Krypto-Geld aus Drogenhandel

Was die Justiz mit beschlagnahmten Bitcoins macht

Von Tim Kanning
21.12.2021
, 19:49
Illustration eines Bitcoin
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Bei Drogenhändlern haben Ermittler in Frankfurt 100 Millionen Euro in verschiedenen Kryptoanlagen sichergestellt. Die wieder loszuwerden ist gar nicht so einfach. Vor allem eine der virtuellen Währungen bereitet Schwierigkeiten.
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Es war einer der größten Schläge gegen den Drogenhandel im sogenannten Darknet, der der Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt bislang gelungen ist. Drei Beschuldigte wurden im Juli dieses Jahres wegen bandenmäßigen Handels mit Betäubungsmitteln in großen Mengen jeweils zu mehrjährigen Freiheitsstrafen verurteilt. Und noch etwas stellte die Generalstaatsanwaltschaft bei den drei Herren sicher: Kryptowährungen wie Bitcoin im Wert von insgesamt rund 100 Millionen Euro.

Was macht man mit so viel virtuellem Geld? Die Kölner Staatsanwaltschaft hatte im Oktober für Schlagzeilen gesorgt, als sie nach einem ähnlichen Fall 215 Bitcoin im Gegenwert von damals fast 12 Millionen Euro versteigert hat. Die Frankfurter haben nun einen anderen Weg gewählt.

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„Kontaminierte Coins“

Über das Bankhaus Scheich hat die Generalstaatsanwaltschaft die Krypto-Werte nun legalisiert und wieder auf den Markt gebracht, wie sie der F.A.Z. nun erläuterte. Das Bankinstitut habe die Werte in den vergangenen zehn Tagen schon komplett abverkauft.

Da die Kryptowährungen im Zusammenhang mit Verbrechen stehen gelten sie als „kontaminierte Coins“, wie das Bankhaus Scheich erläutert, und können nicht auf gängigen Börsen gehandelt werden. Dort sollten sofort die Alarmglocken läuten, sobald jemand mit solchen als Werten handeln will, die als kontaminiert gekennzeichnet sind. Gemeinsam mit der ZIT habe die Bank nun einen Prozess etabliert, über den Handelspartner informiert werden, dass die Währungen wieder in rechtmäßigem Besitz sind und als „sauber“ deklariert wurden.

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Insgesamt seien neben Bitcoin neun weitere Kryptowährungen veräußert worden, sagte Oberstaatsanwältin Jana Ringwald gegenüber der F.A.Z. Besonders anspruchsvoll sei die Verwertung von Monero gewesen. Diese Kryptowährung sei so stark anonymisiert, dass davon auszugehen sei, dass nur kriminelle Geschäfte damit getätigt würden. Aus diesem Grund würden nur sehr wenige Anbieter den Handel hiermit überhaupt anbieten.

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Auch das Bankhaus Scheich, das hauptsächlich als Market Maker an der Frankfurter Wertpapierbörse agiert, sich aber auch als Händler von Kryptowährungen positioniert, handele normalerweise nicht mit Monero, stellt Managing Director Nils von Schoenaich-Carolath klar. “In diesem Fall haben wir uns vorab mit der Aufsicht ausgetauscht und daraufhin eine Ausnahme gemacht“, sagt er. Die Bank und die Justizbehörde betonen, dass sie eine in Deutschland bislang einzigartige, professionelle und rechtssichere Lösung entwickelt hätten, um Kryptovermögen wieder dem regulären Markt zuzuführen. Für die künftige Verwertung beschlagnahmter Kryptowerte haben die ZIT und Scheich eine Rahmenvereinbarung geschlossen. „Kryptowährungen sind das Zahlmittel der Cybercrime“, sagte Ringwald. „Nicht nur ihre Sicherstellung erfordert ein professionelles Vorgehen, sondern auch ihre Verwertung.“

Und warum gehen die Justizbehörden in Frankfurt einen anderen Weg als die in Köln? „Virtuelle Währungen sind keine Autos oder Uhren“, sagt Ringwald. „Für sie gibt es liquide Märkte und einen stets aktuellen Preis.“ Außerdem hätten die zu verwertenden Volumina, die Vielzahl der Währungen und das Erfordernis, die beschlagnahmten Werte für die Weiterveräußerung zu legalisieren aus Sicht der ZIT nicht den Weg der Verwertung über eine Versteigerung eröffnet. Das Geld aus der Verwertung fließt nun erst einmal der Gerichtskasse zu, die sie verwahrt, bis der Fall rechtskräftig abgeschlossen ist.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenpoträt / Kanning, Tim (kann.)
Tim Kanning
Redakteur in der Wirtschaft.
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