Börse

Das billige Geld treibt die Immobilienpreise

Von Benedikt Fehr
30.01.2005
, 16:52
Dies- und jenseits des Atlantiks nehmen die Sorgen über den Anstieg der Immobilienpreise zu. Sollen die Notenbanken mit einer Erhöhung der Leitzinsen darauf reagieren?
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Dies- und jenseits des Atlantiks nehmen die Sorgen über den Anstieg der Immobilienpreise zu. In Amerika sind die Preise für ein durchschnittliches Eigenheim in den zwölf Monaten zum 30. September 2004 um fast 13 Prozent gestiegen, der höchste Anstieg seit 1979. Und auch in einigen Ländern des Euro-Raums hat die billige und reichliche Liquidität dazu beigetragen, daß die Preise für Eigenheime im vergangenen Jahr stark zugelegt haben, allen voran in Frankreich und Spanien um jeweils gut 15 Prozent.

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Wie sollen die Notenbanken darauf reagieren? Erhöhen sie die Leitzinsen, um die Inflation der Immobilienpreise zu dämpfen, könnte dies die ohnehin eher flaue Konjunktur zusätzlich schwächen. Hinzu kommt das Risiko, daß ein Anstechen der Immobilienblase durch die Notenbanken Preisrückgänge auslösen könnte. Das aber würde vielen Haushalten empfindliche Vermögenseinbußen bescheren, zumal Immobilien meist stark kreditfinanziert sind. Dieser Vermögenseffekt könnte damit weit stärker auf den privaten Konsum durchschlagen als das Platzen der Aktienhausse zu Beginn des Jahrzehnts.

Spekulative Übertreibungen

Auf der anderen Seite droht sich das Problem immer weiter aufzubauen: So hat das immer noch niedrige Zinsniveau in Amerika dazu beigetragen, daß dort im vergangenen Jahr knapp 2 Millionen Eigenheime gebaut wurden; der höchste Zuwachs seit 1978 war dabei zusehends spekulativ getrieben. Zudem wechselten 6,7 Millionen Eigenheime den Besitzer, das vierte Rekordjahr in Folge. Wie sich dem jüngsten Kommuniqué der amerikanischen Notenbank Fed entnehmen läßt, nehmen bei der Fed die Sorgen zu, daß es auf diesem Markt zu spekulativen Übertreibungen gekommen ist. Leidtragende davon wären vor allem die Käufer, die zu erhöhten Preisen gekauft haben. Nicht wenige dieser Käufer sind sozial schwach. Das ist politisch brisant.

Nach den am Donnerstag veröffentlichten Preisdaten laufen die Immobilienmärkte auch in einigen Euro-Ländern heiß. Das zeigen auch neue Daten der Europäischen Zentralbank (EZB). Demnach hat das Volumen der Wohnungsbaukredite im Dezember mit einer Jahresrate von 10 Prozent zugenommen und damit erheblich zum weiterhin kräftigen Anstieg der Geldmenge M3 beigetragen. Die EZB hat mehrfach deutlich gemacht, daß sie darin mittelfristig Risiken für die Preisstabilität sieht. Nach Einschätzung von Thomas Hueck, einem Ökonomen der Hypo-Vereinsbank, wird das Risiko einer Vermögenspreisblase die EZB veranlassen, ihren Leitzins früher zu erhöhen als allgemein erwartet: Er sieht den ersten Zinsschritt schon Anfang Mai, sobald sich der Konjunkturausblick verbessere. Indes erwartet die große Mehrzahl der Analysten dies erst für das vierte Quartal.

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Spekulation auf steigende Zinsen

Von der Fed wird allgemein erwartet, daß sie bei ihrem Kurs maßvoller Schritte bleibt und ihren Leitzins am Mittwoch von 2,25 auf 2,5 Prozent anhebt. Bis Freitag wurde an den Anleihemärkten befürchtet, daß die Fed in ihrem Kommuniqué vor erhöhten Inflationsrisiken warnen und eine raschere Straffung der Geldpolitik andeuten könnte. Die jüngsten Konjunkturdaten haben diese Besorgnisse ausgeräumt. Denn mit 1,6 Prozent lag die Kernrate der Inflation auf dem angestrebtem Niveau. Zudem ist die amerikanische Wirtschaft im vierten Quartal mit annualisiert 3,1 Prozent weniger stark gewachsen als erwartet, wobei die Inlandsnachfrage aber weiter kräftig war.

Für die Anleger an den Anleihemärkten waren diese Daten am Freitag ein Signal, ihre Spekulationen auf steigende Zinsen zurückzunehmen. Das hat die Rendite der zehnjährigen Staatsanleihe in Amerika um 8 Basispunkte auf 4,14 Prozent gedrückt, im Euro-Raum in gleicher Größenordnung auf 3,55 Prozent. Die Aktienmärkte haben sich in der vergangenen Woche seitwärts bewegt. Überwiegend positive Quartalsergebnisse stimulierten, ebenso die andauernde Serie großer Übernahmen und Fusionen in Amerika, die durch die niedrigen Zinsen angeschoben wird.

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Gewinnmitnahmen drückten Aktienkurse

Vor allem der geplante Zusammenschluß der Konsumgüterkonzerne Procter & Gamble und Gillette belebte die Börsenphantasie. Erklärtes Ziel des künftigen Großkonzerns ist es, gegenüber den "übermächtigen" Einzelhändlern höhere Preismargen durchzusetzen. Das hören die Aktionäre der Fusionskandidaten gern, die der Einzelhändler allerdings nicht so gern. Mit Blick auf die Auswirkungen auf die Inflation wird auch die Fed diesen Machtkampf aufmerksam verfolgen.

Zum Wochenschluß drückten Gewinnmitnahmen die Aktienkurse. Vor den politischen Großereignissen - dem Ausgang der Wahlen im Irak und dem Opec-Treffen am gestrigen Sonntag, den Sitzungen von Fed und EZB am Mittwoch und Donnerstag und dem G-7-Gipfel am Freitag und Samstag - gingen viele Anleger zum Wochenschluß auf Nummer Sicher.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.01.2005, Nr. 25 / Seite 24
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