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Coronafolgen

Banken droht Welle von Kreditausfällen

Von Markus Frühauf
03.11.2020
, 16:12
Wie hart trifft Corona den Finanzplatz Frankfurt? Bild: dpa
Bankenaufseher warnen vor den Folgen der Corona-Pandemie für den deutschen Bankenplatz. Wie ernst wird es wirklich?

Europas Bankenaufseher fürchten in der Corona-Krise eine auf die Banken zurollende Welle an Kreditausfällen. Die im dritten Quartal guten Ergebnisse vieler Institute sollen nicht zu einer trügerischen Sicherheit verführen. Deshalb warnte am Dienstag der oberste Bankenaufseher der deutschen Finanzaufsicht Bafin, Exekutivdirektor Raimund Röseler, die Kreditwirtschaft vor zu viel Unbekümmertheit in der Corona-Krise. Viele Geldhäuser seien beim Thema Kreditausfälle nach wie vor „tiefenentspannt“, sagte er auf einer Veranstaltung des „Handelsblatt“. „Die Corona-Krise wird für viele Banken noch schmerzhafte Folgen haben“, fürchtet Röseler.

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Angesichts der drohenden Belastungen kann sich Röseler nicht vorstellen, dass die Bankenaufsicht der Europäischen Zentralbank (EZB) im Dezember ihre Empfehlung zum Dividendenstopp komplett aufheben werde. „Wir werden auch im Dezember mindestens dazu mahnen, dass man sehr zurückhaltend ist, wenn es darum geht, Kapital aus dem System abzuziehen. Das gilt für Dividenden und das gilt natürlich auch für Boni“, sagte Röseler. „Wir erwarten da allergrößte Zurückhaltung“, fügte er hinzu.

Der Chef der EZB-Bankenaufsicht, Andrea Enria, erneuerte am Dienstag seinen Vorschlag nach staatlicher Unterstützung für die Banken im Abbau ausfallgefährdeter Kredite. Die Bankenaufseher der EZB fürchten im schlechtesten Fall der Pandemie einen Anstieg der ausfallgefährdeten Kredite in den Bankbilanzen auf bis zu 1,4 Billionen Euro. Nach ihren aktuellen Statistiken liegen in den Bilanzen der Banken derzeit 503 Milliarden Euro an faulen Krediten. Ende 2014, als die EZB-Bankenaufsicht an den Start ging, waren es noch doppelt so viel. Enria betrachtet einen Anstieg der notleidenden Kredite inmitten der Corona-Krise als großes Problem für die Wirtschaft. Denn die Fähigkeit und Bereitschaft der Banken zur Kreditvergabe sinkt, wenn ihre Bilanzen und ihr Eigenkapital durch hohe Bestände an faulen Krediten belastet werden. „Es geht darum, den Banken in der EU zu ermöglichen, lebensfähige Haushalte, kleine Geschäfte und Unternehmen zu unterstützen“, sagte Enria. Der Italiener fordert einen europäischen Verbund von Abwicklungsplattformen, die den Banken ihre faulen Kredite abnehmen und am Markt weiterverkaufen. Die Finanzierung soll laut Enria mit europäischen Mitteln unterstützt werden. Zugleich solle die Preisfindung für die Übertragung der Kredite europäisch geregelt werden. Das würde den Plattformen, die auch als Bad Bank bezeichnet werden, zugutekommen. „Eine von einer europäischen Körperschaft bereitgestellte oder garantierte Finanzierung würde es jedem nationalen Vermögensverwalter erlauben, von der Kreditwürdigkeit der EU zu profitieren und einen besseren Marktzugang zu genießen“, sagte Enria.

Vor wenigen Wochen hatte die Bundesbank die Banken schon vor der Pleitewelle gewarnt. Die Wertberichtigungen auf Kredite könnten sich gegenüber Juni ungefähr vervierfachen, auf 13 bis 15 Milliarden Euro, erwartet Bundesbank-Vorstand Joachim Wuermeling (F.A.Z. vom 14. Oktober).

Quelle: F.A.Z.
Markus Frühauf
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