Scherbaums Börse

Cyberangriffe kosten Millionen – der Schutz davor auch

Von Christoph Scherbaum
02.07.2021
, 08:31
Nichts geht mehr: Digitale Angreifer können Unternehmen und ganze Branchen lahmlegen.
Die Verteidigung gegen Hacker und Datendiebe wird eines der bestimmenden Themen des 21. Jahrhunderts. Anleger können an diesem Geschäftsmodell gut verdienen.
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Cyberangriff – noch vor zehn oder 15 Jahren war das ein eher fiktives Szenario aus einem Blockbuster-Film aus Hollywood. In Zeiten der Digitalisierung gehören Hacker-Angriffe mittlerweile zum Alltag. Die Cyberkriminalität ist allgegenwärtig und rund um die Welt aktiv.

Viele Angriffe sind rücksichtslos und sogar lebensbedrohlich. Ein abschreckendes Beispiel ist der Anschlag auf das irische Gesundheitssystem im Juni. Durch dessen Lahmlegung hatte niemand mehr Zugriff auf die digitalen Patientenakten. Arzttermine und sogar Operationen mussten in der Folge abgesagt werden. Nicht zu vergessen auch die Angriffe auf das amerikanische Unternehmen Colonial Pipeline und den fleischverarbeitenden Riesen JBS in Brasilien, die beide am Ende Millionen-Lösegelder bezahlten, um die Kontrolle über die eigenen Computersysteme wiederzuerlangen. Hinzu kommt eine lange Liste von weniger bekannten Unternehmen, Universitäten und Wohltätigkeitsorganisationen, die in den vergangenen Jahren Opfer von Cyber-Attacken wurden.

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War früher Cybersicherheit für das Gros der PC-Nutzer mit der Anwendung von Virensoftware abgetan, so ist heute das Thema deutlich komplexer geworden. Das haben rund um den Globus viele Konzerne erkannt. Es ist ein Milliarden-Markt für die Anbieter geworden. Denn Cyberangriffe können Marken, die jahrzehntelang aufgebaut wurden, in nur einem Augenblick nachhaltig beschädigen. Auch die Großen der Branche sind augenscheinlich nicht sicher und schützen sich, wie das Beispiel Google aufzeigt. Auch der jüngst angegriffene Suchmaschinen-Konzern fügte seiner neuesten Android-Version kürzlich ein Datenschutz-Dashboard hinzu.

Unser Autor Christoph Scherbaum ist Börsenfachmann und arbeitet als Finanzjournalist aus Ludwigsburg.
Unser Autor Christoph Scherbaum ist Börsenfachmann und arbeitet als Finanzjournalist aus Ludwigsburg. Bild: Privat

Wer als Anleger das Thema Internet der Dinge interessant findet, kommt im gleichen Atemzug eigentlich nicht um Cybersicherheit herum. Auch hier dürfte sich ein spannendes Investmentthema der nächsten Jahre verbergen. Laut einer Analyse der Investmentbank Jefferies dürften die weltweiten Ausgaben für IT-Sicherheit bis 2023 um etwa 10 Prozent pro Jahr bis auf 158 Milliarden US-Dollar steigen und somit die IT-Ausgaben weltweit deutlich übertreffen. Der Investitionsbedarf in Cybersecurity ist laut dem amerikanischen Analysehaus Tematica niemals größer gewesen.

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Investitionschancen für Anleger

„So sehr es viele Institutionen und Privatpersonen schmerzt, wenn Cyberangriffe Schwachstellen offenlegen – für Anleger bedeutet diese Situation letztlich große Investitionschancen“, sagt Rahul Bhushan, Mitgründer von Rize ETF, einem europäischen Anbieter thematischer Exchange Traded Funds (ETFs).

Der Megatrend Cybersicherheit dürfte nach Ansicht von Bhushan noch durch das sich ausweitende Internet der Dinge (IoT) sowohl für Unternehmen als auch Privatpersonen noch weiter zulegen, wenn neben Smartphones, Tablets, Wearables und Smart-Home-Geräte künftig auch Autos, Krankenhäuser und medizinische Geräte online und per IoT angedockt sind. Auch der Ausbau der 5G-Technologie wird das Thema Datensicherheit weiter anfeuern.

