Bundesbank-Bericht

Immer mehr Kreditinstitute verlangen Negativzinsen

22.02.2021
, 14:36
Strafzinsen aufs Ersparte greifen immer mehr um sich. Vor allem eine Institutsgruppe, bei der man es nicht zuerst erwarten würde, langt kräftig zu.

Eine wachsende Zahl von Kreditinstituten gibt die Strafzinsen der Europäischen Zentralbank (EZB) an Kunden weiter. „Der Anteil der Banken in Deutschland, die ihre Kundeneinlagen im Durchschnitt negativ verzinsen, nahm 2020 weiter zu“, heißt es im am Montag veröffentlichten Monatsbericht der Deutschen Bundesbank. Unternehmen sind seit geraumer Zeit von Minuszinsen auf Sichteinlagen wie Giro- und Tagesgeldkonten und auf Termineinlagen wie Festgeld betroffen. Auch bei Sichteinlagen von Privatkunden sei „ein bisher ungebrochener Aufwärtstrend erkennbar“, schreibt die Bundesbank.

Dass dabei durchaus eine Spirale zu beobachten ist, war erst vor wenigen Tagen auf der Jahres-Pressekonferenz der Hamburger Sparkasse zu hören. Nach den Worten des Vorstandssprechers Harald Vogelsang sind der größten deutschen Sparkasse allein im vergangenen Jahr 2,8 Milliarden Euro an neuen Einlagen zugeflossen, weil andere Institute ihre Strafzinsen ausgeweitet hatten. Nun denke auch die Haspa darüber nach, die Schwelle, aber derer sogenannte “Verwahrentgelte“ verlangt werden, weiter abzusenken. Ähnlich klingt das auch bei der Deutschen Bank, die inzwischen von ihren Unternehmenskunden auf 78 Milliarden Euro an Einlagen Strafzinsen verlangt, und bei den Privatkunden auf 9 Milliarden Euro.

Negativzinsen auf Termineinlagen, also zum Beispiel Festgeld, seien hier bislang die Ausnahme. Nur rund 1 Prozent der Institute aus einer Stichprobe von 212 Geldhäusern meldeten im Dezember 2020 demnach im Schnitt negative Zinsen auf Termineinlagen von Privatkunden. Festgeld und Co. seien im Durchschnitt weiterhin positiv verzinst. Bei Sichteinlagen privater Haushalte lag der Anteil der Finanzhäuser, die im Schnitt negative Zinsen erheben, Ende vergangenen Jahres bei 42 Prozent. Wie viele Banken in Deutschland negative Einlagenzinsen eingeführt haben, geht aus der Stichprobe nicht hervor.

Vor allem Sparkassen verlangen Strafzinsen

Geschäftsbanken müssen aktuell 0,5 Prozent Zinsen zahlen, wenn sie überschüssige Gelder bei der EZB parken. Auch wenn es inzwischen Freibeträge für bestimmte Summen gibt, bleibt dies für die Branche eine Milliardenbelastung. Die Kosten geben immer mehr Geldhäuser ganz oder teilweise weiter und berechnen Kunden Negativzinsen, vor allem bei größeren Summen.

Negative Zinsen für Unternehmen beschränken sich der Bundesbank zufolge nicht mehr auf bestimmte Bankengruppen, „sondern scheinen mittlerweile eine übliche Praxis zu sein.“ Von Privatkunden erheben demnach vor allem Sparkassen und Genossenschaftsbanken Minuszinsen und weniger Großbanken und Regionalbanken. Kontoführungsgebühren, die zusätzlich oder stattdessen verlangt werden, sind nicht in der Statistik enthalten.

Quelle: kann. / dpa
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