Rentenmarkt

Starke Nachfrage nach Anleihen mit Inflationsschutz

16.06.2004
, 16:29
Die Innovation der inflationsgeschützten Anleihe steht bei Anlegern hoch im Kurs. Frankreich bringt am Donnerstag ein solches Papier heraus. Für Privatanleger lohnen sich solche Titel aber nur unter bestimmten Umständen.
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Anleger haben in diesem Jahr ihre Positionen in inflationsgeschützten Anleihen mehr als verdoppelt. Das berichtet State Street Global Advisors, die Nummer Eins weltweit bei der Vermögensverwaltung für institutionelle Investoren. Frankreich greift diesen Trend auf und begibt am Donnerstag eine weitere Anleihe mit Inflationsschutz, auch Inflation-Linked-Bonds (ILB) genannt. Bisher sind schon sechs solcher Papiere zu haben, die der französische Staat auf den Markt gebracht hat. Hinzu kommen zwei italienische ILB und ein entsprechendes griechisches Papier. Das Bundesfinanzministerium plant die Ausgabe für 2005.

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"Die Anleger sind äußerst begierig auf inflationsindexierte Anleihen", erklärte Sean Flannery, bei State Street für Anleihe- und Geldmarktinvestments weltweit zuständig, in einem Interview mit Bloomberg News am Rande des Euromoney Global Borrowers & Investors Forum in London. "Bei meinen Reisen bin ich auf der ganzen Welt von allen großen institutionellen Investoren nach inflationsindexierten Anleihen gefragt worden."

Eine Frage der Inflationserwartung

Flannery kalkuliert, daß State Street für ihre Kunden rund sieben Milliarden Dollar in inflationsgeschützten Papieren angelegt hat, verglichen mit drei Milliarden Dollar im vorigen Jahr. Insgesamt verwaltet State Street 1,2 Billionen Dollar. "Wenn sich jemand gegen Inflation absichern wollte, lautete früher die Antwort: Aktien - inzwischen wissen wir, daß das nicht stimmt. Und mit Gold hat es auch nicht funktioniert, daher machen inflationsgeschützte Anleihen Sinn", erläuterte er. "Damit wird man sicherlich nicht reich, aber wenn sich jemand wegen der Inflation Sorgen macht, sind die Anleihen sinnvoll."

Johannes Rudolph, Anleihe-Analyst bei HSBC Trinkaus & Burkhardt, verweist auf die Inflationserwartung. Bevor ein Anleger zu einem ILB greife, müsse er sich eine Meinung über den Preisauftrieb in den nächsten Jahren bilden. Denn die an bestimmte Inflationsindizes gekoppelte Finanzinnovation lohne sich im Vergleich zu üblichen Staatsanleihen nicht, wenn sich der Preisauftrieb im Rahmen halte und das bei zwei Prozent liegende Inflationsziel der Europäischen Zentralbank nicht deutlich überschreite.

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Je höher die Inflation, desto attraktiver sind ILB

Der Analyst erläuterte seine Meinung im Gespräch mit FAZ.NET anhand von Beispielen zweier französischer Anleihen: einer inflationsgeschützten mit Fälligkeit 2020 und eines ein Jahr zuvor auslaufenden herkömmlichen Schuldtitels. Dabei gilt bei inflationsgeschützten Titeln folgendes Prinzip: Kupons und Rückzahlungsbetrag enthalten eine variable Komponente, die von der Inflationsentwicklung abhängt. Steigt das Preisniveau, so muß der Emittent sowohl entsprechend höhere Kupons als auch einen höheren Endbetrag auszahlen. Umgekehrt fällt im Fall der Deflation der Rückzahlungsbetrag wie der Kupon.

Die 2020 fällige Anleihe mit einem Kupon von 2,25 Prozent rentiere mit 2,24 Prozent, wobei von einer Inflationsrate von Null ausgegangen wird. Wenn der Preisauftrieb zwei Prozent betrage, steige die Rendite auf 4,28 Prozent für die gesamte Laufzeit. Bei diesem vor fünf Monaten begebenen Titel sei bisher eine Inflation von 1,6 Prozent aufgelaufen. Der herkömmliche Titel komme derzeit auf eine Rendite von 4,70 Prozent bei einem Kupon von 4,25 Prozent und einem Kurswert von 95,3 Prozent.

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Steuerrechtliche Gesichtspunkte ebenfalls zu beachten

Daraus folgt ein Renditevorsprung von gut 2,4 Prozent zugunsten der 2019 auslaufenden und ungeschützten Anleihe. Wenn ein Anleger nun nicht glaube, daß die Inflation bis 2020 den Wert von 2,4 Prozent mehr oder weniger deutlich übersteigen werde, sollte er folglich die Finger von der inflationsgeschützten Anleihe lassen. Denn in diesem Fall werde die Renditesteigerung durch den Inflationsschutz den Renditevorsprung der herkömmlichen Anleihe nicht wettmachen.

Zu beachten sind nach den Worten von Rudolph auch steuerrechtliche Gesichtspunkte. Da es sich bei inflationsgeschützten Anleihen eben um Finanzinnivationen handele, müsse der Anleger nicht nur die Zinszahlungen grundsätzlich versteuern, sondern auch die Kursgewinne durch Inflationsausgleich. Hier spiele der persönliche Steuersatz über die Jahre der gesamten Zeit, in der ein Anleger eine solche Anleihe hält, eine Rolle. Investoren müssen sich also nicht nur eine Meinung über den künftigen Preisauftrieb bilden, sondern auch überlegen oder vorrechnen lassen, ob sich inflationsgeschützte Staatstitel steuerlich für sie lohnen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @thwi mit Bloomberg
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