FAZ plus ArtikelProgramme vor Bundestagswahl

Welche Partei dem Portemonnaie hilft

Von Ralph Bollmann
13.09.2021
, 13:00
Welche Partei hat im Bundestagswahlkampf die Finanzen der Wählerinnen und Wähler am meisten im Blick?
Wahl-O-Maten helfen, die passende Partei zu finden. Die Finanzen des einzelnen Wählers haben aber nur wenige im Blick. FAZ.NET stellt Ihnen einige dieser Entscheidungshelfer vor.

Es gibt erstaunliche Lücken in den Debatten dieses Wahlkampfs. Inzwischen wissen wir fast alles über unpassendes Lachen im Flutgebiet, über aufgehübschte Lebensläufe oder auch ein bisschen etwas über die erstaunliche Nachsicht Hamburger Behörden mit den Cum-ex-Geschäften privater Banken. Aber wir hören zum Beispiel fast nichts über die Rentenpolitik: Fast alle Fachleute sind sich einig, dass die staatliche Altersvorsorge in zehn bis zwanzig Jahren kräftig ins Schlingern gerät, aber gerade deshalb wollen die Parteien ihre Wählerschaft in den Programmen damit nicht beunruhigen.

Der Mangel an konkreten Botschaften erschwert vor allem eines: eine Wahlentscheidung, die sich stark an den eigenen materiellen Bedürfnissen orientiert. Eigentlich sollte ja der „Wahl-O-Mat“ der Bundeszentrale für politische Bildung, bei der ersten Merkel-Wahl 2005 ersonnen und seither immer mehr verfeinert, auch dabei helfen. Er hat allerdings ein Konstruktionsproblem, das in der Natur der Sache liegt: Was in den Wahlprogrammen der Parteien nicht steht, das kann in einem solchen Frage-Antwort-Spiel auch nicht abgefragt werden.

Testen Sie unser Angebot.
Jetzt weiterlesen.
Testen Sie unsere Angebote.
F.A.Z. PLUS:

  FAZ.NET komplett

Diese und viele weitere Artikel lesen Sie exklusiv mit F+
Rat im Internet

Steuern, abstrakt

Das Thema Steuern wird in den wichtigsten Wahl-O-Maten nur am Rande gestreift, obwohl für eine neue Regierung Handlungsbedarf besteht. Der Soli gilt als verfassungswidrig, schon Mittelschichtler zahlen den Spitzensteuersatz, und die Unternehmen werden im internationalen Vergleich hoch besteuert. Daher haben die Steuerexperten von EY einen Wahl-O-Maten speziell für Steuern entwickelt. Er analysiert in 28 Fragen die Meinung zu den umstrittensten Steuerreformideen der Parteien, zum Beispiel: Sollen Reiche stärker belastet oder der Soli für alle abgeschafft werden? Soll die Vermögensteuer wieder eingeführt werden, wie das SPD, Grüne und Linke planen? Sollten Erben mehr zahlen müssen? Sollte Sparen steuerlich stärker gefördert werden? Nach der 28. Frage zeigt eine Balkengrafik, wie viel Prozent Übereinstimmung zwischen den Wünschen des Nutzers und dem Parteiprogramm besteht. Berücksichtigt sind alle derzeit im Bundestag vertretenen Parteien. Hier finden Sie den Steuer-Wahl-O-Mat. (dys.)

Steuern, konkret

Was bedeutet meine Wahlentscheidung für meinen Kontostand? Ganz genau auf Euro und Cent berechnet das kaum einer der Wahl-O-Maten. Anders ist das beim Steuer-O-Mat, den das In­stitut der deutschen Wirtschaft ins Netz gestellt hat – gemeinsam mit „Smartsteuer“, einem Portal, das beim Erstellen der eigenen Steuererklärung hilft. Die Ergebnisse suggerieren zwar eine Genauigkeit, die in der Praxis nicht gegeben ist, weil diesmal keine Partei einen komplett ausgearbeiteten Steuertarif präsentiert. Aber die Annahmen etwa über den genauen Progressionsverlauf erscheinen einigermaßen plausibel. Entsprechend erwartbar sind allerdings auch die Ergebnisse, welche Parteien die Steuern eher für Gutverdiener senken oder aber die Leute mit kleineren Gehältern begünstigen wollen. Das Ganze beschränkt sich aber auf die Einkommensteuer: Die Belastung von Vermögen oder die Mehrwertsteuer aufs Schnitzel im Restaurant bleiben unberücksichtigt. (boll.)

Autos, allgemein

Die Zukunft des Autos spielt eine große Rolle in den Wahlprogrammen der Parteien. Von der Zukunft des Verbrennungsmotors bis zur CO2-Abgabe, von autofreien Innenstädten bis zum Tempolimit auf der Autobahn: Der Umgang mit dem eigenen Fahrzeug berührt nicht nur das Großthema Klimaschutz, sondern auch die Lebensqualität am eigenen Wohnort und Fragen des persönlichen Lebensstils. Entsprechend unterschiedlich sind die Ansätze der Parteien, entsprechend vielfältig die Fragen, die ein speziell konstruierter Wahl-O-Mat aufwirft: „Carwow-O-Mat“ heißt er, konstruiert von einem Internetportal, das auf Ratschläge zum Autokauf und -verkauf spezialisiert ist. Wer sich erhofft hätte, für den eigenen Lebensstil eine maßgeschneiderte Wahlempfehlung zu erhalten, sieht sich allerdings getäuscht: Wie viel CO2-Steuer man selbst in Zukunft zahlen müsste oder wie oft man tatsächlich schnell auf der Autobahn fährt, das muss sich jeder Nutzer selbst ausrechnen. (boll.)

Quelle: F.A.S.
Autorenporträt / Bollmann, Ralph
Ralph Bollmann
Korrespondent für Wirtschaftspolitik und stellvertretender Leiter Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot