Strategie

Verkaufe amerikanische Anleihen - kaufe japanische Aktien

15.11.2005
, 16:03
Die Stimmung an den Börsen ist positiv. Die makroökonomischen Ungleichgewichte spielten keine Rolle. Sie beruhten auf einer „Ersparnisschwemme“, sagt etwa Ben Bernanke als künftiger FED-Präsident. „Anlageguru“ Marc Faber ist anderer Meinung.

Die Stimmung an den Börsen ist positiv. Trotz der zum Teil deutlichen Kursgewinnen in den vergangenen Monaten rechnen Anleger mit einer so genannten Jahresendrally. Dabei bauen sie vor allem auf die Erfahrungen der Vergangenheit, aber auch auf die in der Tendenz positive Berichterstattung in den Medien.

So sei das Wirtschaftswachstum in den Vereinigten Staaten robust und führe zusammen mit den deutlichen Wachstumsraten in den Schwellenländern - allen voran in China - zu einer nachhaltig positiven weltwirtschaftlichen Entwicklung. In diesem Umfeld wären die Unternehmen in der Lage, ihre Gewinne weiter zu steigern, was wiederum die Aktienkurse weiter nach oben bringen werde.

Die makroökonomischen Ungleichgewichte spielten keine Rolle, wird immer wieder berichtet. Denn sie seien nur das Resultat der Globalisierung und eines ausgeprägten Sparwahns in weiten Teilen der Welt. Er führe dazu, daß sich Amerika und vor allem auch die amerikanischen Konsumenten günstig refinanzieren können. Daran sei nichts schlechtes und schon gar nichts problematisches zu finden, heißt es.

Genau diese Sichtweise wird auch unterstützt von Ben Bernanke, dem künftigen Zentralbankchef in den Vereinigten Staaten. Seine Ernennung wurde vielfach begrüßt mit der Erwartung, die bisherige Geld- und Zinspolitik werde fortgesetzt werden.

Es gibt allerdings auch kritische Stimmen. Zum Beispiel jene von Marc Faber. Er ist bekannt für seine gute Nase in Bezug auf Anlagemöglichkeiten, vor allem aber auch aufgrund seiner ausgeprägten Meinungsstärke. Sie zeigt sich unter anderem in Form eines fiktiven Interviews auf seiner Web-Site www.gloomboomdoom.com, in das er seine aktuelle Meinung zu den Märkten eingebettet hat.

Ist die Ernennung von Ben Bernanke positiv für Aktien- und Rentenmärkte, heißt es dort?

Mittelfristig könnte Herr Bernanke geneigt sein, die Zinsen etwas weiter anzuziehen, als Alan Greenspan es getan hätte. Auf diese Weise könnte er versuchen, sein Image als „Gelddrucker“ zu verbessern und die Glaubwürdigkeit zu erhöhen. Das Wachstum der ausländischen Dollarreserven nimmt deswegen weiterhin ab. Das ist negativ für das weltweite Wachstum, für die Börsen in den Schwellenländern, für die Rohstoffpreise und positiv für den Dollar.

Sobald jedoch auch für die notorisch optimistische amerikanische Zentralbank deutlich wird, daß sich das amerikanische Wirtschaftswachstum aufgrund der knapperen Liquiditätsversorgung abschwächen wird, könnten die Rentenmärkte ausgehend von einer technisch etwas überkauften Situation zu einer Rally ansetzen.

Man sollte jedoch keinen Fehler machen. Denn sobald Herr Bernanke realisiert, daß die amerikanische Wirtschaft nicht so gesund ist, wie er gedacht hat und daß steigende Zinsen die Wertpapiermärkte in die Defensive bringt, wird er Geld drucken, als ob es kein Morgen gäbe. Schwache Autoverkaufszahlen und ein nachgebendes Verbrauchervertrauen könnten jetzt schon darauf hinweisen, daß die amerikanische Wirtschaft schwächer ist, als die Anleger glauben.

Spätestens in der Mitte des kommenden Jahres könnten die Geld-Druckerpressen einen Gang nach oben schalten. Das würde die Inflation anheizen, den Dollar schwächen und die Anleihen fallen lassen. Längerfristig könnte die Ernennung Bernankes zum größten Disaster für den amerikanischen Rentenmarkt werden in den 200 Jahren der kapitalistischen Vergangenheit.

Wie sollten Anleger ihre Portfolios auf die Ernennung Bernankes einstellen?

Normalerweise werde ich gefragt, welches die besten Anlagemöglichkeiten sind. Manchmal könnte jedoch die Frage sinnvoller sein, welche Anlage die schlechteste sein wird. Ich glaube, die schlechteste Langfristanlage ist der Kauf 30jähriger Treasuries mit der Absicht, sie 30 Jahre zu halten. Abgesehen von der oben geschilderten kurzfristigen Rally sind neue Renditetiefs eher unwahrscheinlich. Mit Bernanke als Notenbankchef wird das Disaster früher oder später eintreten und die Kurse von Anleihen mit langen Laufzeiten werden abstürzen, sobald der Markt Bernankes Neigung zum Gelddrucken wahrnimmt. Sie geht sogar soweit, in extremen Fällen Geld aus dem Helikopter verteilen zu wollen, um die von Alans Greenspan mit einer unverantwortlich lockeren Geld- und Kreditpolitik initiierte Party steigender Vermögenspreise fortzusetzen. Immerhin war es die Vermögenspreisinflation, die die konsumgetriebene Wirtschaftserholung seit dem Jahr 2001 möglich gemacht hat.

Wer amerikanische Anleihen verkauft, „shortet“ Wertpapiere, die bei schwindender Kaufkraft des Dollars an Wert verlieren werden. Der Dollar ist die alleine schon aufgrund der strukturellen Gegebenheiten - externe Defizite - geschwächte Währung eines Landes, dessen Regierung in jeder Beziehung kritisch betrachtet werden muß. Kann man eine bessere Verkaufsgelegenheit finden?

