Unternehmensanleihen

Telefonica-Anleihen locken mit Renditeaufschlag

29.04.2011
, 17:39
Die Risikoaufschläge der Telefonica-Anleihen liegen immer noch über denen der Wettbewerber. Das spricht aus Sicht der WGZ-Bank für die Titel. Eine hauseigene Konkurrenz stellen aber die renditestarken Telefonica-Aktien dar.
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Staatsanleihen aus Griechenland und Portugal werden an den Märkten wegen der hohen Schuldenberge in diesen Ländern nach wie vor sehr kritisch beäugt. Das zeigt sich an Rekord hohen Renditen für diese Papiere. Etwas entspannter wird dagegen inzwischen die Finanzlage Spaniens beurteilt. Die von Madrid emittierten Staatsanleihen konnten sich etwas abkoppeln von den Pendants aus Südeuropa und davon profitierten auch die Anleihen der aus Spanien stammenden Unternehmen.

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Geholfen hat diese Entwicklung sicherlich auch den Telefonica-Anleihen. Zumindest dürfte dies zu den Spreadeinengungen beigetragen haben, die bei den Anleihen dieses Emittenten im ersten Quartal zu beobachten waren (siehe Grafiken).

Gestärkt wurde das Vertrauen der Anleger aber sicherlich auch durch die vorgelegten Geschäftszahlen. Denn mit den für 2010 vorgelegten Ergebnissen wusste der spanische Telekomkonzern zu überzeugen, der in 25 Ländern (Europa, Afrika, Lateinamerika und mittels einer Beteiligung an China Netcom auch in Asien) tätig ist und insgesamt über 287,6 Millionen Kunden mit Festnetzanschlüssen, Breitbandinternet, Mobilfunk-Telefonie und Pay-TV versorgt. Konkret stieg der Umsatz im Vorjahr um 7,1 Prozent auf 60,74 Milliarden Euro und der operative Gewinn vor Abschreibungen und Wertberichtigungen (OIBDA) um 14 Prozent auf 25,78 Milliarden Euro. Das Nettoergebnis kam auf 10,2 Milliarden Euro voran, was im Jahresvergleich sogar einem Plus von 30,7Prozent entsprach.

Bild: WGZ Bank

Zahlen für 2010 lagen über den Erwartungen - Finanzlage aber verschlechtert

Die Analystengilde zeigte sich damit weitgehend zufrieden und einverstanden, da aus ihrer Sicht durchaus realistisch zeigten sich die Experten der Banco de Sabadell auch mit den genannten Langfristzielen. Demnach soll das Umsatzwachstum vor allem organisch erzielt werden, während der Umsatzrückgang im traditionellen Telefongeschäft durch mobile Breitband-Angebote, stationäres Breitband, Smartphones und Tablet-PCs abgefangen werden solle. Ferner wolle die Gruppe ihren Umsatz durch eine Verbesserung der Dienstleistungen und eine Senkung der Abwanderungsrate steigern. Für die Jahre bis 2013 prognostiziere Telefonica ein Umsatzwachstum von 1 bis 4 Prozent und eine leichte Verschlechterung der Ebitda-Marge.

Etwas verschlechtert haben sich dagegen die finanziellen Kennzahlen. Durch Zukäufe stieg die Nettoverschuldung von 43,6 Milliarden auf 55,6 Milliarden Euro. Das Verhältnis von Nettoverschuldung zu
bereinigtem OIBDA erreichte damit Ende 2010 einen Stand von 2,4 (2,5 inklusive finanzieller Zusagen). Dieser Wert liegt im oberen Grenzbereich der unternehmenseigenen Zielspanne von 2,0-2,5. Die Ratinghäuser Moody.s und S&P reagierten darauf mit Herabstufungen des Ratingausblicks von positiv auf stabil und von stabil auf negativ.

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WGZ Bank-Analyst Janis Heck hält das am Freitag aber nicht davon ab, die Telefonica-Anleihen auf dem aktuellen Niveau als weiterhin attraktiv bepreist zu bezeichnen. Zur Begründung verweist er auf die Risikoaufschläge, die teilweise noch immer deutlich über denen der Wettbewerber aus Frankreich und Deutschland liegen. Er rät aber auch deshalb weiter zum Kauf der Telefonica-Anleihen, weil das Unternehmen plant, die Nettoverschuldung mittelfristig durch die Veräußerung von Beteiligungen sowie durch weiteres internationales Wachstum auf ein Niveau des 2,2-fachen bis 2,3-fachen zurückzuführen.

Zudem würden nach Angaben des Managements aktuell keine größeren Zukäufe angestrebt. Heck rechnet damit, dass auch im laufenden Geschäftsjahr die Region Lateinamerika einer der Haupttreiber für das Wachstum der Spanier bleiben wird. Und wenn es Telefonica wie in der Vergangenheit bewiesen zudem gelingt, die Verschuldung nach Zukäufen schnell zurückzuführen, sollte sich das Bonitätsprofil wieder merklich entspannen. Unterstützend sollte sich dabei der angekündigte Verzicht auf größere M&A-Transaktionen auswirken.

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Telefonica-Anleihen konkurrieren mit den eigenen Aktien

Unter den Anleihen des Emittenten favorisiert Heck vor allem das bis Februar 2014 und der Isin XS0410258833 ausgestattete Papier. Bei einem Kurs von 105,05 Prozent beträgt die Rendite hier bis zur Endfälligkeit 3,435 Prozent. Noch etwas mehr, und zwar 4,14 Prozent, wird der Titel mit der Isin XS0419264063 ab, allerdings reicht hier die Laufzeit auch etwas länger bis zum 01.04.2016.

Gemessen an vergleichbar lang laufenden Bundesanleihen entspricht dies einem Aufschlag von immerhin 152 Basispunkten. Das klingt unter der Annahme, dass bis zur Endfälligkeit allen Verpflichtungen nachgekommen wird nicht schlecht. Für Anleger, die nicht nur in Anleihen, sondern auch in Aktien investieren, müssen sich die Telefonica-Zinspapieren aber an einer Ernst zu nehmenden hausinternen Konkurrenz messen lassen.

Denn nachdem der Telefonica-Vorstand für 2011 eine Dividende je Aktie von 1,60 Euro und für 2012 von 1,75 Euro in Aussicht gestellt hat, resultieren daraus Dividendenrenditen von 8,89 Prozent und 9,72 Prozent. Unter der Prämisse, dass das Versprechung gehalten wird und der Aktienkurs nicht fällt, stellt das eine lukrative Alternative dar.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors wieder.

Quelle: @JüB
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