Erhöhte Finanzrisiken

Cyberattacken und Corona gefährden Banken

Von Markus Frühauf
07.05.2021
, 10:43
Der Umgang mit Corona-Risiken birgt für Finanzdienstleister Rechtsrisiken. Am gefährlichsten sind aber IT-Probleme und Datenschutz.

An den Finanzmärkten dreht sich derzeit alles um eine mögliche Inflationsspirale, die durch eine kräftige Wirtschaftserholung nach der Corona-Pandemie in Gang gesetzt werden könnte. Doch dabei stehen die wirtschaftlichen Spätfolgen der Corona-Krise noch nicht einmal fest. Für die Unternehmenskundensparte des Versicherungskonzerns Allianz stellt die Covid-Pandemie einen der größten Schocks aller Zeiten für die Weltwirtschaft dar. Eine Rekordverschuldung der Staaten steht schon als Erbe der Pandemie fest.

In einer am Donnerstag veröffentlichten Studie der Allianz Global Corporate & Specialty zu den Risiken für Banken, Vermögensverwalter, Versicherer und anderer Finanzdienstleister wird auf die weiterhin bestehende Gefahr von Marktkorrekturen und Insolvenzen im Zuge der Pandemie hingewiesen. Diese könnten sich auf die Bilanzen der Institute auswirken, die Risiken für die Geschäftsführer erhöhen und zu Rechtsstreitigkeiten führen.

Damoklesschwert schwebt weiter über den Instituten

„Trotz der verbesserten wirtschaftlichen Aussichten bleibt eine erhebliche Unsicherheit bestehen. Das Damoklesschwert der Wirtschafts- und Marktvolatilität schwebt weiter über uns“, sagte Paul Schiavone, leitender Direktor für das Geschäft mit den Kunden aus dem Finanzbereich. „In der Finanzdienstleistungsbranche können Ansprüche gegen Vorstände und leitende Angestellte geltend gemacht werden, wenn der Verdacht besteht, dass sie Risiken im Zusammenhang mit Covid-19 nicht vorhergesehen, offengelegt, gemanagt oder sich nicht darauf vorbereitet haben“, warnte Martin Zschech, Vertriebschef der Allianz-Sparte in Zentral- und Osteuropa.

Doch Corona ist nicht das größte Risiko, das die Allianz in diesem Sektor sieht. Das sind Cybervorfälle wie zum Beispiel Hackerangriffe, Systemausfälle oder Datenschutzverletzungen. Die Allianz-Sparte hat 7654 Versicherungsschäden für Finanzinstitute in den vergangenen fünf Jahren analysiert. Die Schadensumme belief sich auf 870 Millionen Euro. Die häufigste Schadensursache waren Cybervorfälle mit einem Anteil von 12 Prozent. Auf dem zweiten Platz folgt fahrlässiges Handeln mit 11 Prozent.

Laut dem Allianz Risiko Barometer 2021, für das über 900 Teilnehmer aus dem Finanzdienstleistungssektor weltweit befragt wurden, sind Cybervorfälle, die Pandemie und Betriebsunterbrechungen die drei größten Risiken für die Branche weltweit, gefolgt von Änderungen in der Gesetzgebung und Regulierung – insbesondere durch Themen im Bereich Nachhaltigkeit (ESG) und Sorgen vor dem Klimawandel.

Drittanbieter bereiten Sorgen

Unter den Cyberrisiken bereitet den Allianz-Fachleuten vor allem die wachsende Abhängigkeit von Drittanbietern Sorge. Die meisten Finanzinstitute nutzten inzwischen Cloud-basierte Software, was mit einer wachsenden Abhängigkeit von einer relativ kleinen Anzahl von Anbietern einhergehe. Wenn etwas schiefgehe, seien die Institute einem hohen Risiko von Betriebsunterbrechungen sowie der Haftung gegenüber Dritten ausgesetzt, warnt die Allianz.

Die Einhaltung von Gesetzen und Vorschriften, die sogenannte Compliance, ist der dritte Risikobereich, auf den der Versicherer hinweist. Das Thema Datenschutz habe immer weitreichendere Folgen wie zum Beispiel höhere Bußgelder. Auch die Verantwortung im Bereich nachhaltiger Anlagen berge das Risiko von Klimawandel-Klagen, die sich nun auch gegen Finanzinstitute richteten.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Frühauf, Markus
Markus Frühauf
Redakteur in der Wirtschaft.
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