Strukturierte Anleihen

4-mal-7-Anleihe: Fair, aber unflexibel

21.06.2005
, 16:10
Anleihen gelten meist nicht als besonders reizvoll. Die Banken versuchen sie daher mit klangvollen Namen an den Mann zu bringen. Neu von der BayernLB: die 4-mal-7-Anleihe.

Renten oder Aktien? Diese Gretchenfrage hat immer wieder aufs Neue Gültigkeit. Am liebsten wäre den meisten beides. Darauf hat sich die Finanzbranche eingestellt. Mit der „4-mal-7-Anleihe“, die noch bis zum 12. Juli gezeichnet werden kann, bietet die Bayerische Landesbank eine solche Kombinationsanlage, die Rentenpapier- und Aktienelemente in einem Zertifikat vereint, das der Kategorie der strukturierten Anleihen zuzurechnen ist.

Begeben wird die Anleihe zu einem Kurs von 100,75 Prozent auf den Eurostoxx 50-Index. Damit haben sich fast alle Fixpunkte des Produktes erschöpft. Ab diesem Punkt beginnen die bei Zertfikaten üblichen Falls-Dann-Spielchen.

Die Laufzeit des Papiers beträgt vier Jahre und einen Monat, in jedem Jahr erhöht sich der Kupon um sieben Prozent (daher der Name 4-mal-7). Das heißt, falls die Anleihe nicht vorzeitig gekündigt wird. Das ist dann der Fall, wenn der Eurostoxx 50-Index am Bewertungsstichtag (jeweils der 15. August eines Jahres) einen bestimmten Prozentbetrags des Ausgangswertes vom 15. Juli 2005 um einen bestimmten Prozentbetrag überschreitet.

Komplexe Konstruktion

Klingt kompliziert? Ist es auch. Denn ob es überhaupt zu einer Zinszahlung kommt und wie hoch diese ausfällt, richtet sich nach der Entwicklung des Eurostoxx 50. Jedes Jahr darf er um fünf Prozent mehr unter die Ausgangsbasis fallen (ausgehend von 100 Prozent im ersten Jahr), damit die Zinszahlung ausgelöst wird. In diesem Fall wird die Anleihe gekündigt und der Kupon ausbezahlt (siehe die tabellarische Übersicht in der Infografik).

Demgemäß fällt auch die Rendite höchst unterschiedlich aus. Ihr ungleichmäßiger Verlauf erklärt sich übrigens daraus, daß bei der Berechnung die Auswirkung der Faktoren Laufzeit und Ausgabeaufschlag gegeneinander laufen. So wirkt sich der 13. Monat der Laufzeit am Anfang stark dämpfend auf die Rendite aus, während er nach vier Jahren kaum noch eine Rolle spielt.

Der Anleger wettet mit diesem Papier auf die Entwicklung des wichtigsten europäischen Aktienindex und profitiert zunächst von steigenden, mit längerer Laufzeit auch bei seitwärts laufenden und leicht fallenden Märkten. Bis zum absoluten Ende der Laufzeit darf der Eurostoxx im Jahresdurchschnitt um höchstens vier Prozent fallen, damit der Kupon noch zur Auszahlung kommt.

Statistisch brauchbar

Die Wahrscheinlichkeit, daß der Kupon nicht zur Auszahlung kommt, ist als nicht übermäßig groß zu betrachten. Nach Darstellung der Bayerischen Landesbank wäre in der Zeit zwischen Januar 1993 und April 2005 nur in 15,34 Prozent der Fälle der Kupon nicht zur Auszahlung gekommen. Zu mehr als drei Vierteln wäre der Kupon bereits nach einem Jahr zur Auszahlung gekommen. Gewichtet man die Renditen mit der Wahrscheinlichkeit ihres Eintretens ergibt sich eine statistisch zu erwartende Rendite des Papiers von 4,12 Prozent.

Das ist für eine normale, kurz laufende Anleihe ein guter Wert, der derzeit mit klassischen Anleihen nicht ohne hohe Risiken zu erzielen ist. Indes bringt ein vierjähriger Sparbrief der Privatbank Reithinger eine Rendite von vier Prozent. Dabei ist natürlich die Konkursausfall-Wahrscheinlichkeit für die kleine Bank zu berücksichtigen, deren Einlagen nur zu 90 Prozent gesichert sind.

Außerdem handelt es sich bei der 4-mal-7-Anleihe eben nicht um eine Anleihe. Sie bringt zwar einen Sicherheitspuffer mit. Denn falls der Eurostoxx 50 an den Bewertungsstichtagen nicht die vorgesehenen Marken erreicht, erhält der Anleger immerhin sein Kapital zurück. Die Rendite liegt dann bei minus 0,2 Prozent. Doch bei einem Indexstand am Laufzeitende von unter 70 Prozent des Startwertes mutiert die 4-mal-7-Anleihe zu einem gewöhnlichen Index-Zertifikat und tut mit durchschnittlichen Renditen von minus 6,7 Prozent pro Jahr und weniger im Depot richtig weh.

Dies ist zwar in dem bezifferten Erwartungswert für die Rendite mit eingerechnet, doch bleibt es eine Frage der persönlichen Risikofreude, ob man sich auf die Anleihe einlassen will.

An das Papier gefesselt

Dennoch sind die Anlagebedingungen zwar nicht besonders einfach nachvollziehbar, aber insgesamt als durchaus fair zu bezeichnen. Denn in der momentanen Verfassung der Aktienbörsen ist zwar nicht unbedingt mit großen Kurssprüngen zu rechnen, allerdings auch nicht mit hohen Abschlägen. Aber so genau weiß das keiner - nicht für 2006, geschweige denn für 2009. Und so ist die 4-mal-7-Anleihe auch nicht unbedingt etwas für den klassischen Anleihekäufer, sondern eher für Anleger, die ein bißchen Lust am längerfristigen Nervenkitzel verspüren.

Denn sie bringt ein großes Manko mit. Das Papier ist trotz Listing im Freiverkehr alles andere als flexibel. Ertrag bringt es ja nur an den Stichtagen. Das bedeutet, daß sie für Käufer am Markt nur relativ kurz vor dem Stichtag intereressant wird. Danach dürfte ihr Kurs abstürzen. Aus einem normalen Index-Zertifikat läßt sich immerhin dann aussteigen, wenn der Index gerade gut steht. 4-mal-7 ergibt hier nicht 28, sondern hoffen auf den Sommer

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho
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