Gastkommentar

Banken müssen bei Aktienanleihen Risiken offenlegen

Von Heinz O. Steinhübel
16.04.2001
, 16:00
Steinhübel: „Banken sind zur Aufklärung verpflichtet”
Böse Überraschungen drohen Anlegern bei Aktienanleihen. Investoren sollten prüfen, ob die Banken auch über die Risiken aufgeklärt haben.
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In den letzten Jahren haben Banken zahlreiche so genannte „Aktienanleihen“ emittiert. Zum Teil werden diese Anlageprodukte auch als „Yes-Anleihen“ oder „Reverse-Convertibles“ bezeichnet. Viele Anleger sind dabei dem Reiz eines hohen Zinssatzes erlegen. Der hohe Kupon und die Verwendung des Namens „Anleihe“ suggerieren den Investoren, eine sichere Anlage bei hoher Rendite vorliegen zu haben. In Wirklichkeit handelt es sich bei einer Aktienanleihe aber um ein eher riskantes Anlageobjekt.

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Auf Grund der jüngsten Kursverluste am Aktienmarkt werden zahlreiche Anleger in der nächsten Zeit unangenehme Überraschungen erleben, wenn ihnen Aktien angedient werden.

Sind die gelieferten Aktien wertlos, so ist das eingesetzte Kapital bis auf den Kupon vollständig verloren. Aus diesem Grund eignen sich Aktienanleihen nur für gut informierte und risikobewusste Anleger, die von ihrer Bank auf die besonderen Gefahren hingewiesen wurden. Auch die Emittenten gehen davon aus, dass in jedem Fall vor der Kaufentscheidung eine individuelle und objektive Beratung durch den Anlageberater der Bank unerlässlich ist. Die Bank ist verpflichtet, den Anleger nach seinem Anlageziel und seiner Risikoneigung zu fragen. Außerdem muss sie ihm das Anlageobjekt genau erklären. Sollte die Bank diese Pflichten nicht erfüllt haben, so ist sie gegenüber dem Anleger zum Schadensersatz verpflichtet.

Pflicht zur anlegergerechten Beratung

Die stets notwendige Aufklärung bei Aktienanleihen muss sich auf die Persönlichkeit des Kunden, auf seine speziellen Lebensverhältnisse und Anlageziele beziehen. Ist der Bank nicht bekannt, ob der Kunde die notwendigen Erkenntnisse hat, muss sie den Informationsstand und das Anlageziel des Kunden erfragen. Der Erwerber von Aktienanleihen muss wissen, welche Faktoren die Kursbildung beeinflussen. Darüber hinaus muss ihm bewusst sein, dass sich der Kurs von Aktienanleihen keineswegs immer parallel zum Basisobjektkurs entwickelt. Nur eine Aufklärung, welche die Ergebnisse der Kundenexploration berücksichtigt und sich am Interesse des Kunden und nicht an dem der Bank orientiert, ist anlegergerecht.

Pflicht zur objektgerechten Beratung

Komplizierte Wertpapiergeschäfte kann nur ein gut informierter Anleger abwickeln. Die notwendigen Kenntnisse muss ihm seine Bank in Form einer objektgerechten Aufklärung vermitteln. Das verlangt eine zutreffende, gedanklich geordnete und verständliche Information über das Anlageprodukt, insbesondere aber die Risiken. Dabei gilt der Grundsatz: je riskanter eine Anlage ist, desto weiter reichen die Informationspflichten. Aktienanleihen müssen demzufolge in Beratungsgesprächen mit einer Direktinvestition in die Basis-Aktien und mit der Entwicklung festverzinslicher Anlagen verglichen werden. Außerdem ist der Anleger auf das Termingeschäft aufmerksam zu machen.

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Termineinwand gegen Verluste bei Aktienanleihen?

Mit Urteil vom 20.04.2000 (Az. 2/21 O 331/99) hat das Landgericht Frankfurt am Main entschieden, dass es sich beim Kauf von Aktienanleihen nicht um ein Börsentermingeschäft handelt. Begründung: Bei der Ausgabe der Aktienanleihen erwerbe der Emittent als Gegenleistung für die von ihm zu zahlende hohe Verzinsung neben der „Kapitalzurverfügungstellung auf Zeit“ einen Long-Put. Das heißt, er kaufe eine Verkaufsoption. Abgestellt auf den wirtschaftlichen Zweck sei die Aktienanleihe mit abgetrennten Optionsscheinen vergleichbar. Außerdem bestehe für den Anleger weder ein Anreiz zur Spekulation aufgrund der sogenannten Hebelwirkung, noch folge hieraus das Risiko des Anlegers, zusätzliche Geldmittel zur Erfüllung der eingegangenen Verbindlichkeiten entgegen der ursprünglichen Absicht aufbringen zu müssen. Ferner habe der Anleger nicht das für den Optionskäufer typische Risiko des Totalverlustes. Der Anleger erhalte in jedem Fall die vereinbarte Verzinsung und darüber hinaus im für ihn schlechtesten Fall die entsprechenden Aktien. Von der Risikostruktur her sei das Aktienanleihengeschäft unterhalb des Aktiengeschäftes anzusiedeln.

Letztes Wort nicht gesprochen

Hier ist das letzte Wort aber noch nicht gesprochen. Nach unserer Meinung können sich Anleger bei Verlusten in Aktienanleihen sehr wohl mit dem Termineinwand zur Wehr setzen. Der Options-Baustein deutet darauf hin, dass der Erwerb einer Aktienanleihe insgesamt ein Termingeschäft darstellt. Die notwendige Termingeschäftsfähigkeit erlangt ein Privatanleger aber nur durch die Unterschrift des Informationsblattes mit dem Titel „Wichtige Informationen über Verlustrisiken bei Börsentermingeschäften“. Nur ein Teil der Banken hat die Anleger dieses Informationsblatt unterzeichnen lassen.

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Der Autor ist als Anwalt auf das Kapitalanlage-, Bank- und Börsenrecht spezialisiert.

Quelle: @ank
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