Rentenmarkt

Tschechische Anleihen verlieren nach überraschender Zinserhöhung

27.10.2005
, 18:00
Tschech. Anleihe, 23.6.14., 4 5/8% Kupon
An den Märkten spukt in jüngster Zeit das Inflationsgespenst und bringt Börsen und vor allem auch die Rentenmärkte in die Defensive. Die Marktstimmung dürfte durch eine überraschende Zinserhöhung in Tschechien verstärkt werden.
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An den Märkten spukt in jüngster Zeit das Inflationsgespenst und bringt Börsen und vor allem auch die Rentenmärkte in die Defensive. Denn steigende Preise müssen früher oder später mit steigenden Zinsen gekontert werden, um die Entwicklung nicht aus dem Ruder laufen zu lassen.

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Steigende Zinsen sind jedoch unter normalen Umständen nicht sonderlich gut für Aktien, da sie ihre Bewertung steigern, und vor allem auch nicht für Anleihen. Aus diesem Grund fragen sich die Anleger gespannt, wie weit die amerikanische Zentralbank den Leitzins noch anheben wird. Gleichzeitig spitzen sie aber auch jedesmal die Ohren, wenn sich europäische Zentralbanker zur wirtschaftlichen und Preisentwicklung in Europa äußern.

Überraschende Zinserhöhung in Tschechien

Immerhin hatten sie in den vergangenen Tagen und Wochen mehrfach ihre Sorge über die Preisentwicklung in Europa zum Ausdruck gebracht. Die europäische Inflationsrate ist rasch über die angestrebte Obergrenze von zwei Prozent gestiegen. Diese Entwicklung läßt die Vermutung aufkommen, die Europäische Zentralbank könnte eher früher als später den Leitzins erhöhen.

Bild: FAZ.NET

Das hat in den vergangenen Tagen zu Kursverlusten beim Bund-Future gesorgt. Auch am Donnerstag befindet er sich wieder in der Defensive. Die entsprechende Marktstimmung dürfte durch eine überraschende Zinserhöhung in Tschechien verstärkt werden. Denn die Zentralbank des Landes hat ihren bisher rekordniedrigen Leitzins überraschend um einen Viertelprozentpunkt auf zwei Prozent angehoben. Es ist die erste Zinserhöhung in Osteuropa seit August Jahres 2004. Auf diese Weise wollen die tschechischen Währungshüter die Inflation bremsen.

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Der „Überraschungseffekt“ läßt sich daran ablesen, daß von 30 von der Nachrichtenagentur Bloomberg am 30. September befragten Volkswirten keiner mit einer Zinserhöhung gerechnet hat. Sie dürften dadurch irritiert worden sein, daß die Notenbank die Leitzinsen im laufenden Jahr dreimal gesenkt hatte. Zuletzt auf ein historisches Tief bei 1,75 Prozent am 28. April.

Mit der Zinserhöhung nun reagiert die Zentralbank nun auf die durchschlagende Wirkung der hohen Energie- und Rohstoffkosten. Die hohen Öl- und Gaspreise trieben die Inflation im September auf 2,2 Prozent auf Jahresbasis. Im nächsten Jahr dürfte die Teuerungsrate auf drei Prozent ansteigen, erwartet Jiri Skop als Ökonom bei Komercni Banka. „Der Anstieg bei staatlich festgelegten Preisen und Energiekosten dürfte sich in den Inflationserwartungen niederschlagen“, erklärte Skop. „Der Markt erwartet, daß die Europäische Zentralbank die Zinsen anheben wird und die Tschechische Nationalbank will nicht ins Hintertreffen geraten.“ Mit zwei Prozent liegt der tschechische Satz jetzt auf gleicher Höhe mit dem Leitsatz in der Eurozone.

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Rentenmarkt in der Defensive - Devisen und Börse zeigen sich robust

Die Zinsanhebung entspreche der neuen Inflationsprognose der Zentralbank, sagte Notenbankchef Zdenek Tuma. In ihrer aktuellen Prognose warnt die tschechische Zentralbank vor den Auswirkungen höherer Treibstoffkosten auf die Wirtschaft. Für September des Jahres 2006 erwartet die Notenbank nun eine Teuerungsrate von drei Prozent bis 4,4 Prozent, im März des Jahres 2007 dürfte die Rate zwischen 2,3 Prozent und 3,7 Prozent liegen. Allerdings dürften solche Prognosen mit einer gewissen Vorsichtzu genießen sein, denn in solchen Zeiträumen kann einiges dazwischenkommen.

Der tschechische Rentenmarkt reagierte mit Kursverlusten auf die Entscheidung. Die bis ins Jahr 2014 laufende Staatsanleihe mit einem Kupon von 4 5/8 Prozent verlor alleine am Donnerstag 68 Stellen auf 108,90 Prozent. Die Rendite stieg von 3,231 auf 3,416 Prozent. Damit liegt sie etwa auf dem Niveau deutscher Papiere mit einer vergleichbaren Laufzeit. Das dürfte die tschechischen Papiere aufgrund des fehlenden Spreads und auch aufgrund der gegenwärtigen Preisentwicklung nicht sonderlich attraktiv machen.

Dagegen legte die Währung gegen den Euro leicht zu. Sie befindet sich mit 69,70 Kronen je Euro unweit des im Jahr 2002 erreichten Rekordhochs von 28,85 Kronen je Euro. Auch die tschechische Börse zeigt sich robust. Sie legte am Donnerstag in einem eher schwachen internationalen Umfeld 0,55 Prozent zu auf 1.355,6 Punkte im PX-50-Index. Und das, obwohl die Aktien des Landes mit einem Kurs-Gewinnverhältnis von 26,7 und einer Dividendenrendite von gerade einmal 1,72 alles andere als günstig sind.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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