Staatsanleihen

Entschleunigung an den Finanzmärkten

Von Gerald Braunberger
18.07.2012
, 14:21
Gemach, gemach: An den Anleihemärkten kehrt wieder ein gemütlicheres Tempo ein.
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Die Märkte für europäische Staatsanleihen haben sich beruhigt, die Renditen von französischen, belgischen und österreichischen Rentenpapieren sind stark zurückgegangen. Die Sommerferien und der Libor-Skandal lassen kritische Marktkommentare verstummen.
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Obwohl das Bundesverfassungsgericht erst im September eine Entscheidung fällen will, herrscht Ruhe und Entspannung an den meisten europäischen Finanzmärkten. Im Norden der Währungsunion und in Frankreich erreichen die Renditen von Staatsanleihen immer neue Tiefststände. Davon profitierte auch der Bund: Bei der Aufstockung einer zweijährigen Schatzanweisung errechnete sich eine negative Rendite von 0,06 Prozent. Besonders stark sind in den vergangenen Tagen die Renditen von Staatspapieren aus Frankreich, Belgien und Österreich zurückgegangen - also von drei Ländern, die zwar im Prinzip als erstklassige Schuldner angesehen werden, aber auch als etwas weniger erstklassig als Deutschland, Finnland oder die Niederlande. In der Folge haben sich die Renditeabstände zwischen diesen Ländern und Deutschland verringert. Der Abstand zwischen deutschen und französischen zehnjährigen Staatsanleihen erreichte am Dienstag mit 83 Basispunkten seinen niedrigsten Stand seit Oktober 2011. Die niedrigsten Renditen hat in Europa aber unangefochten nach wie vor die Schweiz.

Rendite zweijähriger Staatspapiere (18.07.2012, 12 Uhr)
Land Kursentwicklung
Schweiz -0,594
Dänemark -0,374
Deutschland -0,063
Finnland -0,037
Niederlande -0,027
Österreich 0,029
Frankreich 0,101
Großbritannien 0,162
Belgien 0,249
Schweden 0,762
Quelle: Bloomberg

In der Peripherie kann zwar von Entspannung nicht wirklich die Rede sein, allerdings ist auch keine Zunahme der Unsicherheit zu beobachten. Italienische Zehnjährige rentierten am Mittwoch mit 5,95 Prozent, spanische Zehnjährige mit 6,74 Prozent.

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Krisenprediger haben Sommerpause

Nicht nur die Renditen von Staatsanleihen fallen, sondern auch die Preise für Kreditausfallderivate (CDS) auf Staatsanleihen. So beträgt der Preis für einen CDS auf eine fünfjährige Bundesanleihe nur noch 75 Basispunkte gegenüber 100 Basispunkten am 6. Juli. Auch die CDS-Preise aus anderen Kernstaaten der Währungsunion sind in der jüngeren Vergangenheit gefallen. In Spanien und Italien verharren sie auf einem hohen Niveau.

Die Zahl der kritischen Marktkommentare hat ebenfalls abgenommen. Hierfür dürften zum einen die Sommerferien eine Rolle spielen. Hinzu kommen mag, dass angelsächsische Kommentatoren durch den Libor-Skandal in London vorübergehend abgelenkt sind. Die relative Ruhe auf den europäischen Finanzmärkten passt allerdings nicht allen Marktteilnehmern ins Konzept und nicht alle Chaosprediger befinden sich in Urlaub. Amerikanische Finanzhäuser versuchen derzeit, Geschichten zu plazieren, nach denen die jüngste Abwertung des Euro am Devisenmarkt Zeichen einer beginnenden und sehr bedeutenden Kapitalflucht aus der Währungsunion sei und eine krisenhafte Zuspitzung bevorstehe. Der jüngste Rückgang der CDS-Preise für viele Staatspapiere aus dem Euro-Raum passt allerdings nicht recht zu dieser These und kann auch nicht auf intra-europäische Manipulationen zurückgeführt werden. Zu den größten Teilnehmern an den europäischen CDS-Märkten gehören nach Angaben aus der Branche amerikanische und britische Banken und Hedgefonds.

Wie lange die Ruhe an den Märkten andauert, lässt sich nicht vorhersagen. Auch bleiben die Politik, das Bundesverfassungsgericht und die EZB sehr wahrscheinlich wichtige Einflussfaktoren: An den Märkten geht man davon aus, dass das Bundesverfassungsgericht den ESM nicht völlig scheitern lässt, der Deutsche Bundestag die Spanienhilfen passieren lässt und in Ländern wie Italien, Spanien und auch Frankreich Reform- und Sanierungspolitik betrieben wird. Wenn die Marktteilnehmer sich in ihren Erwartungen getäuscht sehen, kann es schnell wieder hoch hergehen. So sind zu Wochenbeginn die spanischen Renditen sofort gestiegen, als bekannt wurde, dass die EZB dafür eintritt, im Falle der Abwicklung einer Bank alle Gläubiger heranzuziehen.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Braunberger, Gerald
Gerald Braunberger
Herausgeber.
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