Aufregung um Öl und Gas

Benzinpreis auf Achtjahreshoch

Von Christian Siedenbiedel
01.10.2021
, 14:08
Benzinpreis
Die Preise vom teuren Tankherbst 2018 sind schon überholt. An den Märkten wird spekuliert: Dreht die OPEC jetzt den Ölhahn auf?
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Spekulationen, dass die Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) und ihre Verbündeten jetzt die Ölförderung ausweiten, um mögliche Engpässe zu vermeiden, haben am Freitag die Märkte bewegt. Die Ölpreise gaben leicht nach, die Nordseesorte Brent notierte zeitweise bei 77,55 Dollar je Barrel (Fass zu 159 Liter) und die amerikanische Sorte West Texas Intermediate (WTI) bei 74,23 Dollar. Bereits in der kommenden Woche könnten die Ölländer den Ölhahn weiter aufdrehen, so wurde spekuliert. In den vergangenen sechs Wochen sind die Preise beider Ölsorten um jeweils rund 20 Prozent gestiegen. Der Preis der Nordseesorte Brent hatte am Dienstag sogar erstmals seit drei Jahren die Marke von 80 Dollar wieder überschritten.

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Unterdessen vermeldete das Internetportal Clever-Tanken, dass die Benzinpreise im September den höchsten Stand seit achteinhalb Jahren erreicht hätten. Demnach zahlten Autofahrer für den Liter Super E10 im September im bundesweiten Schnitt 1,5732 Euro. Teurer war Super E10 zuletzt im Februar 2013 gewesen. Damals hatte der Liter 1,5773 Euro gekostet. Gegenüber dem Vormonat hat Super E10 um rund 1 Cent und gegenüber dem Vorjahresmonat um rund 33 Cent zugelegt.

Der Liter Diesel kostete den Angaben zufolge im vergangenen Monat rund 1,4118 Euro und damit etwa 3 Cent mehr als im Vormonat und 36 Cent mehr als im Vorjahresmonat. Teurer war Diesel zuletzt im November 2018 mit 1,4239 Euro gewesen.

Der teure Tankherbst 2018 ist überholt

Der teure Tankherbst 2018, in dem das Niedrigwasser auf dem Rhein für besonders hohe Spritpreise sorgte, ist damit überholt worden. In vielen Städten liegt mittlerweile der durchschnittliche Preis für Super E10 über 1,60 Euro je Liter, beispielsweise in Bremen, Braunschweig, Frankfurt oder Freiburg. Der Bundesdurchschnitt liegt noch ganz knapp unter 1,60 Euro. Je nach Tageszeit und Tankstelle gibt es aber erhebliche Unterschiede.

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„Für das hohe Preisniveau an den Zapfsäulen hat im September maßgeblich die Preisentwicklung an den Rohölmärkten gesorgt“ sagte Steffen Bock, Geschäftsführer von Clever Tanken. Für diese seien verschiedene Aspekte verantwortlich gewesen. Auf der Angebotsseite habe Knappheit durch Produktionsausfälle im Golf von Mexiko aufgrund des Hurrikans Ida geherrscht sowie damit einhergehende rückläufige Liefervorräte in den Vereinigten Staaten. Auf der Nachfrageseite sorge die zunehmende Erholung vom Corona-Konjunktureinbruch vielerorts seit Monaten für einen hohen Bedarf an Erdöl.

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Was bringt der Winter?

Zum Jahresbeginn hatte zudem der neue CO2-Preis Benzin und Diesel in Deutschland verteuert. Der Effekt ist aber geringer als der durch den Anstieg der Rohölpreise. Auch die eher restriktive Förderpolitik der Opec hatte dem Ölpreis im Jahresverlauf immer mal wieder einen Schub nach oben gegeben. Amerika hatte die Ölländer aufgefordert, mehr Öl zu fördern, um die gestiegene Inflation wieder in den Griff bekommen zu können.

Insbesondere die niedrigen Füllstände in den deutschen Gasspeichern könnten mit der beginnenden Heizsaison nicht nur die Gaspreise weiter steigen lassen – sondern auch die für Heizöl oder Diesel, meint Carsten Fritsch, Rohstoff-Analyst der Commerzbank. „Das kann in der Tat passieren, wenn anstelle von Erdgas auf Heizöl fürs Heizen und auf Diesel bei der Stromerzeugung zurückgegriffen wird“, sagt Fritsch.

Anders als in Großbritannien gibt es in Deutschland noch keine Tankstellen, an denen es kein Benzin mehr gibt, wie Stephan Zieger, der Geschäftsführer des Bundesverbands freier Tankstellen berichtet. Allenfalls Störungen an einzelnen Raffinerie-Standorten könnten zu höheren Preisen führen. Der Autoclub ADAC meint, die anziehende Benzinnachfrage nach der Krise mache es den Mineralölkonzernen leichter, derzeit sehr hohe Preise zu verlangen.

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Ähnlich äußerte sich ein Sprecher des Mineralölkonzerns BP: „Die Belieferung unserer deutschen Tankstellen und damit die Versorgung von Verbrauchern und Unternehmen mit Kraftstoffen und Mineralölprodukten ist aktuell gesichert.“. Auch Christoph Bender, Geschäftsführer des deutschen Mineralölwirtschaftsverbands, der die Tankstellen-Konzerne vertritt, sagte der F.A.Z.: „Wir haben aktuell keine Logistik-Schwierigkeiten auf dem Tankstellenmarkt.“ Leer gekaufte Tankstellen habe es in Deutschland zwar im Herbst 2018 gegeben, als das Niedrigwasser am Rhein den Benzintransport erschwerte - aber auch da nur „stundenweise und lokal“.

Quelle: FAZ.NET
Christian Siedenbiedel - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Christian Siedenbiedel
Redakteur in der Wirtschaft.
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