Kryptowährungen

Bitcoin schützt nicht

EIN KOMMENTAR Von Dennis Kremer
17.10.2021
, 16:09
Derzeit wieder mehr als 50.000 Euro wert: Ein Bitcoin
Der Bitcoin soll vor Inflation schützen, behaupten seine Anhänger. Das ist eine steile These.
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Der Kurs des Bitcoin hat sich in den vergangenen Wochen zu alten Höhen aufgemacht. Eine Einheit der sogenannten Digitalwährung kostete zuletzt fast wieder 60.000 Dollar. Bitcoin-Anhänger nennen dafür zwei Gründe: Erstens scheint sich die Fangemeinde sicher zu sein, dass in den Vereinigten Staaten in keinem Fall das droht, was in China jüngst zu beobachten war. Dort ist Bitcoin mittlerweile weitgehend verboten.

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In den USA hatte man zumindest eine harte Regulierung erwartet, aber die jüngsten Signale gehen in eine andere Richtung. Sogar Indexfonds (ETF) mit Bitcoin-Bezug dürfen nun auf die Genehmigung der Börsenaufsicht hoffen. Zweitens kommt dem Bitcoin nach Ansicht seiner Fans die Sorge vor dem Anstieg der Inflation zugute, die weltweit um sich greift. Das traditionelle Geldsystem gerate unter Druck, folgern sie, darum wichen immer mehr Anleger auf den Bitcoin aus. Bitcoin sei ein guter Inflationsschutz.

Man muss Bitcoin und andere Digitalwährungen nicht in Bausch und Bogen ablehnen, um diese Überlegung für Unsinn zu halten. Ja, Bitcoin ist ein atemberaubendes technologisches Projekt, das trotz einiger Schwächen (Stichwort: hoher Energieverbrauch) Anerkennung verdient. Und ja, im Bitcoin-System selbst ist angelegt, dass sich die Zahl der Bitcoin-Einheiten nicht unbegrenzt erhöhen lässt. Das ist das wichtigste Argument, was die Anhänger für den Inflationsschutz des Bitcoin anführen. Aber es gibt dann eben doch einen ganz wesentlichen Unterschied zu Gold, dem klassischsten Inflationsschutz. Gold wird wohl nie völlig seinen Wert verlieren, aus ihm lässt sich zur Not noch immer schöner Schmuck machen.

Bitcoin dagegen liegen keine physischen Sicherheiten zugrunde, es handelt sich um reine Technologie. Auf deren Wert lässt sich munter spekulieren, wie die Kursausschläge des Bitcoin zeigen. Dass solche extremen Schwankungen Anlegern Schutz vor Inflation bieten sollen, ist darum eine steile These.

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Quelle: F.A.S.
Autorenporträt / Kremer, Dennis
Dennis Kremer
Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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