Börse

Das Spiel mit den Kursschwankungen kann sich lohnen

27.06.2003
, 18:57
Von Kursbewegungen bei Aktien und Indizes können Anleger doppelt profitieren: Während niedrige Schwankungen für den Kauf von Optionsscheinen sprechen, machen sie Discount-Zertifikate weniger attraktiv und umgekehrt.

Der Blick auf die Kursschwankungen, die Volatilitäten, kann sich für die Anleger durchaus lohnen. Denn durch den Einsatz der richtigen Produkte können sie von den Kursbewegungen bei Aktien und Indizes doppelt profitieren. Während niedrige Schwankungen für den Kauf von Optionsscheinen sprechen, machen sie Discount-Zertifikate weniger attraktiv und umgekehrt.

Dabei ist mit den wieder steigenden Aktienkursen die Schwankungsbreite vieler Einzelwerte und ganzer Indizes zuletzt deutlich zurückgegangen. Der V-Dax, der die von den Marktteilnehmern für die nächsten Monate erwarteten Schwankungen des Dax abbildet, lag am Freitag bei etwa 26. Einen ähnlich tiefen Wert hatte das Volatilitätsmaß im Juni vergangenen Jahres erreicht.

Wirtschaftliche und geopolitische Unsicherheiten

Seither hatten wirtschaftliche und vor allem geopolitische Unsicherheiten die Aktienkurse zeitweise kräftig fallen und die Volatilitäten gleichzeitig in die Höhe schnellen lassen. Im Oktober 2002 erreichte der V-Dax mit einem Stand von fast 60 ein langjähriges Hoch, noch im Januar lag er bei etwa 55. Werte von 24 bis 25 seien langfristig normal, erklärt Dirk Heß von Goldman Sachs.

Die Markterwartungen der Anleger sind entscheidend für die Spekulation mit der Volatilität. Rechnet man mit einer künftig zunehmenden Schwankungsbreite, so gelten Optionsscheine als interessante Investments. Hier beeinflussen sowohl die Entwicklung des zugrundeliegenden Wertes als auch die Volatilität den Preis. Dies gilt für die Wette auf steigende Kurse (Calls) wie auch auf fallende Märkte (Puts). Setzt der Anleger beispielsweise auf wieder sinkende Aktienkurse und trifft diese Erwartung zu, so profitiert der Put von den Einbußen des Basiswertes wie auch von den dann in der Regel mit fallenden Kursen wieder zunehmenden Schwankungen.

Discount-Zertifikate profitieren von hohen Volatilitäten

Steigende Aktienkurse wiederum gehen meist mit fallenden oder aber gleichbleibenden Volatilitäten einher. Sind dagegen die Volatilitäten sehr hoch, können Optionsscheinanleger, selbst wenn sie auf die richtige Richtung der Kursbewegung setzen, doch verlieren. Denn bei einem Rückgang der Volatilität fällt auch der Optionsscheinpreis.

Discount-Zertifikate wiederum profitieren von hohen Volatilitäten. Der Anleger erwirbt hier eine Aktie oder einen Index mit einem Preisabschlag (Discount) und verzichtet im Gegenzug auf Kursgewinne oberhalb einer vorher vereinbarten Kursschwelle. Je höher die Volatilität, desto höher der Abschlag. "Die derzeit überwiegend niedrigeren Volatilitäten wiederum machen Discount-Zertifikate entsprechend weniger attraktiv", stellt Heß fest. Im breiten Markt hätten die Kursschwankungen zwar abgenommen, bei Einzelwerten wie MLP oder auch Allianz sei nach wie vor eine hohe Schwankungsbreite zu beobachten und Discounter grundsätzlich weiter interessant.

Auch bei den Umsätzen an der Euwax, dem Derivatesegment der Stuttgarter Börse, macht sich die gesunkene Volatilität bemerkbar. Der Handel mit Optionsscheinen habe in den vergangenen Monaten wieder zugenommen, sagt Jörg Leichinger von Euwax-Broker, dem skontroführenden Makler an der Euwax. Bei den Anlegern nach wie vor heiß begehrt seien jedoch die von den Volatilitäten unabhängigen hochspekulativen Hebelprodukte (Turbos). Und auch Heß resümiert, daß der klassische Retailinvestor nur langsam an den Markt zurückkehre. Daytrader bestimmten weiter das Marktgeschehen.

Quelle: kpa. / Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.06.2003, Nr. 147 / Seite 25
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