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Bereits im vergangenen Jahr schrieb Catherine Doyle, Anlageexpertin von BNY Mellon in einem Kommentar, dass Anbieter, die sich den allgemeinen Trend zu Cloud-basierten Anwendungen zunutze machen, anstatt wie bisher auf lokale Rechenzentren zu setzen, als Gewinner hervorgehen dürften. Sie nannte Microsoft als ein typisches Beispiel dafür und führte aus: „2018 kündigte der Software-Gigant Milliarden-Investitionen in Cybersicherheit und das Internet der Dinge an.

Ziel war es, den Bedarf an Software von Drittanbietern zu verringern und damit seine Position gegenüber seinen Konkurrenten zu stärken sowie Nicht-PC-Geräte enger an die eigene Software anzubinden.“ Laut Doyle rechtfertigten die Größe und das Wachstumspotenzial des Marktes für Sicherheitslösungen die Investitionen des Windows-Konzerns und hätten Microsoft zu einem relevanten Player in diesem Bereich gemacht. „Diese Fähigkeit, aus Wachstumstrends und globalen Herausforderungen Kapital zu schlagen, ist typisch für die Art von Unternehmen, die in einer sich schnell verändernden Welt florieren werden“, so Doyle im vergangenen September. Wer sich die Bilanzen von Microsoft anschaut, muss ihr rechtgeben.

Warren Buffett ist schon dabei

Rahul Bhushan bringt derweil eine Reihe von weiteren Unternehmensbeispielen heran, die sich auf moderne Lösungen für den digitalen Datenschutz in der Cloud-Infrastruktur, die Verwaltung von Identitätszugriffen und Zero-Trust-Sicherheit konzentrieren würden. Beispiele hierfür seien laut dem Experten Ping Identity, NortonLifeLock, IBM, Sailpoint, Avast oder OneSpan.

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Dass das Thema nicht nur ein Megatrend ist, sondern auch langfristig Rendite einbringen dürfte, hat auch längst Warren Buffett erkannt. Der eigentlich in der Vergangenheit nicht für IT-Investments bekannte Star-Investor ist bereits bei VeriSign eingestiegen.

Das Unternehmen bietet unter anderem Dienstleistungen für den sicheren Betrieb von Internetseiten an. Interessant könnte derweil für Anleger, die nicht gleich größere Positionen von Cybersicherheitsaktien im Depot haben möchten, sich aber dem Thema nähern wollen, auch ein Open End Partizipationszertifikat der Bank Vontobel auf den sogenannten Cyber Security Performance-Index sein. Der Index bildet die Kursentwicklung eines Aktienkorbes von 15 Unternehmen ab, die einen wesentlichen Teil des Umsatzes im Bereich Cyber Security generieren. Der ETF-Anbieter iShares bietet wiederum unter dem Namen Digital Security einen noch deutlich breiter aufgestellten Indexfonds auf knapp 170 Aktien aus dem Bereich an. Interessierte Anleger können sich somit auf ganz unterschiedliche Art dem Thema Sicherheit in der digitalen Welt nähern, ohne – wie Warren Buffett – auf Einzelinvestments setzen zu müssen.

Dass sich Anleger mit IT-Sicherheit nicht nur aufgrund der potentiellen Angreifbarkeit der privaten IT und digitalen Kommunikation beschäftigen sollten, wird mit Blick auf die zunehmende Digitalisierung deutlich. Je mehr diese in den unterschiedlichsten Lebensbereichen Einzug hält, umso stärker muss auch auf die Sicherheit Rücksicht genommen werden. Aus Anlegersicht ist dabei besonders interessant: Im Gegensatz zu Herstellern von Sicherheitsschlössern oder einbruchsicheren Türen verdienen Unternehmen aus dem Bereich digitale Sicherheit kontinuierlich an ihren Dienstleistungen.

Quelle: FAZ.NET
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