Zertifikate

5x5-Anleihe muß man als Anleger nicht haben

24.10.2005
, 17:39
Der „Zinsanlagenotstand“ führt zu immer innovativeren Produkten. Allerdings können sie nicht immer überzeugen. Schwachpunkt der 5x5-Anleihe der Landesbank Berlin ist das „Sammelsurium“ an Aktien, auf das sich das Produkt bezieht.
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Zeiten mit tiefen Zinsen sind interessant. Denn sie stimulieren zumindest in der Theorie die Wirtschaft, da sie sich über günstige Kredite refinanzieren kann. Aus diesem Grund sind populistische Politiker gegen steigende Zinsen, auch wenn sie aus inflations- oder geldpolitischen Überlegungen nötig sein mögen.

Auf der anderen Seite sind tiefe Zinsen schlecht für Zinsanleger. Denn bei einem tiefen Renditeniveau werden die Kupons der neu auf den Markt kommenden Anleihen immer interessanter. Gleichzeitig werden die Aussichten auf steigende Kurse am Rentenmarkt immer geringer. Im Gegenteil. Sollte sich die Preisentwicklung zum Beispiel aufgrund der hohen Rohstoffpreise beschleunigen dürften die Leitzinsen weiter oder überhaupt angehoben werden und damit die Preise der Anleihen zumindest in der Tendenz unter Druck bringen.

„Zinsanlagenotstand“ führt zu innovativen Produkten...

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Diese Gesamtkonstellation führt an den Zinsmärkten zu einem gewissen Anlagenotstand. Er hat in den vergangenen Jahren nicht nur dazu geführt, daß die Anleger - abgesehen von den jüngsten Korrekturbewegungen - in immer riskantere Märkte wie die Schwellenländer oder auch die Hochzinsanleihen investierten, sondern auch daß die Banken immer kreativer wurden. Sie brachten und bringen immer wieder neue so genannte strukturierte Produkte auf den Markt, die diesem Zustand abhelfen sollen.

Allerdings ist nicht alles Gold, was glänzt oder was als solches verkauft wird. Denn auch die Banken haben keine Goldesel im Stall stehen und zaubern können sie sicherlich auch nicht. In diesem Sinne ist eine genauere und vor allem auch kritische Betrachtung der Angebote notwendig. Zum Beispiel bei der 5X5-Anleihe der Landesbank Berlin mit der Isin 000LBB0Z08.

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Wie beinahe schon üblich geworden ist das Produkt kein reines Zinsinstrument, sondern das Zertifikat partizipiert von der Entwicklung eines internationalen Aktienbaskets und bietet 100 Prozentigen Kapitalschutz am Laufzeitende. Der erste Kupon ist auf 5 Prozent fixiert. Für das zweite bis fünfte Jahr beträgt der Kupon fünf Prozent, wenn an einem der Bewertungstage - dabei handelt es sich jeweils um den 13.September, erstmals im September 2007, letztmals im September 2010 - alle im Korn enthaltenen Aktien über ihrem Startniveau notieren. Falls eine Ausschüttung des Extrakupons erfolgt, werden zukünftige Extrakupons mit fünf Prozent festgeschrieben und gleichzeitig sämtliche ausgefallene Extrakupons kumuliert nachgezahlt.

... die allerdings nicht gerade immer überzeugen können

Damit gibt es am Ende der Laufzeit zwei Szenarien. Sofern eine der Aktien unter ihr „Anfangsniveau“ fallen sollte wird nur im Jahr eins ein Kupon von fünf Prozent gezahlt und am Ende das Kapital zurückerstattet. Diese Konstellation würde zu einer mageren Nominalrendite von gerade einmal 1,02 Prozent führen. Im anderen Falle läge die Nominalrendite immerhin bei fünf Prozent und damit 2,2 Prozentpunkte über vergleichbaren Bundesanleihen.

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Ein Problem dabei ist, daß dafür eine ziemlich positive Börsenentwicklung unterstellt wird. Das wiederum führt zur Frage, ob dafür eine Rendite von fünf Prozent nicht recht wenig ist und ob ein Investment in Aktien direkt nicht besser wäre. Das zweite Problem liegt in der Zusammensetzung des Aktienkorbes. Das Zertifikatejournal bezeichnet ihn als „wildes Sammelsurium“. Dabei reiche das Spektrum von deutschen Blue Chips wie der Deutschen Telekom, FMC, Schering und Puma über die französischen Alstom und Pernod Ricard und die britische Scottish New Power bis hin zu Altria, Newmont Mining in Amerika und Seven Eleven in Japan.

Der Einschluß riskanter oder zum Teil sprunghafter Werte lasse die Gefahr relativ groß erscheinen, daß nach dem ersten Jahr keine Kuponzahlung mehr erfolge. Schließlich genüge schon die negative Wertentwicklung einer einzelnen Aktie, um dazu zu führen. Aus diesem Grund können die Autoren dem Zertifikat nicht sonderlich viel abgewinnen. Dieser Meinung dürfte nichts mehr hinzuzufügen sein.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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