Zinsprodukte

Mit "Tips" gegen den Zinsanstieg

17.06.2004
, 09:12
Inflationsgeschützte Anleihen stehen momentan ganz hoch im Kurs der Anleger. Sie gelten als Schutz im Falle einer weiter anspringenden Inflation. Aber auch bei inflationsindexierten Anleihen drohen Kursverluste.
ANZEIGE

Amerikanische Staatsanleihen gelten als die sichersten Wertpapiere der Welt. Die Gefahr, daß die amerikanische Regierung mit der Rückzahlung der Schuldtitel in Verzug gerät, ist nahezu ausgeschlossen. Überboten wird diese Sicherheit nur noch von einer ganz besonderen Art der Anleihe, den sogenannten Tips (Treasury Inflation-Protected Securities).

ANZEIGE

Tips, die seit dem Jahr 1997 vom Finanzministerium in Washington aufgelegt werden, bieten neben der ohnehin äußerst geringen Ausfallwahrscheinlichkeit auch einen Schutz gegen Inflation: Der Kapitalbetrag wird regelmäßig entsprechend der allgemeinen Teuerung angepaßt. Als Maßstab gilt der Verbraucherpreisindex CPI. Weil die Anleihen mit einem festen Zinskupon ausgestattet sind, erhöhen sich bei einer positiven Inflationsrate auch die nominalen Zinszahlungen.

Die Hoffnung des Finanzministeriums in Washington auf eine Verringerung der Finanzierungskosten durch die Emittierung der inflationsgeschützten Papiere hat sich zwar aufgrund der schwachen Nachfrage bisher nicht erfüllt. Gleichwohl ist die Ausgabe zusätzlicher Laufzeiten (5 und 20 Jahre) in den kommenden Monaten geplant. Bisher haben Tips Laufzeiten von 10 und 30 Jahren. Und es deutet einiges darauf hin, daß die Beliebtheit der Tips angesichts der wachsenden Inflationsängste, ausgelöst unter anderem durch den hohen Ölpreis, unter den Anlegern wächst. Die jährliche Inflationsrate hat sich zwischen Januar und April von 1,9 auf 2,3 Prozent erhöht. Gefragt sind vor allem Investmentfonds, die sich in ihren Portfolios auf Tips konzentrieren. Nach Angaben aus Branchenkreisen sind in diese Fonds im ersten Quartal des Jahres rund 4,5 Milliarden Dollar geflossen. In den beiden vorangegangenen Jahren waren es zusammen nur rund 11 Milliarden Dollar.

Kein absoluter Schutz vor Kursverlusten

Investmentstrategen warnen gleichwohl vor ungebremster Freude: Denn Tips bieten zwar eine wirksame Versicherung gegen die Inflation. Wie herkömmliche festverzinsliche Wertpapiere aber reagiert auch ihr Kurs auf Veränderungen des Zinsniveaus an den Kapitalmärkten. Das bedeutet, daß ein Renditeanstieg an den Märkten auch an den Kursen der Tips nicht spurlos vorübergeht. Die absehbare Straffung der Geldpolitik in den Vereinigten Staaten dürfte demnach vor allem den Kurs von Tips mit kürzeren Restlaufzeiten drücken. Anleger, die Papiere nicht bis zum Fälligkeitsdatum behalten, sondern von Kursveränderungen während der Laufzeit profitieren wollen, sind damit ebenso wie die Besitzer anderer Anleihen einem Zinsänderungsrisiko ausgesetzt.

ANZEIGE

Die Rendite der Tips mit Laufzeit bis zum Jahr 2014 beträgt derzeit rund 2 Prozent. Damit liegt sie rund 2,8 Prozentpunkte unterhalb der Rendite der traditionellen Staatsanleihen mit vergleichbarer Laufzeit. Für ein erfolgreiches Engagement in Tips bedeutet dies, daß die jährliche Inflationsrate in den Vereinigten Staaten in den kommenden zehn Jahren rund 2,8 Prozent betragen müßte, damit auch nur dieselbe Rendite erwirtschaftet wird wie mit herkömmlichen "Treasuries". In der niedrigen Rendite der Tips spiegelt sich darum nicht zuletzt auch die Erwartung wider, daß sich der Preisauftrieb noch deutlich beschleunigen wird und daß es der amerikanischen Notenbank nicht gelingen wird, die Inflation im Zaum zu halten.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.06.2004, Nr. 138 / Seite 23
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot
ANZEIGE