Neue Herausforderungen

Bundesbank hält Bankensystem für robust

Von Markus Frühauf
01.09.2021
, 22:41
Verantwortet im Vorstand der Bundesbank die Bankenaufsicht: Joachim Wuermeling
Bankenaufseher warnt vor Herausforderungen aus der Transformationsfinanzierung. Dazu hält er die Institute noch nicht für gerüstet.
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Die Bankenaufseher der Bundesbank sehen die deutsche Kreditwirtschaft trotz Corona-Pandemie in robuster Verfassung. Der im Bundesvorstand für Bankenaufsicht verantwortliche Joachim Wuermeling sagte auf dem digital veranstalteten Bundesbank-Symposium „Bankenaufsicht im Dialog“ am Mittwoch, die pandemiebedingten Wertberichtigungen und Kreditausfälle fielen derzeit deutlich niedriger aus als zunächst befürchtet. Nur rund 0,6 Prozent der Kreditforderungen hätten Ende März noch als pandemiebedingt gestundet gegolten. Zu diesem Zeitpunkt habe die Quote notleidender Kredite gut 1,2 Prozent betragen und damit seit Beginn der Corona-Krise kaum zugenommen.

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Wuermeling verwies auf die von den großen Banken für dieses Jahr geplanten Wertberichtigungen von 6 Milliarden Euro, von denen im ersten Halbjahr aber nur einige hundert Millionen Euro als Risikovorsorge gebildet worden seien. Das Überschusskapital im deutschen Bankensystem hat seinen Angaben zufolge Ende März 150,6 Milliarden Euro betragen. Auch im EU-weiten Stresstest hätten die 16 teilnehmenden Institute bei der simulierten schweren Wirtschaftskrise die Kapitalanforderungen erfüllt.

Banken müssen Werkzeugkasten prüfen

Trotzdem lenkte Wuermeling den Blick auf die künftigen Herausforderungen, die er in der Transformationsfinanzierung sieht. Darunter versteht er den Strukturwandel in der Realwirtschaft nach der Corona-Krise, der durch Digitalisierung und den Übergang in eine CO2-arme Wirtschaft gekennzeichnet ist. Hierfür sieht Wuermeling die deutschen Banken noch nicht gut aufgestellt. Sie müssten ihre bestehenden Finanzierungsinstrumente daraufhin prüfen, ob und wie diese zu Innovationsmodellen passten, und bei Bedarf weiterentwickeln.

Zuvor hatte Bundesbank-Präsident Jens Weidmann erklärt, dass der digitale Euro nicht als Ersatz für das Bargeld gedacht sei, sondern als zusätzliches Angebot. Jedoch müssten vor der Einführung die Risiken für das Bankensystem eingehegt werden. Damit die Bürger ihre Einlagen nicht unbegrenzt von den Bankkonten in den digitalen Euro umschichten, hält Weidmann betragsmäßige Einschränkungen für unumgänglich.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Frühauf, Markus
Markus Frühauf
Redakteur in der Wirtschaft.
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