Baufinanzierung

Bauzinsen steigen auf höchstes Niveau seit Krisenbeginn

Von Christian Siedenbiedel
19.01.2022
, 18:26
Baudarlehen
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Die Rendite der Bundesanleihe wird erstmals seit 2019 wieder positiv. Der Nachteil für Verbraucher: Auch die Bauzinsen steigen. Mit einer Leitzinserhöhung in Amerika könnte sich dieser Trend noch verstärken.
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Die Bauzinsen in Deutschland steigen seit Anfang des Jahres wieder: Mittlerweile zahlen Verbraucher im Durchschnitt rund 1 Prozent effektiven Jahreszins für ein Baudarlehen mit zehn Jahren Zinsbindung, wie aus dem Index des Verbraucherportals Biallo hervorgeht. Im Januar ist damit das höchste Niveau seit immerhin Juni 2019 erreicht. Während der Corona-Pandemie hatten die Zinsen zeitweise deutlich unterhalb dieser Grenze geschwankt, eine Zeit beliefen sich sogar mal nur auf 0,65 Prozent. Für Darlehen mit 20 Jahren Zinsbindung betragen die Zinsen jetzt im Durchschnitt 1,44 Prozent.

Die Parallele zum Hoch der Rendite der Bundesanleihe ist kein Zufall: Die Hypothekenzinsen sind in der Baufinanzierung der Banken eng mit den Zinsen für Pfandbriefe verknüpft. Diese wiederum entwickeln sich parallel zur Rendite der Bundesanleihe. Steigende Anleiherenditen führen deshalb in der Regel auch zu höheren Bauzinsen. Eine grobe Faustregel besagt: Der Zins für ein Darlehen mit zehn Jahren Laufzeit ergibt sich aus der Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe – plus 1 Prozent.

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„Vor zehn Jahren waren Zinsen von mehr als 3 Prozent üblich“

In den kommenden Monaten dürfte wohl mit einem weiteren Zinsanstieg zu rechnen sein. Wer jetzt gerade darüber nachdenkt zu bauen, sollte sich zwar sicher nicht überhastet entscheiden, könnte aber in ein paar Monaten schon etwas mehr für den Kredit zahlen. Max Herbst von der FMH-Finanzberatung, der die Verbraucherzinsen fortlaufend beobachtet, rechnet damit, dass die Zinsen für ein Baudarlehen mit zehn Jahren Zinsbindung im Laufe des Jahres immerhin bis auf 1,5 bis 1,75 Prozent steigen werden. Auch Mirjam Mohr, Vorstandsmitglied des Kreditvermittlers Interhyp, sagt: „Wir erwarten einen merklichen Anstieg der Bauzinsen im Bereich mehrerer Zehntelprozentpunkte.“ Im historischen Vergleich blieben die Bauzinsen gleichwohl niedrig: „Vor zehn Jahren waren Zinsen von mehr als 3 Prozent üblich.“

Herbst nennt die höhere Inflation als ein Argument für steigende Bauzinsen: Zumindest die amerikanische Notenbank spreche schließlich schon offen über eine Zinserhöhung: „Spätestens, wenn diesen Worten Taten folgen, ist davon auszugehen, dass die Bauzinsen auch bei uns deutlich steigen werden.“ Ein zweites Argument sei die Entscheidung der Aufsichtsbehörden in Deutschland über höhere Kapitalpuffer der Banken für Immobilienkredite, mit denen eine Überhitzung des Immobilienmarktes vermieden werden solle. Von Februar des Jahres 2023 an müssten viele In­stitute ihr Eigenkapital erhöhen. Das ziehe erfahrungsgemäß – leichte – Zinssteigerungen für Kreditnehmer nach sich. „Zwar treffen die Bafin-Vorgaben nicht alle Banken gleichermaßen stark“, sagt Herbst: „Dennoch ist es denkbar, dass auch Geldhäuser mit einem ausreichenden Kapitalpuffer die Gunst der Stunde nutzen, und auch ihre Zinsen und damit ihre Margen anheben.“

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Quelle: F.A.Z.
Christian Siedenbiedel - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Christian Siedenbiedel
Redakteur in der Wirtschaft.
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