Abhängig davon, wieviel Geld schlußendlich gedruckt werden wird, können sowohl die Aktien als auch die Hauspreise nominal langfristig weiter steigen. Real dagegen werden sie an Wert verlieren. Sollten jene Strategen recht behalten, die den Dow Jones im Jahr 1999 noch bei 36.000, 40.000 oder gar bei 100.000 Punkten sahen, so ist gleichzeitig sicher, daß der Dow in Gold gemessen an Wert verlieren wird. Sollte der Dow aufgrund einer weiter steigenden Geldmenge auf 36.000 Dollar steigen, so kann der Goldpreis gleichzeitig auf 3.600 Dollar oder höher steigen.

Was ist vom angeführten „Inflationsziel“ Bernankes zu halten?

Herr Bernanke steht für die Denkhaltung der amerikanischen Ökonomen. Er ist wie ein Navigator im 16. Jahrhundert, der nicht glaubte, die Erde sei rund. Es gibt keine Möglichkeit, die zu Inflation beeinflussen es sei denn über das Wachstum der Geldmenge, die die amerikanische Notenbank kontrolliert. Das Geldmengenwachstum ist Inflation, nicht der Konsumentenpreisindex, der in Amerika sowieso manipuliert wird. Wie soll Herr Bernanke also ein Inflationsziel erreichen? Sind steigende Öl- und Rohstoffpreise - sie sind geschickterweise aus dem Konsumentenpreisindex ausgeschlossen - keine Anzeichen für Inflation? Die Idee, ein Inflationsziel zu erreichen baut auf eine schwache Theorie auf und ist einer der größten ökonomischen Trugschlüsse.

Wird Herr Bernanke versuchen, die globalen Finanz-Ungleichgewichte über die amerikanische Geldpolitik zu reduzieren?

Das ist reines Wunschdenken. Seit der Bildung der amerikanischen Federal Reserve Board im Jahr 1913 hat der amerikanische Dollar 92 Prozent seiner Kaufkraft verloren. Seit dem Jahr 1980 ist der nominelle Wohlstand der amerikanischen Haushalte von sieben Billionen auf 49,8 Billionen Dollar gestiegen, während die Verschuldung von 12o Prozent des Sozialproduktes auf 320 Prozent zugenommen hat. Amerika hat keine Alternative als Geld zu drucken, denn sonst droht der nominelle Wohlstand in sich zusammenzufallen und die Konjunktur nach unten zu ziehen. Aus diesem Grund wird Herr Bernanke Geld drucken. Er hat die Behauptung aufgestellt, das Leistungsbilanzdefizit Amerikas spielte keine Rolle oder es sei auf die globale „Ersparnisschwemme“ zurückzuführen.

Wird es zu einer Auseinandersetzung zwischen der amerikanischen Zentralbank und der Regierung über die Fiskalpolitik kommen aufgrund der gestiegenen Ausgaben und der Steuersenkungen?

Nein, im Gegenteil. Bush hat ihn vorübergehend ins Weise Haus geholt, um mit ihm vertraut zu werden und um sicherzustellen, daß er als Zentralbankchef genug Geld drucken wird, um die militärischen Abenteuer und den exzessiven amerikanischen Konsum zu finanzieren.

Wird Herr Bernanke eine Geldpolitik verfolgen, die die Vermögenspreisinflation verhindern oder bremsen wird?

Auch das ist Wunschdenken. Er hat die Meinung, die Zentralbank sollte nichts gegen steigende Vermögenspreise unternehmen. Man sollte den Intellekt der amerikanischen Zentralbanker sowieso nicht „überschätzen“. Das ist eine Gruppe von Leuten, die 1980 Gold für 800 Dollar je Unze hätte verkaufen können, um damit Anleihen zu kaufen, die damals eine Rendite von 14 Prozent hatten. Und was tat sie? Sie wartete mehr als 20 Jahre um Gold für 300 Dollar zu verkaufen, um damit Anleihen mit einer Rendite von 4,5 Prozent zu erwerben.

Gleichzeitig gab es in den vergangenen 24 Jahren steigende Vermögenspreise. Plötzlich jedoch machte ein Alan Greenspan steigende Vermögenspreise in Jackson Hole zu einem Thema, nachdem er zuvor durch eine lockere Geldpolitik und die Tolerierung niedriger Kreditstandards die Vermögenspreisinflation auf globaler Basis angeheizt hatte, wie niemals zuvor. Das wäre komisch, wenn die Entwertung des Papiergeldes politisch und sozial nicht hart werden würde. Wäre die Entwertung des Geldes kriminell, so müßten Greenspan und die Mitglieder des Fed-Vorstandes auf das härteste bestraft werden.

Gibt es denn überhaupt noch Vermögenswerte, die man als Anleger kaufen kann?

Wie ich schon seit zwei Jahren immer wieder sage, gehe ich davon aus, daß die japanische Börse in den kommenden fünf bis zehn Jahren besser abschneiden wird als die amerikanische. Während steigende Konsumentenpreise negativ für amerikanische Finanzwerte sein werden, sind sie positiv für japanische Aktien. Denn die Anleger werden dort gezwungen, aus dem Rentenmarkt an die Börse zu wechseln. Es scheint sogar eine Korrelation zwischen den amerikanischen Renditen und dem Nikkei zu geben. Beide haben im Jahr 2003 ihre Tiefs gesehen und dürften weiter steigen. Allerdings scheint der japanische Aktienmarkt kurzfristig „überkauft“ zu sein. Anleger sollten auf eine Korrektur warten, um zuzugreifen.

Quelle: @cri
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