Nach Fehlstart

Bank von England will Anleihen später nachkaufen

Aktualisiert am 10.08.2016
 - 14:35
Die Bank von England will in den kommenden sechs Monaten rund 60 Milliarden Pfund für Staatsanleihekäufe ausgeben.
Die britische Notenbank hat zu Beginn ihrer neuen Anleihekäufe nicht so viele Title kaufen können wie sie wollte. Nun erklärt sie, was daraus folgt. Und veröffentlicht neue Zahlen zur Stimmung im Land.

Die britische Notenbank will nach dem Ausrutscher zum Start ihrer gerade neu beschlossenen Anleihekäufe verlorenen Boden erst in einigen Monaten gutmachen. Ab November sollen die ausgefallenen Käufe über mehrere Monate nachgeholt werden, kündigte die Bank von England (BoE) an diesem Mittwoch an.

Sie hatte von Anlegern am Dienstag britische Staatspapiere mit langen Laufzeiten ab 15 Jahren erwerben wollen. Diese ließen sich aber nicht ausreichend locken - der Notenbank wurden zu wenig Titel angeboten. Es fehlten schließlich Papiere im Volumen von 52 Millionen Pfund (umgerechnet 60,8 Millionen Euro).

60 Milliarden Pfund

Die Renditen britischer Staatsschuldtitel (Gilts) reagierten auch im Mittwochshandel noch darauf. Zehnjährige Papiere markierten ein Rekordtief von 0,531 Prozent. Die Verzinsung fünfjähriger Titel fiel auf ein Allzeittief von 0,122 Prozent.

„Die Verkäufer streikten“, kommentierten die Fachleute der National-Bank in Essen. Für die BoE werde es nun teuer, das geplante Volumen bei ihrem Staatsanleihen-Kaufprogramm zu schaffen oder sie müsse bald auf andere Anleihen ausweichen.

Mit ihren aufgestockten Anleihekäufen stemmt sich die Bank von England nach dem Brexit-Votum gegen eine drohende Rezession im Land. Sie hatte vergangene Woche angekündigt, in den nächsten sechs Monaten britische Staats-Anleihen im Umfang von weiteren 60 Milliarden Pfund zu erwerben.

Die Auktion vom Dienstag war der erste Versuch, Staatspapiere mit langen Laufzeiten im Rahmen des aufgestockten Programms zu kaufen. Zudem war es das erste Mal, dass die Notenbank seit dem Beginn der Anleihekäufe im Jahr 2009 während einer Rückkauf-Auktion nicht genügend verkaufswillige Investoren fand.

Einer Umfrage der Währungshüter zufolge verstärkt sich derweil die Sorge um die britische Wirtschaft. Laut der Erhebung hat sich das Wachstum der Dienstleistungen im vergangenen Monat verlangsamt. Auch der Anstieg der Konsumausgaben sei schwächer geworden.

Einige Umfrage-Resultate hatte die BoE bereits vergangene Woche in ihrem Inflationsbericht veröffentlicht. Die Erhebung basiert auf Treffen von
Notenbank-Vertretern mit Geschäftsleuten aus verschiedenen Regionen des Landes zwischen Ende Juni und Ende Juli.

Nasses Wetter

Mit der Umfrage mehren sich die Anzeichen für eine Abkühlung der britischen Wirtschaft nach dem Referendum. Die Erhebung zeichnet allerdings ein weniger düsteres Bild als der jüngste Einkaufsmanager-Index. Dieser war im Juli auf den niedrigsten Wert seit April 2009 abgestürzt.

Die Ergebnisse spiegelten zum Teil schwächere Investitionen in Geschäftsimmobilien und Firmentransaktionen, hieß es in dem BoE-Bericht. Das geringere Wachstum der Verbraucherausgaben sei allerdings auch auf ein ungewöhnlich nasses Wetter zurückzuführen.

Quelle: ala./Reuters
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