Commerzbank

Manfred Knofs Rosskur bei der Commerzbank greift

Von Archibald Preuschat
12.05.2022
, 14:28
Manfred Knof hat sich als harter Sanierer positioniert.
Das Institut hat ein gutes erstes Quartal hinter sich. Das brauchte sie auch, um Risiken ihres Russland-Geschäfts abzusichern. Ein Rückzug ist keine Option.
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Die vom Commerzbank-Vorstandsvorsitzenden Manfred Knof Anfang 2021 angestoßene Strategie greift. Operativ hat Deutschlands zweitgrößte Geschäftsbank einen hervorragenden Start in das laufende Jahr hingelegt. Die Zahlen waren so gut, dass sie Ende April ad-hoc verbreitet werden mussten, weil sie deutlich über den Erwartungen der Analysten lagen. Beim endgültigen Zahlenwerk konnte die Commerzbank am Donnerstag noch eine Schippe drauf legen: 298 Millionen Euro verdiente die Bank nach Steuern und Minderheitsanteilen, nochmals 14 Millionen Euro mehr als ursprünglich angekündigt.

Ergo bestätigte Knof wie schon am Mittwoch auf der Hauptversammlung das Ziel, im laufenden Jahr unterm Strich mehr als eine Milliarde Euro verdienen zu wollen. Doch Knof sagte es schon den Aktionären und wiederholte es am Donnerstag in einer Telefonkonferenz: Dass der Krieg in der Ukraine, die Lieferkettenengpässe und die galoppierende Teuerung durchaus das Potenzial haben, Europa in die Rezession zu stürzen. Und genau dieses Szenario berücksichtigt die Prognose der auf den Mittelstand fokussierten Bank nicht.

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„Wir nehmen bei der Prognose an, dass die Wirtschaft zwar langsamer, aber dennoch wächst“, sagte der Commerzbank-Vorstandschef. Und wenn nicht? „Dann müssen wir – und alle anderen auch – neu rechnen.“ Dass das Jahr 2022 aber wohl noch böse Überraschungen bereit haben wird, das schwant ihm und seiner Stellvertreterin und Finanzvorständin Bettina Orlopp wohl schon. Denn die Commerzbank vergrößerte die Puffer, um gegen Kreditausfälle gewappnet zu sein. „Top-Level-Adjustment“, nennt Orlopp das Instrument, das die Commerzbank zum Beginn der Corona-Pandemie eingeführt hat, um mögliche Belastungen abzufedern, die sich in Risikomodellen noch nicht abbilden lassen.

Bis zu 1,2 Milliarden Euro im Feuer

Und das operativ starke Quartal nutzte die Bank, um den Puffer aufzufüllen. Denn Orlopp hält es schon jetzt für wahrscheinlich, dass der Puffer im Jahresverlauf angegriffen werden muss, um das Ziel, die Risikovorsorge im Gesamtjahr unter 700 Millionen Euro zu halten, nicht reißen zu müssen. Die Finanzvorständin rechnete vor, ausgehend von einem Puffer von 500 Millionen Euro zu Jahresbeginn und einer Risikovorsorge von weiteren 700 Millionen Euro, könnten Kredite von bis zu 1,2 Milliarden Euro im Feuer stehen.

Das hat nicht zuletzt mit dem Krieg in der Ukraine und den daraus resultierenden Sanktionen gegen Russland zu tun. Anders als globale Mitbewerber, lehnt Knof es ab, dass sich die Commerzbank aus Russland zurückzieht. „Wir machen dort kein Neugeschäft mehr, aber wir lassen unsere bestehenden deutschen und internationalen Kunden auch nicht im Regen stehen“, sagte Knof.

So konnte die Commerzbank ihr Russland-Exposure zwischen Mitte Februar und Ende April um rund 600 Millionen Euro reduzieren – es bleiben aber noch 1,2 Milliarden Euro, ein Teil davon liegt bei der russischen Commerzbank-Tochtergesellschaft Eurasija, die zudem noch Rubel im Wert von rund 300 Millionen Euro bei der Russischen Zentralbank und der Clearingstelle hält. 135 Menschen in Russland stehen im Dienst der Russland-Tochtergesellschaft, so Knof. Ein Verkauf der Eurasija sei im Vorstand noch nicht angedacht worden, sagte der Commerzbank-Chef, ebenso wenig habe man Angebote für die russische Tochter erhalten.

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Immerhin: Käme es zum Äußersten und die Commerzbank würde beispielsweise in Russland enteignet werden, ist für die Hälfte des Verlustes schon Vorsorge getroffen. 600 Millionen Euro würden aber noch das Ergebnis belasten.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Preuschat, Archibald
Archibald Preuschat
Redakteur in der Wirtschaft
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