7,2 Prozent, nach 6,8 Prozent im Juli. Die Zentralbank hatte im vergangenen Monat angedeutet, daß sie den Leitzins zum ersten Mal seit einem Jahr anheben könnte. Das könnte die Anleger etwas vorsichtiger machen.

Auf der anderen Seite scheinen die Zinsen in Amerika nicht so schnell zu steigen, wie vielfach befürchtet. Das wiederum könnte den Drang zu höhere rentierlichen Anlagen - zum Beispiel den Schwellenländeranleihen - wieder verstärken. Damit sollten Anleger auf die Trends achten, um unter Umständen rasch reagieren zu können. Grundsätzlich sind die Risiken solcher Papiere deutlich höher, als bei Staatsanleihen der industrialisierten Länder. Denn das Land hat seine eigenen Strukturprobleme alles andere gelöst und profitiert in erster Linie von vorteilhaften Entwicklungen in der Weltwirtschaft. Sollte die Konjunktur in Amerika trotz allem Optimismus - und die Risiken sind angesichts der vorherrschenden makroökonomischen Ungleichgewichte und der auslaufenden Impulse beachtlich - dürfte es auch an diesen Märkten zu massiven Kursverlusten kommen. Auch wenn es momentan nicht so aussieht.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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